1. Mai 2008, Iron Man

1. Mai 2008, Iron Man

Erinnert ihr euch noch an den 1. Mai 2008? Ich auf alle Fälle sehr gut, wenngleich ich eben ein bisschen erschrocken bin, als mir aufgefallen ist, dass es schon ganze sieben Jahre sind, die seit jenem Datum ins Land gezogen sind. Verrückt, in meinem Kopf ist das noch nicht einmal eine halb Dekade her. Damals war ich in der achten Klasse und die Physik-Klausur war für den nächsten Tag datiert. Chapeau, Frau Stettner. Überragendes Timing – immerhin hätte ich theoretisch einen ganzen Tag zum Lernen Zeit gehabt. Ärgerlicherweise (respektive glücklicherweise) kam irgendein Dude auf die Idee, den Kinostart von Iron Man ebenfalls auf den ersten Mai zu verlegen und die schwierigste Entscheidung, die ich an diesem Tag infolgedessen wohl getroffen habe, bestand darin, zu entscheiden, ob der Eisenmann gegenüber einer verheißungsvollen Black-Jack-Partie mit Jim Sturgess den Vortritt erhält.

Da ich diesen Text nicht anlässlich des siebenjährigen Jubiläums von 21 schreibe, ist die Entscheidung nach reiflicher Überlegung offensichtlich auf Iron Man gefallen. Keine Ahnung, warum – vielleicht war es auch der Beginn einer unbewussten Tradition. Nicht zuletzt stand im Jahr zuvor am Maibeginn Sam Raimis krönender Abschluss der Spider-Man-Trilogie mit Tobey Maguire auf dem Plan. Oder vielleicht war es auch einfach pure Neugier. Denn selbst wenn ich mich zu diesem Zeitpunkt nur sehr rudimentär mit der Filmwelt im Netz auskannte, war eine Sache nicht zu übersehen: Die Euphorie anlässlich dieses Superhelden-Films, der angeblich so viel frischen Wind in sein eigenes Genre bringen sollte. Eigentlich ironisch: Heutzutage würde niemand mehr bei einem MCU-Segment von frischem Wind reden, hat sich die Rezeptur der damaligen Franchise-Initialzündung als allgemeingültig Formel für sämtliche Werke aus der Marvel-/Disney-Schmiede etabliert.

Was genau ein Franchise ist, wusste ich aber 2008 mit Sicherheit noch nicht. Mir war nicht einmal bewusst, dass der kurz darauf anlaufende The Incredible Hulk ins gleiche Filmuniversum gehörte. Völlig unvoreingenommen saß ich also ein paar Stunden später mit meiner Schwester im Filmwelt-Kino in Schweinfurt und wurde total überrumpelt, von diesem kurzweiligen Abenteuer, das für mich fortan zum Inbegriff von Coolness avancierte. Alles richtig gemacht. Die unmöglichen Facetten des Films verstand ich erst später. Und klar, der Preis waren null Punkte in Physik. Aber die wären höchstwahrscheinlich mit oder ohne Iron Man nicht mehr und nicht weniger geworden. Dafür hatte ich – ohne es zu wissen – den perfekten Einstieg in ein (Film-) Universum geschafft, das mittlerweile regelrecht zum omnipräsenten Begleiter in meinem Leben geworden ist. Es ist fast ein bisschen so, als hätte ich einem Baum von Anfang an beim Wachsen zugesehen. Anno 2015 hat der Baum längst seine Wurzeln geschlagen und thront mit prächtiger Krone über, ähm, allem.

Fast ein bisschen beängstigend dieser Gedanke, wie das MCU außer Kontrolle geraten ist oder anders formuliert: Wie die Versprechungen eines „shared Universe“ mit all seinen Ablegern und Crossovern zum festen Bestandteil der Kinolandschaft geworden sind. Lange Zeit nach dem Kinobesuch von Iron Man habe ich erst erfahren, dass es eine sogenannte Post-Credit-Scene am Ende des Abspanns zu bestaunen gegeben hätte. Die musste ich dann erst mal auf YouTube nachholen – das war so zur Zeit, als Thor und Captain America: The First Avenger in aller Munde waren. Und trotz dieser Fortgeschrittenen Entwicklung des MCU hörte sich damals das bevorstehende Klassentreffen namens The Avengers in meinen Ohren wie utopischen Zukunftsmusik an. Und jetzt sitze ich sieben Jahre später hier und erwarte schon sehnlichst das zweite Rendezvous von Tony und seinen Spießgesellen.

Genau jetzt weiß ich auch nicht mehr, warum ich überhaupt angefangen habe, diese Gedanken aufzuschreiben. Vermutlich nur, weil ich es nicht mehr abwarten kann, endlich im Kino zu sitzen. Wuhuuuuu, Age of Ultorn, ich komme!

Iron Man © Concorde

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
Matthias


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