25 Lieblingsfilme 2017

25 Lieblingsfilme 2017

Ein ereignisreiches Kinojahr neigt sich dem Ende zu, in dem nicht nur Netflix den Wettbewerb von Cannes mit gleich zwei Eigenproduktionen ordentlich aufgemischt hat, sondern auch abseits davon viele denkwürdige Dinge auf der großen Leinwand passiert sind. Um die vergangenen zwölf Monate Revue passieren zu lassen, gibt es an dieser Stelle 25 Lieblingsfilme, die 2017 einen deutschen (Heim-)Kinostart hatten. Damit fallen leider viele großartige Werke weg, die bisher leider nur auf Festivals zu sehen waren, aber vielleicht finde ich noch einen anderen Weg, um Call Me By Your Name, Ex Libris: New York Public Library, Golden Exits und Co. zu huldigen.

Bevor es mit den 25 Lieblingsfilmen losgeht, folgen zunächst noch die traditionellen Runners-up, die mich ebenfalls sehr intensiv in diesem Jahr begleitet haben. Zuerst wäre da der von vielen zu Unrecht verschmähte Alien: Covenant, dicht verfolgt von John Wick: Chapter Two, Get Out, War for the Planet of the Apes und Detroit. Außerdem mochte ich Angelina Jolies jüngste Regiearbeit, während mich Hugh Jackmans Abschlussvorstellung als Wolverine unerwartet berührt hat. Ebenfalls als krönender Abschluss hat sich das Finale der Resident Evil-Reihe in meinen Kopf gebrannt. Darüber hinaus möchte ich Certain Women, Okja, Loving und Little Men gedenken. Oh, und dass Steven Soderbergh wieder zurück im Kino ist, freut mich sehr!

Manchester by the Sea

25. Manchester by the Sea (Kenneth Lonergan, 2016)

Ein Film, der mich emotional dezent erschüttert hat und in gewissen Teilen bis heute nachhallt. Meine erste Begegnung mit Kenneth Lonergan – bisher allerdings auch meine letzte. Ich weiß nicht, ob ich Manchester By the Sea jemals ein zweites Mal sehen werden. Wunderschön war trotzdem die rohe Menschlichkeit, die er in einzelnen Passagen ausgestrahlt hat.

Billy Lynn’s Long Halftime Walk

24. Billy Lynn’s Long Halftime Walk (Ang Lee, 2016)

Ob ich Ang Lee mag? Keine Frage! Ob ich Ang Lee schätze? Darüber hatte ich mir lange Zeit keine Gedanken gemacht, da seine liebevollen Filme zu selbstverständlich für mich waren. Nach Billy Lynn’s Long Halftime Walk kam ich allerdings verzaubert aus dem Kino. Nicht nur von den klaren Bildern, sondern ebenfalls der klaren Sprache, die von Unbeschreiblichen Dingen berichtet.

Dunkirk

23. Dunkirk (Christopher Nolan, 2017)

Es sind die Aufnahmen vom Wasser, von den Wolken und vom Strand, die Dunkirk so packend machen. Bemerkenswert montiert und stets mit einem beklemmenden Gefühl ausgestattet profitiert auch Christopher Nolans zweite Zusammenarbeit mit Kameramann Hoyte van Hoytema am meisten von ihren endlosen Bildern, die der Hoffnungslosigkeit ein Gesicht verleihen.

Good Time

22. Good Time (Ben & Joshua Safdie, 2017)

Ich liebe NYC-Filme und Good Time ist ein ganz besonderer davon. Roh und unangenehm gestaltet sich dieses Abenteuer durch die Straße und Gassen der Metropole, die man für gewöhnlich nicht im Glanz verschwommener Lichter sieht. Ein körniger Film voller Energie, der vor allem dank Robert Pattinsons hingebungsvoller Performance unsterblich ist.

The Lost City of Z

21. The Lost City of Z (James Gray, 2016)

Der Dschungel und die Faszination für das Abenteuer: In geradezu goldenen Aufnahmen fängt James Grey mit The Lost City of Z ein Epos ein, das sich darüber hinaus als Chronik einer Zweitwende offenbart. Licht und Dunkelheit, Feuer und Flammen: Auf der Berlinale hatte mich dieser Film für zweieinhalb Stunden wahrlich in eine andere Welt entführt. Er hätte niemals Enden sollen.

Wonder Woman

20. Wonder Woman (Patty Jenkins, 2017)

So ein strahlender Superhelden-Film! Gal Gadot bringt all den Glanz und besonders die Überzeugung zurück, die viele zeitgenössische Superhelden-Filme vergessen haben – oder schlimmer noch: sich dafür schämen. Wonder Woman strotzt dagegen vor Offenheit und inspiriert alleine mit ihrem Lächeln mehr als es jeder ironische/sarkastisch/zynische Unterton je könnte.

Valerian and the City of a Thousand Planets

19. Valerian and the City of a Thousand Planets (Luc Besson, 2017)

Valerian and the City of a Thousand Planets beginnt mit einer völlig unerwartet, dafür aber umso packenderen Montage, die dem Begriff der Science-Fiction ein atemberaubendes Denkmal setzt. Was folgt ist ein Weltraumabenteuer sondergleichen, das keine Grenzen kennt und sich beherzt in unendliche Schluchten stürzt, während sich ein schwindelerregender Reigen an Eindrücken entsteht.

Elle

18. Elle (Paul Verhoeven, 2016)

Autsch. Ein Film, bei dem man sich köstlich amüsieren kann, obgleich einem das Lachen aufgrund des unerbittlichen Schlags in die Magengrube im Hals stecken bleibt. Messerscharf dringt Paul Verhoeven in die Psyche seiner Figuren ein und findet – wie gewohnt – spannende Blickwinkel und Perspektiven. Ohne Isabelle Huppert wäre Elle vermutlich aber verloren.

I Am Not Your Negro

17. I Am Not Your Negro (Raoul Peck, 2016)

Es gibt Tage während der Berlinale, da sitzt man halb schlafend in einer der morgendlichen Vorstellungen, weil das Programm nicht sonderlich überzeugend ist. Dann gibt es wiederum aber auch die Tage, an denen man kaum ruhig auf seinen Platz sitzen kann, weil das Gezeigte auf der Leinwand dermaßen aufwühlt. I Am Not Your Negro ist genau so ein Film.

The Edge of Seventeen

16. The Edge of Seventeen (Kelly Fremon, 2016)

Apropos aufwühlend: Dieser kleine, feine Coming-of-Age-Film hat mir dieses Jahr viele emotionale Stunden beschert. Er ist witzig, er ist frech, trifft stets den richtigen Tonfall und hat mich insbesondere in seinen heimlichen, versteckten, aufrichtigen Momenten überrascht. Manchmal tut The Edge of Seventeen in seiner Ehrlichkeit sogar weh. Aber deswegen ist er so großartig.

Baby Driver

15. Baby Driver (Edgar Wright, 2017)

Aus der Erinnerung über Baby Driver zu Schreiben fällt mir immer ein bisschen schwer, denn dieser Film lebt im Moment und deswegen begeistert er mich am meisten, wenn ich die Bilder in Bewegung sehe. Ansonsten bleibt eine gut abgestimmte Playlist und ein toller Schnitt, der gar nicht genug von Drehungen bekommt. Davon kann man sich ruhig anstecken lassen.

Jackie

14. Jackie (Pablo Larrín, 2016)

Eine (musikalische) Bewegung, die mich dieses Jahr nicht mehr losgelassen hat: Immer wieder kippt Mica Levis Soundtrack in Jackie von einem harmonischen in einen disharmonischen Klang und fängt damit perfekt die gespaltene Stimmung dieses außergewöhnlichen Biopiss ein, das beispiellos aus dem Leben seiner Protagonistin, ihrer Familie und ihrem Land erzählt.

Ghost in the Shell

13. Ghost in the Shell (Rupert Sanders, 2017)

Die Berlinale-Retro erinnerte mich dieses Jahr, wie großartig doch Mamoru Oshii Anime-Version von Ghost in the Shell ist. Ein paar Wochen später erweiterte Rupert Sanders mit einer atmosphärischen Live-Action-Adaption diese Liebe für die dystopische Cyberpunk-Welt, in der Mensch und Maschine in einer berührenden Meditation unzertrennlich werden.

The Beguiled

12. The Beguiled (Sofia Coppola, 2017)

Wo Don Siegel seinerzeit in The Beguiled vor allem die dreckigen, verschwitzten Ecken der Erzählung verkündete, dominieren bei Sofia Coppola erlesene Aufnahmen, die das moralische Drama um eine unangenehme, nahezu sterile Ebene erweitern. Und dann sind da noch diese Blicke zwischen Angst und Begehren, die verzweifelt versuchen, nichts zu verraten.

The Big Sick

11. The Big Sick (Michael Showalter, 2017)

Zwischen Feel Good und ernstem Drama balanciert The Big Sick federleicht zwischen zwei Polen, die sich kaum vereinen lassen. Dennoch gelingen dieser traurigen wie herzerwärmenden Liebesgeschichte ein paar der aufrichtigsten Augenblicke des gesamten Kinojahres. Selten waren Figuren als Menschen besser greifbar als in dieser Reihe schicksalhafter Ereignisse.

Paddington 2

10. Paddington 2 (Paul King, 2017)

Unsere Welt mag grausam sein, doch Paddington, dieser kleine, feine Herr, lässt sich von nichts erschüttern. Wer hätte je gedacht, dass sich ein flauschiger Bär mit seiner Orangenmarmelade als MVP des Kinojahres entpuppen würde. Paul King und sein Team haben sich nach dem ersten Teil noch einmal übertroffen und eine fabelhafte, mitreißende Geschichte gezaubert.

A Ghost Story

9. A Ghost Story (David Lowery, 2017)

Verlust und Trauer befinden sich im Vordergrund von David Lowerys Geistergeschichte und dennoch findet der Film zwischen behutsamen Aufnahmen sehr viel Trost (und Kuchen!), um der Endlichkeit im Unendlichen etwas entgegen zu setzen. Dann beginnt eine Reise durch Raum und Zeit und der Geist findet sich in aller Einsamkeit über den Dächern einer futuristischen Stadt wieder.

La La Land - Kritik

8. La La Land (Damien Chazelle, 2016)

Ein Gedicht, das beflügelt und all die strengen Gefühle von Whiplash vergessen lässt: Damien Chazelle hat mit La La Land einen Film geschaffen, der vor Liebe, Begeisterung und Energie sprüht und mit Emma Stone und Ryan Gosling ein sehr tolles Leinwandpaar sein Eigen nennen kann. Es wird getanzt und gesungen – in allen Farben! Kino kann so schön sein.

20th Century Women

7. 20th Century Women (Mike Mills, 2016)

Ehrlich gesagt war der Gang ins Kino eher von einem pflichtschuldigen Gefühl motiviert, da das Drehbuch für den Oscar nominiert war und große Namen dem Ensemble angehörten. Am Ende des Jahres habe ich mich jedoch mit nur wenigen Filmen so verbunden gefühlt wie mit 20th Century Women. Diese zwei Stunden waren wirklich etwas ganz Besonderes für mich.

Personal Shopper

6. Personal Shopper (Olivier Assayas, 2016)

Personal Shopper ist einer dieser Filme, bei dem will man einfach keine einzige Sekunde verpassen. Jede Regung in Kristen Stewarts Gesicht könnte Berge versetzen – und Olivier Assayas ist klug genug, um ihr mit seiner Kamera überall hin zu folgen, selbst wenn sie sich von einem Geist leiten lässt, einen ganzen Ozean zu überqueren.

Song to Song

5. Song to Song (Terrence Malick, 2017)

Ein Film voller vorsichtiger Berührungen. Die Menschen ertasten sich im schwerelosen Raum, während Lykke Li verträumt von den zeitlosen Orten dieser Welt singt. Terrence Malick schließt mit Song to Song hervorragend an seine vorherigen Werke an. Vielleicht findet er sie eines Tages doch noch, die Unendlichkeit, die er zwischen all den gleitenden Bewegungen sucht.

Blade Runner 2049

4. Blade Runner 2049 (Denis Villeneuve, 2049)

Eine einnehmende Begegnung mit den Schatten der Vergangenheit und dem Ringen mit Erinnerungen, die gleichermaßen verloren wie künstlich sind. Blade Runner 2049 ist ein packendes Epos, sowohl im stürmischen Regen am Anfang als auch den Schneeflocken, die in den finalen Minuten wie hoffnungsvoll erlösend von Himmel fallen.

Star Wars: The Last Jedi

3. Star Wars: The Last Jedi (Rian Johnson, 2017)

Es gibt in Star Wars: The Last Jedi diesen einen Moment, in dem sich zwei Figuren in einem Vakuum befinden und die Zukunft völlig ungewiss ist. Auf den Blick der Ungewissheit folgt eine intuitive Reaktion und dann drehen sie sich Rücken an Rücken, um sich gemeinsam auf die Insel in einem blutroten Ozean zu retten. Selten stockte mein Atem wie in diesem Augenblick.

Moonlight

2. Moonlight (Barry Jenkins, 2016)

Das Leben in drei Akten – und jeder dieser Akte ist liebevoller, ehrlicher und intimer als der andere. Moonlight steckt voller kleiner Momente, über die man eine Ewigkeit nachdenken kann. Dann tritt Barry Jenkins einen Schritt zurück und zeigt uns das vollständige Gemälde, das er heimlich im Hintergrund gezeichnet hat, und wir können nur sprachlos einen Schritt zurücktreten und staunen.

Silence

1. Silence (Martin Scorsese, 2016)

Das ist Kino. Jede Einstellung eine formvollendete Schönheit, jeder Frame eine packende Urgewalt aus Formen, Farben und Bewegungen. Eigentlich unglaublich, dass dieser Film überhaupt existiert. Doch Martin Scorsese träumt einfach seinen Traum vom Kino, als würde es ihn überhaupt nicht interessieren, was andere denken. Dann bricht eine Welle über die andere, ehe die Stille einsetzt und wir erkennen, wer wir sind.

Silence

Manchester by the Sea © Universal Pictures / Billy Lynn’s Long Halftime Walk © Sony Pictures / Dunkirk © Warner Bros. / Good Time © Temperclayfilm / The Lost City of Z © Studiocanal / Wonder Woman © Warner Bros. / Valerian and the City of a Thousand Planets © Universum Film / Elle © Filmagentinnen / I Am Not Your Negro © Salzgeber & Co. / The Edge of Seventeen © Sony Pictures / Baby Driver © Sony Pictures / Jackie © Tobis / Ghost in the Shell © Paramount Pictures / The Beguiled © Universal Pictures / The Big Sick © Weltkino / Paddington 2 © Studiocanal / A Ghost Story © Universal Pictures / La La Land © Studiocanal / 20th Century Women © Splendid / Personal Shopper © Weltkino / Song to Song © Studiocanal / Blade Runner 2049 © Sony Pictures / Star Wars: The Force Awakens © Disney / Moonlight © DCM Film Distribution / Silence © Concorde

Matthias mag Filme und Serien. Ansonsten wäre er gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen und schaut laut Werner Herzog zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.