300: Rise of an Empire – Kritik

 300: Rise Of An Empire (Noam Murro, 2014) - Kritik

Regen peitscht auf die Erde, selbige bebt aufgrund stapfender Männer und das Eisen entfacht einen feuerroten Wasserfall des rinnenden Blutes: 300 Spartaner an der Zahl verteidigen bis auf den Tod das Vaterland vor einem übermächtigen Gegner. Sie sind alle dem Untergang geweiht und dennoch treibt sie Stolz, Mut und Ehre an. Am Ende wartet der Ruhm neben dem Verderben. Die Männer kämpfen und Zack Snyder verwandelt ihre Welt in ein tristes Kaleidoskop einer hyperstilisierten CGI-Ästhetik von Muskeln und Fleisch. Eine Parade sondergleichen. Das Schlachtwerk 300 hat seine Gattung hinsichtlich der audiovisuellen Wahrnehmung zweifelsohne nachhaltig verändert und sein Publikum dermaßen auf die Schau des Spektakels sowie die Coolness des Geschehens geeicht, sodass der faschistische Subtext inklusive seiner bitteren Nebenwirkung beinahe Legitimation erfahren hat. Hauptsache ist, dass Köpfe rollen. Zwischendurch grölt König Leonidas (Gerard Butler) zusprechende Worte und der Rechtfertigung ist Genüge getan. Doch dann sind sie tot, die 300 unsterblichen Krieger, liegen aufeinandergestapelt auf dem Schlachtfeld und eine Krähe reißt ihnen die Augen heraus, um dieses im Anschluss genüsslich zu verschlingen.

An diesem Punkt hat Zack Snyder das regieführende Zepter jedoch längst beiseite gelegt und Noam Murro erweist sich als inszenierende Instanz hinter dem ewigen Schlachtgetümmel 300: Rise of an Empire. Spätestens in diesem Moment, als die Krähe überlegt, den ergatterten Augapfel hingebungsvoll mit dem Schnabel zu zerquetschen, hat der Neuankömmling im Zweiten Perserkrieg die Nase gegenüber seinem Vorgänger vorn, denn im Gegensatz zu Zack Snyder entdeckt Noam Murro den Spaß an den blutig-düsteren Geschehnissen. Vom etablierten Grundgerüst kann sich das zweite Kapitel der Kriegsballade dennoch nicht loslösen: Während sich das Spektrum auf die Wogen des Meeres ausweitet, bleibt der Tenor ein vergleichbarer mit dem des Originals – die Fesseln einer Marke, von der sich angesichts des einmaligen Erfolgs niemand mehr zu trennen traut. Die Todgeweihten treffen wichtige Entscheiden vor einem historische vollkommen irrelevantem Hintergrund und je brachialer der Konflikt mit Mimik und Gestik dargestellt werden kann, desto besser. Die Physis und die Bewegung bleibt der zentrale Mittelpunkt des Blutvergießens, was tatsächlich ein spannender Gedanke ist und streckenweise für überwältigenden Krawall sorgt.

Als wären sie mit Erdbeergelee gefüllt, platzen die Körper der Perser unter den Hieben der Griechen im Sekundentakt auf, Pfeile durchbohren das menschliche Gewebe im saftigen Akt der Gewalt und abseits davon herrscht keine Gnade, wenn es um die Inszenierung des Scharmützels geht. Noam Murro verbindet Plansequenzen mit schnellem Schnitt, springt wie ein begeistertes Kind in unterschiedlichen Perspektiven des dank gelegentlicher Variation kurzweiligen Treibens hin und her, um der rustikalen Auseinandersetzung die 360-Grad-Möglichkeiten eines Videospiels zur Verfügung zu stellen. Das Staunen erfolgt, wenn das Schlachtfeld vom Land ins Wasser verlagert wird und die Flotten der verfeindeten Heere im Tosen der Wellen wörtlich ineinander krachen. Dann taucht die Kamera in CGI-Welten, die zwischen überwältigender Extravaganz und unerträglicher Hässlichkeit schwanken. Später vergisst Noam Murro sogar jegliche Grenzen seines Szenarios und taucht unter die Oberfläche des Ozeans. Hier tummeln sich nicht nur die Kadaver gefallener Kameraden und das zersplitterte Holz der Schiffswracks. Nein, Meeresungeheuer und gigantische Kreaturen beschlagnahmen für einen Augenblick die Nahtoderfahrung des Protagonisten (Sullivan Stapleton).

Der Motor dieses Kraftakts ist jedoch ein vollkommen anderer – um genau zu sein sogar jenes Details, das in Zack Snyders Version des Graphic Novels aus der Feder von Frank Miller akribisch ignoriert wurde. Auftritt: Eva Green als unberechenbare Kampfamazone Artemisia. Wenngleich Xerxes (Rodrigo Santoro) die Eigenschaft des Gottkönigs für sich beansprucht, ist Artemisia die treibende Kraft der ausufernden Perser-Invasion. Als wäre ihre diabolische Inkarnation der Angelique Bouchard in Tim Burtons Dark Shadows-Adaption lediglich ein harmloses Aufwärmen gewesen, stürzt sich das ehemalige Bond-Girl Hals über Kopf in diesen abscheulichen Alptraum schweißgebadeter Körper und garantiert gleichzeitig dafür, dass er stets ein konstantes Level im Angesicht des Unterhaltungswerts hält. Egal ob Artemisia selbst zur todbringenden Waffe greift oder ihren Kontrahenten in einer intensiven Sex-Szene, die beiläufig das denkwürdige Liebesspiel mit Johnny Depp in erwähnte Grusel-Oper komplett vergessen lässt, um seinen Verstand bringt: Getoppt wird diese herzhafte Darbietung lediglich mit der Tatsache, dass sich später Lena Headey im rachsüchtigen Gewand zu den Kriegstreibenden dazugesellt.

Von Matthias Hopf

300: Rise of an Empire © Warner Bros.
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Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
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