A Series of Unfortunate Events – Season 1 – Recap

A Series of Unfortunate Events - Season 1, Episode 1 - Recap

Die Trailer hatten meine Erwartungen eigentlich gedämpft. Nach den acht Episoden der ersten Staffel von A Series of Unfortunate Events muss ich allerdings gestehen, dass mir die Serien-Adaption der gleichnamigen Romanreihe von Lemony Snicket aka Daniel Handler sehr gefallen hat. Die einzelnen Episoden sind zwar nicht perfekt und auch Neil Patrick Harris wandert stets auf dem schmalen Grat der Unerträglichkeit. Dennoch hat Serienschöpfer Mark Hudis das Elementare der Geschichte rund um die Baudelaire-Waisen verstanden wie verinnerlicht. Ja, A Series of Unfortunate Events wird sogar von Episode zu Episode besser, da die unfassbare Grausamkeit der Erzählung wachsen und somit vertieft werden kann. Ich habe mich sehr gerne in dieser Welt verloren, die zu Teilen so wirkt, als hätten Tim Burton und Wes Anderson ihre erste Serie zusammen gedreht. Auf moviepilot schrieb ich ein paar ausführlichere Worte zur Pilot-Episode: Eine Reihe betrüblicher Ereignisse – Pilot-Check zur Netflix-Serie

[…] „This isn’t better than nothing“, gibt Klaus niedergeschlagen zu Protokoll, als er sich gemeinsam mit seinen zwei Schwestern in dem einen (!) Bett einrollt, das ihnen Count Olaf – großzügig, wie er ist – auf dem Dachboden zur Verfügung gestellt hat. Es ist einer der hoffnungslosesten Momente in einer Episode, die sich vorrangig aus einer Aneinanderreihung von ungerechten Niederlagen zusammensetzt, von einer abartig genüsslichen Musical-Einlage ganz zu schweigen. „I am handsome and talented and love your bank account“, posaunt Neil Patrick Harris als unbeschreiblich dreister Antagonist in den Raum und trifft damit viele Facetten der Serien-Umsetzung auf den Kopf. Eine Reihe betrüblicher Ereignisse liebt es, auf dem schmalen Grat dieser unerträglich schmerzlichen Pointen zu balancieren und das unfassbare Unrecht in jedem Detail heraufzubeschwören; ein niederschmetterndes Vergnügen.

Für einen Augenblick scheint es trotzdem so, als würde Lemony Snicket diesem Eindruck widersprechen. Es könnte nämlich bedeutend schlimmer sein: ohne ein Bett, ohne eine Mahlzeit, ohne ein Dach über dem Kopf. Dann besinnt er sich allerdings, der allwissende Erzähler, und spricht zum ersten Mal in 45 Minuten das aus, was sämtliche Erwachsene vor ihm ignoriert haben: Das Leben der Baudelaires könnte nicht schlimmer sein, als in einer gewalttätigen wie erniedrigenden Umgebung wie dieser aufzuwachsen. Eine Reihe betrüblicher Ereignisse erzählt wahrhaft eine grausame Geschichte und Lemony Snicket (sprich Mark Hudis, der an Daniel Handlers Stelle tritt) ist sich der Verantwortung, diese adäquat zu erzählen, vollkommen bewusst. Entgegen aller Künstlichkeit versteckt sich hier ein aufwühlendes Märchen ohne Happy End, dem ihr aufgrund seiner tollen Zwischentöne definitiv eure Zeit schenken solltet. Und wenn das nichts für euch ist: „Watch something pleasant instead.“

A Series of Unfortunate Events © Netflix

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
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