Assassin’s Creed & Keith Richards‘ Erinnerungen

Assassin's Creed & Keith Richards' Erinnerungen

Groß waren die Hoffnungen, als Duncan Jones vor ein paar Monaten seine lang erwartete Warcraft-Adaption ins Kino brachte. Eine neue Ära der Videospielverfilmungen sollte eingeleitet werden. Eine, die sich endlich nicht mehr hinter verschenkten Möglichkeiten verstecken braucht. Schlussendlich entpuppte sich Warcraft jedoch als herbe Enttäuschung, sodass die Hoffnungen fortan auf Assassin’s Creed liegen. Die Verfilmung der gleichnamigen Videospielreihe startet hierzulande am 27. Dezember 2016 in den Kinos und sieht aufgrund verschiedener Voraussetzungen äußerst vielversprechend aus.

Der erste Trailer begeisterte mit Musik von Kanye West und einer atemberaubenden Ästhetik. Verantwortlich dafür ist Regisseur Justin Kurzel, der sich nach Macbeth erneut mit Michael Fassbender und Marion Cotillard zusammenschlossen hat, um die populären Assassinen-Abenteuer auf die große Leinwand zu bringen. Am Donnerstag, den 1. Dezember 2016 stattete das Trio Berlin einen Besuch ab, um Assassin’s Creed im Rahmen einer Pressekonferenz im Café Moskau vorzustellen. Es ging um Jesus, Rolling Stones-Legende Keith Richards und die großen Herausforderungen dieses millionenschweren Filmprojekts.

„Du hast den Citizen Kane der Videospielverfilmungen gemacht und ich meine das als Kompliment“, begrüßt der Moderator Justin Kurzel mit seinen zwei Hauptdarstellern auf der Bühne. Dann geht es auch direkt los. Was musste Assassin’s Creed unbedingt auf die große Leinwand bringen? „Authentizität“, antwortet Marion Cotillard entschlossen und erklärt, dass dem Film ein großartiges wie unterhaltsames Skript zu Grunde liegt, das sich ebenfalls vor aufwühlenden Fragen nicht fürchtet. So gehe es um Gewalt, den freien Willen und die Verantwortung, die aus großer Macht resultiert – von der menschlichen Komponente in diesem Konstrukt ganz zu schweigen.

Michael Fassbender sekundiert die Worte seiner Kollegin und betont den Unterhaltungswert, während Justin Kurzel seine Faszination über „genetic memory“ kundtut. Dabei geht um die Informationen und Erfahrungen, die im Blut eines jeden Menschen verborgen liegen. Ein Motiv, das sich wie ein roter Faden durch die Assassin’s Creed-Reihe zieht. Apropos Vorlage: Ob die Schauspieler je eines der Spiele gespielt haben? „Ich bin kein Gamer und habe es nur gespielt, um eine Vorstellung von der Welt und den Figuren zu bekommen“, gesteht Michael Fassbender.

Auch Marion Cotillard hatte vor den Dreharbeiten nur wenige Berührungspunkte mit dem Ursprung der Geschichte. „Aber eine meiner besten Freundinnen ist unglaublich begeistert von den Spielen und wollte von mir ständig neue Infos zum Film haben, die ich ihr leider nicht geben konnte.“ Kurz darauf schallt die Frage durch den Raum, in wessen Vergangenheit die Kreativen gerne einmal eintauchen würden. „Jesus Christus“, kommt es bei Michael Fassbender wie aus der Pistole geschossen. Der mag zwar kein Verwandter sein, dafür findet der deutsch-irische Schauspieler die Zeit anno dazumal so interessant.

Marion Cotillard würde dagegen mehr über ihre Familie, ihre Vorfahren erfahren wollen – bis in die Steinzeit! Ganz so weit zieht es Justin Kurzel zwar nicht zurück. Dafür hat er aber ebenfalls eine konkrete Vorstellung, von der Person, die für ihn in Frage kommt: „Ich glaube, die Erinnerungen von Keith Richards wären toll – also zumindest die, an die er sich noch erinnern kann.“ Das anwesenden Journalisten sind lachend auf seiner Seite. Schon die nächste Frage senkt die Stimmung, denn es geht um die jüngsten Ereignisse in den USA und ob die zunehmende Fremdenfeindlichkeit Auswirkung auf die Arbeit der beiden Schauspieler hat.

„I have no idea“, sagt Michael Fassbender, der genauso wie seine Kollegin als Ausländer in Hollywood arbeitet ist und sich ebenso betroffen von den aktuellen Geschehnisse zeigt. „Ich glaube, wir sind alle verbunden und verantwortlich für das, was gerade in der Welt passiert – nicht nur in den USA, sondern auch hier.“ Angst und Hass dürfen nicht gewinnen, die Welt darf nicht noch weiter auseinanderdriften, sondern muss zusammenwachsen. Kein Einspruch. Der Moderator möchte die Konzentration aber wieder auf den Film lenken, woraufhin sich das Gespräch um die herausfordernde Integration mit visuellen Effekte dreht.

Ob das zunehmende Einsatz von CGI das Schauspiel verkompliziert? Alle Anwesenden denken sofort an die unbeholfenen Schnappschüsse merkwürdiger Verrenkungen vor einer Green-Screen-Kulisse am Set. Marion Cotillard erinnert sich an  Stöcke und Tennisbälle als willkommene Unterstützung. „Es ist ein bisschen wie Theater“, fügt Michael Fassbender hinzu. Auch dort denkt man sich als Schauspieler an Orte, die unter Umständen gar nicht existieren. Dennoch war den Verantwortlichen bei Assassin’s Creed ebenso viel daran gelegen, „old school“ vor Ort zu filmen.

Von Shakespeare zu Ubisoft? Wie das geht will einer der anwesenden Journalisten von Justin Kurzel im Hinblick auf Macbeth und Assassin’s Creed wissen. Der australische Regisseur macht da aber keinen Unterschied, sondern setzt die gleichen „Muskeln“ ein, völlig egal von welchem Medium er adaptiert. Es geht stets darum, eine passende Übersetzung für das Kino zu finden. Eine größere Herausforderung war für ihn dagegen die Größenordnung. Alleine die Drehtage haben sich zum Vergleich zu Macbeth knapp verdreifacht. Keine Frage, Justin Kurzel hat in seiner bisherigen Karriere von Film zu Film gewaltige Sprünge gemacht. In Anbetracht einer Blockbuster-Unternehmung wie dieser stellt sich ihm nur noch eine Frage: „Can you survive a film like this?“

Doch existieren bei einer Produktion wie Assassins’s Creed nicht unglaublich viele Vorgaben und Einschränkungen, die es zu erfüllen gilt. Nein, ganz im Gegenteil sogar: Ubisoft habe ihn ermutigt, eine eigene Geschichte zu erzählen, beschreibt Justin Kurzel den kreativen Entstehungsprozess. Es gab keine Liste mit Dingen aus dem Videospiel, die im Film unbedingt abgearbeitet werden musste. Bestimmte Details wurden etwa bewusst verändert. So zum Beispiel der Animus, jene Vorrichtung, mit deren Hilfe die Figuren in die Vergangenheit eintauchen können. Ursprünglich ein einfacher Stuhl ermöglicht nun ein komplexer Arm die abstrakte Zeitreise. Denkbar wäre auch eine Version unter Wasser gewesen. Hauptsache ist, niemand verwechselt den Film mit The Matrix.

Assassin’s Creed © Studiocanal / PK-Foto © DasFilmFeuilleton

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
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