B-Roll: Ein Interview mit Werner Herzog

B-Roll: Ein Interview mit Werner Herzog

Es gibt viele Filmemacher und Filmemacherinnen, die ich mag – aus den unterschiedlichsten Gründen. Meistens reicht alleine ihre Name in Verbindung mit einem Projekt und die Vorfreude ist groß. Doch dann gibt es diesen kleinen Kreis an Menschen vor und hinter der Kamera, die einen doch ein Stück mehr begleiten und daher nochmal eine ganz andere Rolle im eigenen Leben spielen. Werner Herzog gehört bei mir zweifelsohne zu diesem kleinen Kreis an Menschen, die mich durch ihre Schaffen unheimlich geprägt haben. Angefangen hat alles mit mit Neugier. Bad Lieutenant war vermutlich mein erster Herzog, damals in erster Linie aufgrund der Remake-Aufschreie interessant, die ich auf diversen Filmseiten im Netz vernommen hatte. Das Original mit Harvey Keitel kannte ich damals nicht. Trotzdem war mein Interesse geweckt und wurde letzten Endes mit einer zweistündigen Tour des Force belohnt. Gleichermaßen überfordert wie fasziniert wusste ich lange Zeit nicht wirklich, wie ich dieses Werk einordnen soll.

Die Herzog-Entdeckungsreise wurde vorerst auf unbestimmte Zeit in die Zukunft verschoben, bis ich durch einen absoluten Zufall am 19. Februar 2011 um 22:30 Uhr auf Phoenix (!) Encounters at the End of the World entdeckte. Wie viele Kräfte damals zusammenwirkt haben, dass ich mich auf Phoenix verirrt habe? Keine Ahnung, aber es müssen viele gewesen sein. Wie dem auch sei: Danach ging alles sehr schnell. Auf Aguirre, der Zorn Gottes folgten Fitzcarraldo und Woyzeck und zum ersten Mal habe ich gleich im Anschluss dem Audiokommentar der Filme gelauscht – von weiteren Dokumentationen wie The White Diamond, Grizzly Man und Cave of Forgotten Dreams ganz zu schweigen. Das Schöne an Werner Herzogs Œuvre ist, dass es so gigantisch und facettenreich ist, dass man es regelrecht aufsaugen kann und trotzdem stets etwas Neues entdeckt. Vier Jahre später habe ich zum Beispiel Nosferatu immer noch nicht gesehen und konnte erst vor Kurzem die unfassbaren Bilder von Lessons of Darkness bewundern. Und dann bleibt man auch immer mal wieder ganz zufällig bei einem vertrauten Werk wie Die große Ekstase des Bildschnitzers Steiner hängen, das nichts von seiner damaligen Faszination, als ich es zum ersten Mal gesehen habe, eingebüßt hat.

Nachdem ich Werner Herzog bereits zwei Mal im Q&A erlebt habe (einmal anlässlich seiner Doku-Serie On Death Row und das andere Mal im Rahmen der Berlinale-Aufführung von The Look of Silence mit Joshua Oppenheimer) ging vor ein paar Wochen ein kleiner großer Traum für mich in Erfüllung und ich durfte jenen Mann interviewen, der sogar schon seinen eigenen Schuh gekocht, verschlungen und mich (nicht nur damit) auf besondere Weise geprägt und beeinflusst hat. Auf moviepilot könnt ihr das Ergebnis lesen. Doch mit diesem Traum, der in Erfüllung gegangen ist, habe ich auch vieles gelernt (weiterhin auch hinterfragt und reflektiert) – über mich, Werner Herzog, Interviews und das, was passiert, wenn man auf einmal wirklich die Möglichkeit hat, mit einem Menschen, den man bewundert, eine halbe Stunde zu reden. Viele Dinge habe ich mitgenommen, eine Sache ganz besonders – aber ich glaube, das muss nicht unbedingt etwas Schlechtes sein:

Wie es der Zufall so will, schreibe ich diese paar Zeilen gerade an dem Tag, an dem Werner Herzog seinen 73. Geburtstag feiert. Obwohl ich auf diesem Blog eigentlich selten (bis dato eigentlich nie) Geburtstagstexte schreibe, wünsche ich ihm trotzdem nur das Beste und hoffe, dass er auch weiterhin eine dieser wenigen inspirierenden Persönlichkeiten in der Weltgeschichte und vor allem der Filmlandschaft bleibt. Und vielleicht wagt er sich auch noch mal an Parks & Recreation ran, weil das ist wirklich eine ganz, ganz tolle Serie.

Queen of the Desert © Prokino

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
Matthias

Letzte Artikel von Matthias (Alle anzeigen)



YOU MAY LIKE