Battle of the Sexes – Kritik

Battle of the Sexes - Kritik

Die 1970er Jahre markierten einen Umbruch in der Welt der Geschlechter. Zuvor etablierte Normen wurden in Frage gestellt und über den Haufen geworfen. Frauenbewegungen und sexuelle Revolution sind zwei Stichworte, die in diesem Kontext regelmäßig fallen und bis heute nicht an Bedeutung verloren haben. Denn fast ein halbes Jahrhundert später kämpfen wir immer noch mit den gleichen Problemen, wenngleich sich der Schauplatz von Mal zu Mal verlagert. So fungierte 1973 das als Battle of the Sexes titulierte Tennismatch zwischen Billie Jean King und Bobby Riggs als Bühne für den ewigen Kamp der Geschlechter.

Während sich Billie Jean King für Gleichberechtigung einsetzte, veranstaltete ihr Kontrahent eine Show sondergleichen, in der er sich redselig als Chauvinist präsentierte und scheinbar ohne schlechtes Gewissen Frauen in die Küche verbannte, da sie nichts im von Männern dominierten Sport zu suchen hätten. „Men are simply more exciting to watch. It’s just biology“, heißt es anfangs in Battle of the Sexes. Zum Glück beweist der Film von Valerie Faris und Jonathan Dayton genau das Gegenteil dieser nach wie vor bemühten Ausrede, wenn es um das vermeintliche Ungleichgewicht zwischen Mann und Frau geht.

In einem Film, der auf wahren Begebenheiten beruht und sich mit einem aktuellen Thema befasst, passiert es schnell, dass die Kulisse den Kern der Geschichte überschattet. Zu groß sind die Verlockungen, die die Frisuren der 1970er Jahren mit sich bringen, ebenfalls die Mode sowie andere Eigenheiten der unverwechselbaren Dekade. Auch in Battle of the Sexes bleibt eine gewisse Faszination für Frisuren und Mode nicht aus. Dennoch lassen sich Valerie Paris und Jonathan Dayton, die sich an einem Drehbuch von Slumdog Millionaire– und 127 Hours-Autor Simon Beaufoy orientieren, nicht von der Versuchung blenden, sondern integrieren die Äußerlichkeiten geschickt ins Geschehen.

Wenn Friseurin Marilyn Barnett (Andrea Riseborough) etwa Billie Jean (Emma Stone) vor einer wichtigen Pressekonferenz die Haare schneidet, ist dies der Beginn einer Freundschaft, die sich später zu mehr entwickelt, als die konservative Gesellschaft jener Zeit verträgt. Immer wieder begeistert Battle of the Sexes mit solchen heimlichen Augenblicken, die sich langsam entfalten und schließlich einen tragenden Teil der Geschichte einnehmen, die sich dramaturgisch gesehen hauptsächlich auf ein konventionelles Gerüst stützt. Viele Stationen auf Billie Jeans Reise zur Gleichberechtigung sind von allzu vertrauten Höhnen und Tiefen geprägt. Beachtlich ist dafür die klare Sprache, die der Film dabei findet.

Bereits bei Little Miss Sunshine und Ruby Sparks hantierten Valerie Faris und Jonathan Dayton mit altbekannten Motiven, die minimal variiert und zum Schluss geschickt umgedreht wurden. Die tragischen Abgründe eines Feel-Good-Movie gehören zum Beispiel dazu, ebenso der clevere Umgang mit der Trope des Manic Pixie Dream Girl, das viel zu oft in verklärender Form die weibliche Protagonistin einer Liebesgeschichte als erlösendes Mittel zum Zweck degradiert, um die Leiden des jungen Werthers mindern. Auch Battle of the Sexes entlarvt Stereotypen und gesteht einem Gros des Ensemble deutlich mehr Charakter ein, als es die meisten Komödien an dieser Stelle tun würden.

Tatsächlich überrascht Battle of the Sexes mit einem emotionalen Tiefgang, der den Geschlechterkampf für ganze Passagen zur Nebensache werden lässt und sich auf die ambivalenten Seiten der Figuren konzentriert. Im goldenen Schein des Sonnenlichts strahlt Emma Stone in diesen Momenten, als wären Oscar und Golden Globe für ihre herausragende Leistung in La La Land nur ein Aufwärmespiel gewesen. Emma Stone verleiht diesem Film ab der ersten Minute eine Seele und macht Billie Jeans Motivationen greifbar. Hingebungsvoll schenkt sie ihrer Figur ein Leinwandleben, das vor allem im Zusammenspiel mit Andrea Risebourough ein paar der zerbrechlichsten Szenen des Kinojahrs offenbart.

Steve Carell, der Bobby Riggs mimt, benötigt dagegen mehrere Anläufe, um auf die gleiche Wellenlänge zu kommen, was unter anderen daran liegt, dass sehr viel Zeit vergeht, bis sich die Kontrahenten tatsächlich über den Weg laufen. Oftmals wirkt es so, als würde Steve Carell zu großen Gefallen an der Mimikry seiner Figur finden. Gleichzeitig bringt er den Zocker-Charakter seines unverbesserlichen Chauvinisten, der sich selbstüberzeugt zum Hampelmann macht, gekonnt auf den Punkt, wenngleich er sich zeitweise in einem tonal anderen Film befindet. Zum Schluss geht Battle of the Sexes trotzdem eine Einheit ein und vollendet den Spagat.

Erinnerungen an den unterschätzten Oscar-Kandidaten Hidden Figures sind unvermeidbar, wenn Battle of the Sexes mit hoffnungsvoller Stimme der Norm den Kampf ansagt. Beide Filme spielen in der Vergangenheit und machen sich historische Begebenheiten zu eigen. Trotzdem schwingt jeweils ein moderner Tenor mit, der sich in Battle of the Sexes zudem angenehm in der Inszenierung widerspiegelt und damit die universelle Botschaft potenziert. Billie Jean hasst keine Männer, sondern strebt die Veränderung des Systems ausschließlich im Sinne der Gleichberechtigung an, völlig unabhängig wie viel Trotz sie erfährt

„I’m a tennis player who happens to be a woman“, sagt Billie Jean schließlich, erschöpft vom ewigen Wetteifern, während ihr Gegenüber unerbittlich weiterplappert, ohne jemals auf einen (sinnvollen) Punkt zu kommen. Erst zum Schluss verschlägt es ihm die Sprache, wenn er sich alleine ohne klatschendes Publikum auf einer Rolltreppe in den Abgrund begibt und somit sein eigenes Schicksal besiegelt. Trotz dieses bildlichen Niedergangs wählt Battle of the Sexes ein gewissermaßen versöhnliches Ende, das hinsichtlich der zentralen Thematik eine klare Stellung bezieht, seine Figuren dieser allerdings nicht unterwirft, sondern ihnen im strahlenden Licht der Scheinwerfer auf dem Spielfeld und im stillen Schein der Lampen in der Umkleidekabine finden lässt.

Battle of the Sexes © 20th Century Fox

Matthias mag Filme und Serien. Ansonsten wäre er gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen und schaut laut Werner Herzog zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.