Berlinale 2017 – Tagebuch

Berlinale 2017 - Tagebuch

Hello, Welt! Hello, Berlinale! Nach zwölf Monaten des Wartens ist es in wenigen Stunden wieder so weit und ich werde den Wecker verfluchen, der die nächsten Tage bei zu vieeeel wenig Schlaf vieeeel zu früh klingelt. Aber ich will nicht schon in den ersten Zeilen dieses Tagebuchs das Jammern anfangen. Im Gegenteil: Mittwoch, 21:24 Uhr hat die Vorfreude ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht, während im Hintergrund der Soundtrack von Riverdale hoch und runter läuft. Mein Programm befindet sich – wie jedes Jahr – noch im ständigen Wandel und wird vermutlich auch nie seine finale Version erreichen.

Aber das ist auch gar nicht schlimm, denn der morgige Tag ist gut gepolstert mit zahlreichen Pressevorführungen, sodass ich mir erstmal keine weiteren Gedanken machen muss. Danach wird es spannend, denn Golden Exit’s im Forum und Barry Lyndon in der Retro wollen sich nicht vertragen. Aber dazu zu gegebener Zeit mehr. Vorerst müsst ihr nur wissen, dass ich mich in den nächsten elf Tage in den Schlund des Kinos stürzen werde. Was ich dabei alles erlebe, versuche ich, entweder hier im Blog oder auf moviepilot festzuhalten – und freue mich über alle Leser_innen, die mich auf dieser Odyssee begleiten.

Yas, Sir! I'm readyyyy! #berlinale #berlinale2017 #berlinalemoments

A post shared by @beeeblebrox on

Donnerstag, 9. Februar 2017

Kaum ist der Potsdamer Platz erreicht, ist die Aufregung wieder da, als wäre es meine erste Berlinale. Noch ist es ziemlich ruhig im Hyatt, ein paar vertraute Gesichter aus dem vergangenen Jahr rennen trotzdem schon in der Gegend herum. Ein schönes Gefühl, das gleich von der ersten großen Überraschung abgeholt wird: Casting. Der Eröffnungsfilm des Forums blickt hinter die Kulissen einer deutschen TV-Produktion, die anlässlich von Rainer Werner Fassbinders 75. Geburtstag auf die Beine gestellt werden soll. Konkret handelt es sich dabei um ein Remake (!) von Die bitteren Tränen der Petra von Kant – doch die perfekte Besetzung für die Hauptrolle steht selbst wenige Tage vor Drehstart noch nicht fest. Ein absolutes Desaster, denn der Druck kommt von allen Seiten, vor allem von der ominösen Redaktion.

Die ehrgeizige Regisseurin will sich einfach mit keiner der Schauspielerinnen zufrieden geben, die bisher vorgesprochen haben. Zudem taucht inmitten der chaotischen Vorproduktion ein Joker auf, der alles durcheinander bringt und mehr und mehr zum Dreh- und Angelpunkt der Geschichte wird. Dabei ist ein pointierter Film auf kleinem Raum herausgekommen, der messerscharf die Art, wie im deutschen Fernsehen Filme entstehen, auseinandernimmt und darüber hinaus spannende Diskussionen über Künstler und System führt. Großartig, weil wirklich clever und facettenreich! Alleine, wie der Dialog des Films in die Texten der jeweiligen Vorsprechen übergeht und dabei tatsächlich als Neuinterpretation von Fassbinders Werk funktioniert.

Im Anschluss folgt Django, der Eröffnungsfilm des Wettbewerbs, der für alles andere außer Euphorie sorgte. Ein enttäuschender Brocken, der Relevanz vorgaukelt, allerdings dermaßen uninspiriert vorgetragen wird, dass jegliche Ambition untergeht. Barrage im Forum hat mich dagegen mehr begeistert. Nicht nur, weil hier Isabelle Huppert eine Nebenrolle spielt, sondern auch, weil das Drama über Mütter und Töchter ein paar sehr tolle Töne anschlägt und in seinem Verlauf viele richtige Entscheidungen trifft. Das lässt sich auch von Dayveon behaupten, ebenfalls ein Forums-Film, der ganz viel Sundance-Feeling mitbringt und seine Bilder in feinen 4:3-Einstellungen rahmt. Der Abstecher zur Woche der Kritik hat sich ebenso gelohnt: The Human Surge ist ein gewaltiges Werk, über das ich heute Nacht noch viel nachdenken werde.

Außerdem gibt es an dieser Stelle meine Vorstellung der Jury des diesjährigen Wettbewerbs zu lesen und meine Besprechung von The Wound, dem fantastischen Eröffnungsfilm des Panoramas, ist ebenfalls online.

Freitag, 10. Februar 2017

Der Tag fängt relativ entspannt an – zumindest für Berlinale-Verhältnisse. Da ich am Samstag voraussichtlich nur PVs schauen werden, brauche ich keine Karten vom Presseschalter. Aus Gewohnheit wird dennoch das Hyatt angesteuert. Immerhin warten neue Ausgaben der Variety, vom Hollywood Reporter und Screen. Spontan entscheide ich mich zudem für eine weitere Screening-Option: 1984, die erste Verfilmung von George Orwells gleichnamigen Roman aus dem Jahr 1956. Wer weiß, vielleicht bin ich morgen ganz froh darüber. Außerdem überlege ich, ob es sich lohnt, House in the Fields und The Tokyo Night Sky Is Alway the Densest Shade of Blue nachzuholen, die ich gestern für die Woche der Kritik opfert. Hm, mal schauen.

Vorerst sorgt aber der erste Wettbewerbsfilm des Tages für Ablenkung: On Body and Soul. Es geht um behutsame Berührungen, die allerdings alles andere als behutsam in Szene gesetzt sind. Tatsächlich handelt der Film dermaßen unbeholfen mit seinen Themen, dass es nicht lange dauert, bis ich mir das Ende der knapp zweistündigen Laufzeit herbeisehne. Insbesondere der Umgang mit einem Suizid-Versuch zum Schluss zerstört den vorherigen Flickenteppich endgültig. Keine Empfehlung. Auch The Dinner, der nächste Wettbewerbsfilm, überzeugt nicht komplett, ist in seiner Aufmachung jedoch um einiges interessanter. Wo sich On Body and Soul vor den kniffligen Fragen drückte, wird das Abendessen mit Steven Coogan, Laura Linney, Rebecca Hall und Richard Gere zu keiner Sekunde müde, den zentralen Konflikt in jegliche erdenkliche Richtung zu denken. Außerdem bei dieser modernen Gettysburg-Interpretation am Start: Michael Chernus, der gleich mehrere Sorten erlesenen Käse vorstellt.

Nachdem das konfliktreiche Abendessen überstanden ist, folgt ein Sprint zum Cinemaxx 7, wo mein erster großer Vorfreudenfilm in knapp einer Stunde beginnt: T2: Trainspotting. Die frühe Ankunft wird belohnt mit einem langen Warten in der Schlange und guten Plätzen im Anschluss. Der Film selbst hat mich jedoch gespalten zurückgelassen. Ich mochte viele Einzelmomente und gerade in der zweiten Hälfte nimmt die stilwütige Fortsetzung an Fahrt an. Danny Boyle schreckt – wie schon beim Original – in keinem Moment vor der Hässlichkeit der Geschichte zurück und schafft erneut ein Drama, das binnen weniger Sekunden komplett die Stimmung wechseln kann. Auf der Pressekonferenz im Anschluss ging es vor allem um die Rückkehr zu den Figuren und die Frage, wie politisch das Werk aufgeladen ist, insbesondere im Bezug auf den Brexit, der während den Dreharbeiten die gesamte Crew der überwiegend in Edinburgh gedrehten Produktion erschütterte.

T2: PK #berlinale #berlinale2017 #berlinalemoments

A post shared by @beeeblebrox on

In meiner anschließenden Schreibpause habe ich leider nicht einmal zwei Absätze meiner T2-Kritik aufs Papier gebracht. Dazu war die Vorfreude auf Golden Exits einfach viel zu groß. Der neue Film von Alex Ross Perry hat mich absolut begeistert. Ein wundervoller New York-Traum, der sich in verblüffender Schlichtheit um das Leben und Beziehungen und in einer entspannten Montage inklusive träumerischem Soundtrack wahrhaftig für poetische Augenblicke sorgt. Am Anfang sitzt die von Emily Browning verkörperte Protagonistin schlicht auf den Stufen ihrer neuen Wohnung und singt lichtfüßig New York Groove – das ist jetzt schon eine der größten Szenen des gesamten Kinojahres. Damit konnte Ciao Ciao im Panorama leider nicht mithalten.

Zum Schluss noch ein paar Links: Auf moviepilot habe ich eine Übersicht über alle Serien geschrieben, die im Rahmen der Berlinale ihre Premiere feiern. Katrin schreibt auf Perlentaucher sehr schön über die Hommage, die dieses Jahr Kostümdesignerin Milena Canonero gewidmet ist. Und generell einen Blick wert: der Kritikerspiegel auf critic.de.

Samstag, 11. Februar 2017

Huch, was da los? Plötzlich stehe ich als in der Schlange vor dem Presseschalter in zweiter Position, obwohl ich gar nicht so früh im Hyatt aufgeschlagen bin. Doch dann kommen schon die nächsten Kollegen und der Raum/Gang/Flur füllt sich. Meine Müdigkeit hat einen neuen Höhepunkt erreicht, aber noch will ich darüber gar nicht nachdenken, denn es ist ja erst der dritte Tag. Stattdessen werfe ich in meinem Kopf einmal wieder mein Programm um und tiger dann rüber zum Berlinale-Palast, wo Félicité gezeigt wird. Einer der besseren Wettbewerbsbeiträge, wenn auch nur zur Hälfte. Irgendwie verstecken sich hier zwei Filme sowie eine Meditation über Kühlschränke. Zumindest gab es hier zum ersten Mal Szenenapplaus – das ist man von einem PV-Publikum um 9:00 Uhr nicht unbedingt gewohnt.

Good Morning! #berlinale #berlinale2017 #berlinalemoments

A post shared by @beeeblebrox on

Der nächste Wettbewerbsfilm trägt den Titel Final Portrait und wurde von niemand Geringerem als Stanley Tucci inszeniert. Geoffrey Rush schlüpft darin in die Rolle des Künstlers Alberto Giacometti, der im Paris des Jahres 1964 unbedingt ein Porträt von Armie Hammer anfertigen möchte – und, ich meine, wer will das nicht? Wenn ich nicht gerade damit beschäftigt war, an die Winklevoss-Zwillinge aus The Social Network zu denken, konnte ich mich sehr für das verspielte Set-Design begeistern. Ansonsten überzeugt Final Portrait abseits des tollen Ensembles (u.a. auch noch Clémence Poésy und Tony Shalhoub) mit einer faszinierenden Szene, in der Geoffrey Rush ein gekochtes Ei hinunterschlingt, als hätte er seit Jahrzehnten nichts mehr zum Mittag bekommen. Apropos Mittag: Es wird Zeit sich um das eigene leibliche Wohl zu kümmern. Das Asiate hinten in den Arkaden ist wie immer ein willkommener Anlaufpunkt. Im Rewe bin ich mittlerweile schon Stammgast.

Eine Stunde später ist es endlich so weit und Josef Haders Regiedebüt findet seinen Weg in den Wettbewerb. Wilde Maus ist ein frischer Film, der mit extraordinärer Orchestrierung aufwartet und eindeutig die Handschrift seines Regisseurs, Drehbuchautors und Hauptdarstellers trägt. Gutgelaunt und dennoch traurig: Josef Hader hat ein unglaubliches Gespür dafür, wie er sich dem Niedergang seines Protagonisten annähern kann. Vom öden Drama ist hier keine Spur, vor allem dank der Präsenz von Nora von Waldstätten, Pia Hierzegger, Jörg Hartmann und Georg Friedrich. Wilde Maus ist wie der Feuervogel von Igor Strawinsky, der zwischendurch ertönt. Allgemein ist heute für klassische Musik ein guter Tag. Sowohl Félicité als auch Wilde Maus greifen auf ein hervorragendes Repertoire an mitreißenden Klängen zurück.

Nun folgt die eigentliche Herausforderung des Tages: Ich muss mich entscheiden – und zwar zwischen Der jungen Karl Marx und 1984. Über 24 Stunden schiebe ich diese Entscheidung schon vor mir her. Langsam wird es knapp. Zum Glück wird sie mir auf der Treppe vom Cinemaxx abgenommen: Die Karl Marx-PV ist leider schon voll, es bleibt also nur noch die erste Verfilmung von George Orwells prägender Dystopie. Ich genieße also meinen ersten Film in der diesjährigen Retrospektive, der darüber hinaus mit einer 35mm-Kopie punktet. Bei der Projektion gab es zwar ein kurzes technisches Problem, das sich in Form einer brummenden Tonspur ausdrückte. Der Fehler konnte jedoch schnell behoben werden. Gänzlich überzeugt hat mich der Film trotzdem nicht, da viele Dinge lediglich auf der thematischen Ebene interessant sind, sich in der Inszenierung allerdings überhaupt nicht widerspiegeln. Experimental Summer im Forum Expanded soll den heutigen Tag abschließen. Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit… zum Schauen, zum Schreiben, zum Reden.

Ach ja, und wer noch keinen Überblick über die Retrospektive hat, der kann auf mp kurz vorbeischauen. Da schreibe ich über den Blick zurück in die Zukunft.

Sonntag, 12. Februar 2017

Wie ein Gestörter bin ich heute zur U-Bahn gehetzt, da ich verschlafen habe. Merke: Es ist nie eine gute Idee, die Schlummerfunktion auszustellen und sich zu denken: „Ach, noch fünf Minuten.“ Insofern hat dieser Tag für mich chaotisch begonnen und sollte ähnlich unglücklich weitergehen. Beim Guilde-Screening von Free Fire waren Hardy, der auf Filmfutter übrigens auch ein Berlinale-Tagebuch führt, und ich nicht willkommen, da wir für Online schreiben. Schade. Die Redaktion von Das Film Feuilleton hat fortan beschlossen, nicht mehr über Ben Wheatleys jüngstes Werk zu berichten, wenngleich die Vorfreude enorm war. Zurück im Hyatt hat sich somit wenigstens die Möglichkeit ergeben, ein paar Zeilen zu schreiben, ehe der Terminplan weitergeht. Außerdem herrschte im Writing Room eine angenehme Ruhe und in Gegenwart von Olaf Möller, der einen Tisch weiter saß, fließen die Gedanken noch besser.

Berlinale Palast ???? #berlinale #berlinale2017 #berlinalemoments

A post shared by @beeeblebrox on

Danach verschlägt es mich ins Indien des Jahres 1947. Viceroy’s House läuft im Wettbewerb außer Konkurrenz und fängt wie ein historisches Feel-Good-Drama an, ehe im letzten Akt ein Epos angestrebt wird, als hätte David Lean Regie geführt. Dieser Spagat funktioniert leider überhaupt nicht und lässt einen Film zurück, der keine gute Halbwertszeit besitzt. Für Begeisterung sorgte dagegen der nächste Wettbewerbsbeitrag A Fantastic Woman von Sebastián Lelio. Es hat sich also gelohnt, Strange Days auf 35mm ausfallen zu lassen und ins Cinemaxx zu gehen. Nicht zuletzt sitze ich zwischen tollen englischsprachigen Kritiker_innen und der Jury. Ein bisschen traurig bin ich trotzdem. Als ich Kathryn Bigelows visionären Science-Fiction-Film zum ersten Mal im Kino (damals im Arsenal und ebenfalls auf 35mm) gesehen habe, war ich noch Wochen später vom Rausch der Jahrtausendwende begeistert. Selten habe ich Zelluloid so geatmet wie damals.

Über Material geht es auch beim Q&A zu Golden Exits. Nach dem Filmbloggertreffen im Haus der zehntausenfündhundertmillionen Bier habe ich mir die Freiheit genommen, Alex Ross Perrys Forums-Beitrag noch einmal zu schauen. Wer weiß, wann der hierzulande ins Kino kommt. Im Anschluss sprach der Regisseur davon, warum es ihm so wichtig war, in diesem Fall auf 16mm zu drehen: Ohne das vibrierende Bild wäre es unmöglich, sich dermaßen schnell in der Stimmung des Films einzufinden – als würde man direkt in Brooklyns verträumte Straßenzüge katapultiert werden. Zudem betont Alex Ross Perry die Erzählung über Nachbarschaft und seine kleine Film-Familie, die sich seit ein paar Jahren formt. Robert Greene gehört zum Beispiel dazu, ebenso Keegan DeWitt und Sean Price Williams. Zum Schluss schwärmt er von Close-ups und der Magie des Kinos. „Show faces 30 feets tall… that’s all movies can do.“

Hero! #alexrossperry #goldenexits #berlinale #berlinale2017 #berlinalemoments

A post shared by @beeeblebrox on

Nachdem ich heute überdurchschnittlich viele (Blogger- und Arbeits-)Kolleg_innen rund um den Potsdamer Platz getroffen habe, mache ich am Ende des Tages alleine auf den Weg in einen Film, den ich 2014 bei meiner ersten Berlinale verpasst habe: The Grand Budapest Hotel. In Anbetracht des überbordenden Programms gibt es eigentlich keinen vernünftigen Grund, ausgerechnet für diesen Film eine potentielle Entdeckung zu riskieren. Allerdings bin ich auch kein vernünftiger Mensch und mag Grand Budapest sehr. Danach bin tot ins Bett gefallen und habe den Wecker noch einmal eineinhalb Stunden früher gestellt, denn The Walking Dead startet morgen und ein Recap dazu will auch noch geschrieben werden. Bis es das allerdings zu lesen gibt, müsst ihr euch mit meinen Gedanken zum famosen Tiger Girl begnügen.

Montag, 13. Februar 2017

Um fünf Uhr klingelt der Wecker. Kurze Zeit später versucht Rick Grimes sein Gegenüber davon zu überzeugen, dass der Kampf gegen Antagonist Negan die einzige Möglichkeit ist, um in der Zombie-Apokalypse zu überleben. Als ich jedoch auf mp im Editor kurze Notizen nur neuen TWD-Episode machen will, muss ich mit Erschrecken feststellen, dass die Seite down ist. Ein Ärgernis, hatte ich gehofft, die ersten Absätze meines Recaps bereits in Form zu bringen, ehe ich mich auf den Weg zum Presseschalter im Hyatt machte. Also tippe ich vorerst nur ein paar Satzfetzen in ein Docs und nutze die restliche Zeit, um meine ganzen Social Media-Kanäle nachzuholen, die ich in den letzten Tagen ziemlich vernachlässigt habe. In den frühen Morgenstunden dieses Montags ist die Welt allerdings noch ziemlich ruhig; auch ein angenehmes Gefühl.

Der Wettbewerb startet heute mit Helle Nächte, dem neuen Film von Thomas Arslan, auf den ich mich sehr gefreut habe. Ein ruhiges Vater-Sohn-Drama, das vor allem aufgrund von Georg Friedrichs Performance bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Darüber hinaus begeistert eine Sequenz, die aus der POV-Perspektive eines Autos gefilmt ist und den Straßenzügen einer nebligen Gebirgslandschaft folgt. Meinetwegen hätte diese Aufnahme eine ganze Ewigkeit anhalten können, ähnlich wie der nächste Film: The Party. In knackigen 71 Minuten macht Sally Potter ihrem Ensemble die Hölle heiß. Timothy Spall, Kristin Scott Thomas, Emily Mortimer, Cherry Jones, Patricia Clarksan und Cillian Murphy geben alles, was dieses Kammerspiel hergibt. Und Bruno Ganz schießt mit jeder Textzeile den Vogel ab. Es werden Platten aufgelegt und Schüsse abgefeuert. Das PV-Publikum im Berlinale Palast war sichtlich angetan von diesem überaus unterhaltsamen, fiesen und kurzweiligen Drama, das seine angesprochenen Themen und Konflikte aber bloß an der Oberfläche streift. Trotzdem überaus vergnüglich.

Weniger vergnüglich war die darauf folgende Schreibpause, denn der Schlafmangel der vergangenen Tage macht sich langsam spürbar. Eigentlich will ich nur schlafen. Die Vorfreude auf The Lost City of Z hält mich trotzdem wach. Damit ich kein Karl Marx-Déjà-vu erlebe, stellen Jenny und ich uns dieses Mal sehr früh vor dem Saal in die Schlange. Ein Opfer, das sich gelohnt hat: Bereits eine halbe Stunde vor Filmbeginn sind fast alle Plätze weg und die 140 nachfolgenden Minuten liefern einen goldenen Traum von Abenteuerfilm, der sich wunderbar in den Schaffen von James Grey einreiht. The Lost City of Z ist die fiebrige Chronik einer Zeitenwende und dreht sich gleichermaßen um den Entdeckergeist, Obsession und Wahnsinn. Bisher kann sich dieser Berlinale-Tag wirklich sehen lassen – und das Beste ist: Er ist noch lange nicht zu Ende.

Im Hyatt suche ich für eine Stunde nach einem ruhigen Platz zum Schreiben. Entgegen meiner Erwartungen ist im Writing Room noch ein Platz frei und ich kann ein paar ersten Gedanken zu The Lost City of Z notieren, die es mittlerweile hier zu lesen gibt. Dann geht es nochmal ins Cinemaxx 8, wo Marie Antoinette in der Hommage läuft. Bisher habe ich den Film noch nie gesehen, doch Sofia Coppola gehört zu meinen Lieblingsregisseurinnen. Die Erwartungen sind folglich groß und die Vorfreude nicht gering. Kaum wirft der Projektor jedoch das erste Bild auf die große Leinwand, sorgen berauschende 35mm-Bilder für Überraschung und ich bin sofort im Frankreich des 18. Jahrhunderts. 3D ist hier gar nicht mehr nötig, so sehr saugen mich die tiefen Gänge von Versailles auf. Ein kleiner Traum auf Zelluloid, der große Sehnsucht weckt. Außerdem stelle ich mir die Frage, wie ich so lange ohne diesen Film leben konnte.

Ach ja, bevor ich es vergesse: Auf mp gibt es ein paar Worte meinerseits, die versuchen, Hong Sang-soo mittels einem seiner letzten Filme zu porträtieren. Am Donnerstag folgt dann sein jüngstes Werk im Wettbewerb. Ich freue mich sooo wahnsinnig darauf!

Dienstag, 14. Februar 2018

Kaum ist der Tag ein paar Stunden alt, geht das 35mm-Glück weiter. The Other Side of Hope im Wettbewerb verbindet schwere Themen mit unerwartetem Humor und nähert sich dem Thema der Flüchtlingskrise so an, wie ich es noch nicht im Kino gesehen haben. Ein Film im Wettbewerb, der endlich zur Diskussion anregt, seine ganz speziellen Eigenheiten besitzt und darüber hinaus extrem bewusst mit dem Medium umgeht. Selbst wenn ich mich an bestimmten Dingen stoße, beschäftigt mich Aki Kaurismäkis Wettbewerbs-Beitrag noch den Rest des Tages, der nicht arm an Highlight war. Kurz nach der ersten PV habe ich in der Presselounge des Berlinale Palasts endlich die Gelegenheit gefunden, ein paar Worte mit David Ehrlich zu wechseln. Es gibt wirklich nur wenige Filmkritiker, deren Tweets und Texte ich in den letzten Jahren mit mehr Begeisterung verfolgt habe. Auf Instagram habe ich festgehalten: „Das Schönste an der Berlinale ist ja fast, all die tollen Menschen zu treffen, die man sonst nur liest.“ 

Direkt aus dem Gespräch heraus katapultiert es mich in Call Me by Your Name, Luca Guadagninos Adaption des gleichnamigen Romans von André Aciman. 130 Minuten, die ins sonnige Italien entführen und wie im Flug vergehen. Am Ende hatte ich fast ein paar Tränen in den Augen, einerseits, weil die Geschichte so berührend war, andererseits, weil dieser Film einfach so wunderschön bis perfekt war. Da gibt es zum Beispiel eine Szene, in der Armie Hammer und Timothée Chalamer über einen Marktplatz spazieren, sich dabei unterhalten und zwischenzeitlich von einem ganzen Meer in Form eines Brunnen geteilt werden, ehe sie zum Schluss dieser kleinen, aber feinen Plansequenz wieder zusammenfinden. Das ist unglaublich großartig! Alleine die Credits entzücken, vom vielseitigen Einsatz diverser Musikstücke aller Couleur ganz zu schweigen. Wenngleich diese Berlinale nicht unbedingt reich an starken Wettbewerbs-Filmen sein mag: In puncto Musik und Film sind ihr bisher einige überaus denkwürdige Augenblicke geglückt.

Das anschließende Q&A mit Luca Guadagnino muss ich leider zur Hälfte opfern, um den nächsten Film in der Retro zu schaffen. Le tunnel aus dem Jahr 1933 erobert in 35mm die Leinwand des Cinemaxx 8 und träumt eine kleine Utopie, die mit jeder vergehenden Minute weniger überzeugen kann. Schade, jetzt bereue ich es doch, dass ich mich zuvor so überstürzt aus dem Publikumsgespräch mit Luca Guadagnino geschlichen habe. Immerhin wartet eineinhalb Stunden und eine kurze Schreibpause später die erste Serie des Festivals auf mich: SS-GB. Die BBC-Produktion basiert auf Len Deightons Dystopie gleichen Namens und ist in einer alternativen Vergangenheit angesiedelt, in der es den Nazis gelungen ist, Großbritannien einzunehmen. Sam Riley spielt die Hauptrolle und Lars Eidinger darf ihm als Antagonist den Kopf verdrehen – ich ahne bereits unglaubliches Meme-Potential. Abseits davon mochte ich den Auftakt aber wirklich, ein paar genauere Ausführungen werden sicherlich zeitnah folgen. a

Zum Abschluss dieses anstrengenden wie aufregenden Dienstags wage ich mich in The Misandrists, der die feministische Revolution im Berliner Ur-Kino, dem Moviemento, startet. Mehr fällt mir dazu an dieser Stelle auch nicht mehr ein. Es ist spät, der Film war explosiv, schwankt aber sehr zwischen brillanten und, öhm, weniger brillanten Momenten. „Ger-wo-many“, „A-wo-men“ und dazwischen Schopenhauer – das muss man auch erst einmal hinbekommen. So, hier ist noch mein TWD-Recap von gestern und ich bin für heute raus. Mein Kopf kann aufgrund von Schlafentzug und Reizüberflutung keinen kohärenten Satz mehr formulieren.

Mittwoch, 16. Februar 2017

Heute bin ich eigentlich nur mit einem Gedanken aufgewacht:

Diesen Luxus werde ich mir allerdings erst nächste Woche wieder gönnen. Vorerst heißt es Wettbewerb: Colo steht auf dem Plan und ist 136 Minuten lang. 136 seeeehr lange Minute; ein Elend in Armut und Verzweiflung. Leider konnte ich diesem kaum etwas abgewinnen. Sämtliche Höhepunkte, die er bedeutungsschwanger auf die Leinwand wirft, hat sich dieser Film nicht verdient. Zum Glück folgt als nächster Film I Am Not Your Negro von Raoul Peck im Panorama. Zwischenzeitlich habe ich fast vergessen, dass ich in einer Doku sitze, so packend und kraftvoll ist diese Bestandsaufnahme der amerikanischen Geschichte erzählt. Es ist unmöglich, sich diesem tosendem Gewitter zu entziehen, das als hervorragende Ergänzung zu Ava Duvernays Doku 13TH fungiert. Weniger beeindruckend ist Álex de la Iglesias wilder Wettbewerbs-Ritt El bar, der durchaus seine Einzelmomente besitzt, rückblickend jedoch einem schlampigen Potpourri gleicht, das viel zu selbstverliebt in seine eigenen Ideen ist.

Kaum setzt der Abspann ein, hetze ich mit Michael los zum Haus der Berliner Festspiele. Dort feiert 4 Blocks, die neue Eigenproduktion aus dem Hause TNT Serie, ihre Premiere. Der Tonfall ist hart und lässt ein spannendes Gangster-Drama erwarten, das sich irgendwo zwischen The Sopranos und Im Angesicht des Verbrechens befindet. So sehr mich die Abwechslung in der deutschen Serien-Landschaft erfreut, ein paar Dinge haben mich am Auftakt wirklich gestört. So folgt die Handlung bisher extrem konventionellen Mustern und auch die Figuren geben bisher in der Theorie mehr her als in der Praxis. Es wird laut geschrien, getreten und geschlagen und am Ende sind müssen sich die Frauen in jeder Hinsicht den Männern unterwerfen – von diesen doofen Macho-Tropen sollte sich 4 Blocks in den nachfolgenden Episoden schleunigst verabschieden, ansonsten könnte das Format eine unerträgliche Angelegenheit werden. So, nun muss ich diese Gedanken in einem Text zusammenfassen. Danach freue ich mich auf Werewolf im Forum. Nachtrag: Bereits nach den ersten Minuten war die Ernüchterung groß – enttäuschend.

Cinema lights #berlinale #berlinale2017 #berlinalemoments

A post shared by @beeeblebrox on

Einen mp-Text gibt es heute auch noch: Berlin Syndrome beschwört das Grauen der Hauptstadt herauf und macht Angst vor Hinterhöfen. Ansonsten geht es um Architektur und Geschichte.

Donnerstag, 16. Februar 2017

Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass seit gestern das Wetter wunderbar hier in Berlin ist? Die Sonne scheint und wärmt die sonst so eisigen Plätze rund um den Berlinale Palast. Da kann man sogar den ganzen Stress für ein paar Minuten vergessen. Aber ich schweife ab, denn heute warten sechs Filme auf mich. Okay, das ist gelogen: Fünf Filme und eine Serie – vorausgesetzt, ich klappe vorher nicht zusammen. Die erste Wettbewerbs-PV lässt mich jedoch optimistisch in die Zukunft blicken: On the Beach at Night Alone ist ein kleiner Kino-Traum und ein wundervoller Hong Sang-soo-Film. 101 Minuten pures Glück, ebenso die PK, aus der ich mich leider ein paar Minuten früher schleichen muss, meinen nächsten Film zu erwischen. Was ich aber mitgekriegt habe, dreht sich um die Frage, warum Hamburg als Handlungsschauplatz zur besten Stadt der Welt ernannt wurde und welche Faszination Hong Sang-soo mit (nächtlichen) Stränden verbindet. Auch seine auffälligen Zooms kamen zur Sprache – von der Frage nach dem Alter und der Attraktivität ganz zu schweigen.

Becoming Who I Was markiert meinen ersten Abstecher in die Generation. Die deutsche Synchro wird live dazu eingesprochen – ich finde diese Art, Film zu erleben, sehr faszinierend. Das hat schon fast ASMR-Qualität und sorgt für eine außergewöhnliche Atmosphäre. Alles andere als außergewöhnlich war Oliver Hirschbiegels ZDF-Dreiteiler Der gleiche Himmel, von dem ich wirklich überhaupt nichts Gutes berichten kann. Ein furchtbares Stück, das sich in der deutschen Geschichte suhlt und wirklich nur aus Oberflächlichkeiten besteht, während im Minutentakt pseudo-clevere Sprüche abgefeuert werden, die weder der angesprochenen Thematik eines Ost-Spions im Westen noch der kolportierten Ambition eines zweiten Deutschand 83 gerecht wird. Peinlich, doof und dämlich. Zum Glück offenbart sich die Erstsichtung der Original-Version von Ghost in the Shell danach als Offenbarung. Bisher kannte ich nur das Update 2.0 – und ich hatte völlig vergessen, wie großartig die Main Theme ist. Auf keinen Fall hätte ich diese Kinoerfahrung verpassen wollen. Gleich beschäftigt mich noch Eisenkopf und danach Bones of Contention.

Btw: Erinnert ihr euch noch an 4 Blocks, die aufregende Eigenproduktion von TNT Serie? Mein Text auf mp dazu ist mittlerweile online.

Freitag, 17. Februar 2017

Zum ersten Mal sage ich jetzt schon Wiedersehen. Have a Nice Day ist der letzte Film, den ich dieses Jahr im Berlinale Palast sehen werde. Leider ein unrühmlicher Abgang, denn der chinesische Wettbewerbs-Beitrag glänzt mit hohlen Figuren, lieblosen Animationen und einer parabelförmigen Geschichte, die so gar nicht funktioniert. Größere Freude bereitet die Generation: The Inland Road trifft ein paar eine Töne und wartet zudem mit einem Q&A mit spontaner Gesangseinlage der Hauptdarstellerin auf. Danach setzen wieder Vorfreude und Aufregung ein, denn mit Logan steht nicht nur der letzte Wettbewerbs-Film auf dem Plan, sondern auch eines meiner persönlichen Highlights.

Ich liebe die X-Men-Filme und war vom Tonfall des ersten Teaser-Trailers durchaus begeistert. Die folgenden 130 Minuten waren überaus zufriedenstellen. Ja, wirklich hervorragend! James Mangold hat den Unforgiven der Superheldenfilme gedreht. Anno 2017 grenzt es schon fast an einem Wunder, dass ein Film apokalyptischer Western wie Logan überhaupt existiert. Begeistert stürme ich ins Hyatt, wo ich noch einen Platz in der PK ergattern kann. Patrick Stewart lässt ein klares Brexit-Statement los, während James Mangold über die Konsequenzen von Gewalt spricht: „Lives end… and they don’t come back.“ Hardy und ich belagern danach den Flur der Presselounge, weil im Writing Room kein Platz mehr ist.

Der nächste Film hat mich immer noch nicht losgelassen. Insyriated, der im Panorama läuft, fühlt sich an wie ein Schlag in die Magengrube. In 80 Minuten wird das Schicksal einer Familie dokumentiert, die sich in einer Wohnung in Damaskus befindet und versucht, ein normales Leben zu führen, obgleich sie um selbiges fürchten muss. Ich bin fassungslos. Sprachlos. Ein unfassbarer Film über das Unfassbare. Keine Ahnung, warum nicht mehr darüber geredet wird. Ich glaube, ich kann nie wieder schlafen. Das war aufwühlend und schwer zu verdauen. Ein bisschen bizarr kommt es mir da vor, dass mich ausgerechnet A Clockwork Orange auffängt, einer der ersten und wenigen Filme, die mich wirklich verstört haben. In 35mm erobert Kubricks Wahnsinn die Leinwand. Nun bereue ich es, dass ich Barry Lyndon nicht gesehen habe.

Mein Hugh Jackman-Porträt ist heute auf mp online gegangen. Dieser Text liegt mir wirklich mehr am Herzen, weil ich Hugh Jackman sehr mag und hoffe, ihm mit diesen paar Worten ein kleines Denkmal zu setzen.

Samstag, 18. Februar 2017

Zum letzten Mal für diese Berlinale schleppe ich mich in den frühen Morgenstunden die Treppen des Hyatts hoch. Ein letztes Mal stelle ich mich am Presseschalter für Karten an. Oh je, der Abschied fällt jetzt schon schwer, dabei folgen noch einige persönliche Highlights in der Retro! Zuvor langweilt aber Joaquim, ein Film, als hätte jemand im Kostümfundus einer Laientheatergruppe gegraben und dabei die Kamera laufen lassen. Ich bin enttäuscht, weil das Thema viel mehr hergegeben hätte, als diesen schwachen Goldrausch. Deutlich interessanter gestaltet sich dagegen gog in der Retro, ein 3D-Film aus dem Jahr 1954, der zwar aus heutiger Sicht ein paar grobe Schnitzer beinhaltet, technisch jedoch wirklich faszinierend ist.

Alien und Blade Runner im Anschluss lassen mein Herz höher schlagen. Zwei absolute Lieblingsfilme auf der großen Leinwand. Selbst wenn es nur eine DCP war, habe ich geweint. Unbeschreiblich, was Ridley Scott hier für Monumente hinterlassen hat. Gänsehaut. Das ist der Grund, warum ich Kino liebe. Eine schöne Ergänzung dazu: The War of the Worlds von 1953, der mich im Anschluss in die 10 Jahre moviepilot-Feier übergehen lässt. Ein Abend, der für meinen Müdigkeitszustand viel zu lange geht. Es war trotzdem schön, all die vielen Menschen wieder zu sehen, mit denen ich in den letzten vier Jahren verschiedene Erlebnisse rund um mp geteilt habe. Ein letztes Mal stelle ich den Wecker. Konnte ich die ganze Woche über mindestens vier bis fünf Stunden herausschlagen, sind es ausgerechnet am letzten Tag nur drei. Passiert.

Noch ein mp-Text: Über Der gleiche Himmel und warum die Event-Serie so frustrierend ist.

Sonntag, 19. Februar 2017

Komplett übermüdet stehe ich vor dem Zoo Palast in der Schlange und warte darauf, dass mich jemand aus dieser Kälte erlöst. Schließlich findet Bewegung statt und ich falle in einen der super-bequemen Sitze, um die Wettbewerbs-Doku Beuys nachzuholen. Getroffen habe ich Katrin, die sich im Anschluss ebenfalls Close Encounters of the Third Kind in der Retros angeschaut hat. Eine unglaubliche 35mm-Projektion, die die am Ende die Leinwand komplett im Licht versinken lässt. Ich mochte den Film bisher sehr. Nun liebe ich ihn. Der letzte Akt ist unbeschreiblich! Steven Spielberg lässt Musik und Film so meisterhaft ineinander übergehen, wie es nur wenige Regisseure danach wieder geschafft haben.

The Fifth Element schließt für mich die Retro dieses Jahr ab. Drei Filme stehen dennoch auf dem Plan. Der erste davon ist Untitled, Michael Glawoggers letztes Werk, das von Monika Willi nach seinem Tod vollendet wurde. Hier geht es um alles und nichts – ein Film, der die Welt mit seinem Aufnahmen nicht verändern wird, aber ein Film, der mit seinen Aufnahmen das Beste gibt, um die Welt, in der wir leben, zu beschreiben, zu fassen. Großartigst! Mit Menashe habe ich später ein paar Probleme. Das Thema an sich ist unheimlich spannend, wie aber schon Becoming Who I Was schafft es der Film nicht, die Last, unter der Kinder leiden, die in extrem religiösen Umfeldern aufwachsen, adäquat zu beschreiben. Es existieren einfach zu viele tote Winkel, die keine Beachtung finden – und das ist fatal.

Mein vorletzter mp-Text setzt sich mit SS-GB und der Bürokratie der Besatzung auseinander. Ich fühle mich nun so, wie den letzten Film, den ich zum Abschluss noch im Cinemaxx 8 gesehen habe – Night of the Living Dead von George A. Romero.

Epilog

Ich habe so viele Gedanken in meinem Kopf, die ich gerne noch aufschreiben würde, aber irgendwie fehlt mir dazu einfach die Kraft. Die Berlinale hat mich komplett geschafft und der Alltag hat mich schon wieder gefangen. Trotzdem möchte ich mich bei allen Leser_innen dieses Tagebuchs bedanken und entschuldigen – insbesondere für all die Rechtschreib- und Grammatikfehler. Mein Berlinale-Fazit? Puh, was soll ich sagen? Vielerorts wird viel Negatives über das Festival berichtet. Rüdiger Suchsland schreibt hier und hier zum Beispiel einige Dinge auf, die sich um die Schattenseite der Berlinale drehen und einen alles andere als optimistisch in die Zukunft blicken lassen.

Ehrlich gesagt kann ich mich diesen Texten nur bedingt anschließen, denn ich habe elf Tage hinter mir, die sich wie ein aufregendes, unvergessliches Abenteuer angefühlt haben. Vielleicht bin ich einfach zu jung oder zu leicht zu begeistern. Vielleicht denke ich in einem Jahr auch schon ganz anders über die Sache. Wie dem auch sei: Bedanken will ich mich auf alle Fälle bei sämtlichen Mitstreiter_innen, die mich bei diesem Abenteuer begleitet habe. Ich hoffe, ich sehe euch nächstes Jahr alle wieder! Bis es so weit ist, gibt es hier noch ein paar Zeilen über Patriot und zusammen mit Jenny habe ich auf mp abschließend zur Berlinale 2017 zehn Filme zusammengetragen, die ihr euch unbedingt vormerken solltet. Ich verabschiede mich an dieser Stelle – bis (hoffentlich) nächstes Jahr!

Berlinale-Banner © Berlinale

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
Matthias

Letzte Artikel von Matthias (Alle anzeigen)



YOU MAY LIKE