Black Mass – Kritik

Black Mass - Kritik

Der ganz große Wurf ist Black Mass leider nicht geworden, dafür beweist das Gangster-Biopic einmal mehr, warum Johnny Depp einer der wenigen Schauspieler ist, die wirklich mit einer Maske spielen können. Sonstige Eindrücke von der Premiere auf dem ZFF 2015 habe ich auf moviepilot aufgeschrieben: Black Mass und die toten Augen des Gangsterfilms

[…] Deutlich stiefmütterlich wird dagegen Whiteys Beziehung zu seinem Bruder behandelt, was letztendlich auch dazu führt, das Benedict Cumerbatch überwiegend passiv bleibt und den Film – wie der Rest des durchaus großartigen Ensembles – einfach nur absitzt. Scott Cooper bietet den meisten Nebenfiguren erst gar keinen Raum, um sich wirklich zu entfalten, da sie schlicht Abziehbilder ihrer Archetypen sind, die mal mehr, mal weniger engagiert vermeintlich wichtige Diskussionen führen. Was sich bei einem Kaliber wie Martin Scorsese nach relevantem Gesprächsstoff anhört, mag auf den Seiten des Drehbuchs von Black Mass gar nicht so anders sein. In seiner endgültigen Inszenierung klammert Scott Cooper jedoch jegliche Bedeutsamkeit der Geschichte aus und verlässt sich auf die bedeutungsschwangere Rückversicherung „based on a true story“.

Egal wie rau die Straße wirkt, wie laut ein Schuss knallt oder wie durchdringend Whitey sein Gegenüber mustert: Black Mass selbst besitzt keine eigene Identität, geschweige denn ein Anliegen, sondern fungiert viel mehr als umfangreiche Nummernrevue seines Genres. Immer wieder holt Scott Cooper einen tiefen Atem, um im Anschluss dem Drive einer lässigen Montage zu frönen. Tatsächlich zeichnet er allerdings bloß ein Gemälde ab, ohne wirklich zu verstehen, welche Farben er genau verwendet. Das Merkwürdige daran ist, dass Black Mass trotzdem im Gewand eines einwandfreien Gangster-Films erscheint und in Einzelmomenten großen Spaß macht, in puncto Nachhaltigkeit allerdings fast so blass wie Whiteys Haut und so tot wie seine Augen ist.

Black Mass © Warner Bros.

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
Matthias


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