Blockers – Kritik

Blockers - Kritik

Als die drei Freundinnen Julie (Kathryn Newton), Kayla (Geraldine Viswanathan) und Sam (Gideon Adlon) zu Beginn von Blockers beschließen, dass sie in der Nacht ihres Abschlussballs zum ersten Mal Sex haben werden, steht da vor allem die Idee im Vordergrund, eine gemeinsame Erinnerung zu schaffen, die für immer zusammenschweißt. Zwischen Neugier, Trotz und Sehnsucht ist der sogenannte Sex-Pakt schnell geschlossen und dem perfekten Abend steht nichts mehr im Weg. Sogar eine Limousine, die sie zur Party-Location bringt, erfüllt jede Fantasie, die ein Film, ein Buch oder ein Song über den Abschied von der Schulzeit je hervorgebracht haben kann. Doch dann wären da noch die Eltern, die in ihrer eigenen Fantasie der perfekten – sprich: kontrollierten – Erziehung leben und sichtlich geschockt sind, als sie durch Zufall vom geheimen Vorhaben ihrer Töchter erfahren.

Was bei Jungs für gewöhnlich mit einer anerkennenden Geste abgesegnet wird, sorgt bei den Mädchen für einen Aufschrei, der aus gesellschaftlicher Doppelmoral resultiert. Genau diese Widersprüche macht sich Regisseurin Kay Cannon mit ihrem Debüt zum Thema und exerziert sie herrlich in ihrem frechen Coming-of-Age-Film durch. Hier treffen die Geschlechter und die Generationen aufeinander. Dazwischen erfolgt im gleichen Maße eine liebevolle Annäherung an die Figuren wie ein ausloten des abwechslungsreichen Humors. Angefangen bei exzessiv ausgelebten Gross-out-Moment bis hin zum fein balancierten Slapstick: Blockers erweist sich als kurzweiliges Vergnügen, das vieles ausprobiert, wenngleich schlussendlich wenig Innovation in der Geschichte steckt. Dafür konzentriert sich Kay Cannon auf ein emotionales Fundament und versteht es, ihr Ensembles großartig einzusetzen.

Da wäre etwa Leslie Mann in der Rolle von Julies alleinerziehender Mutter Lisa, die nichts mehr fürchtet, eines Tages von ihrer Tochter verlassen und vergessen zu werden, wenn diese aufs College geht. John Cena hingegen verkörpert Kaylas Vater Mitchell mit dermaßen naiver Fürsorglichkeit, sodass er vergisst, dass seine Tochter durchaus in der Lage ist, eigenständig wichtige Entscheidungen zu treffen. Abgerundet wird das Eltern-Trio von Ike Barinholtz als Hunter, der sich von Sams Mutter hat scheiden lassen, dennoch die Chance wittert, kurz vor dem Schulabschluss eine neue Beziehung zu seiner Tochter aufzubauen. Existieren bei allen drei Eltern die gleichen Ängste, so werden sie dennoch von unterschiedlichen Problemen verfolgt. Dieser Umstand kommt Blockers nur zugute, denn somit kann der Film nach und nach neue Perspektiven eröffnen, die ungeahnte Seiten der Figuren ans Tageslicht fördern.

In Blockers wird diskutiert, gelacht, geweint und geträumt. Einmal stehen absurde Späße im Vordergrund, während später mit unerwartetem Feingefühl die wahren Sorgen der Mädchen und ihrer Eltern in den Vordergrund treten und somit jene Ebene schaffen, die berührt. Vereint unter dem Credo von Hailee Steinfelds Love Myself-Hymne lässt Kay Cannon ihre jungen Frauen viele vertraute Stationen des Erwachsenwerdens durchleben, während die Eltern versuchen, mit allen Mitteln zu verhindern, dass ihre Töchter auf dieser Reise eine echte Erfahrung machen. Das Leugnen der eigenen Jugend nimmt dabei eine besonders spannende Rolle ein und steht im Kontrast zur sonst so aufgeschlossenen Grundhaltung des Films. Zwar erfolgt die auflösende Erkenntnis im Zuge eines vorhersehbaren wie obligatorischen Endes in verständnisvoller Harmonie. Gleichzeitig zeigt sich Blockers in diesem Augenblick von seiner aufrichtigsten und somit auch seiner stärksten Seite.

Blockers © Universal Pictures

Matthias mag Filme und Serien. Ansonsten wäre er gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen und schaut laut Werner Herzog zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.