David Bowie (1947-2016)

David Bowie (1947-2016)

David Bowie gehört zu den Namen, die für mich schon immer da waren. Selbst in einer Zeit, in der ich ihn nicht einmal buchstabieren konnte, wusste ich, dass es ihn gab. Ich ich damals genau wusste, was er überhaupt gemacht hatte, dass er so ein absolut selbstverständlicher Name für mich war? Keine Ahnung. Irgendwas mit Musik vermutlich. Richtig verloren in seiner Welt habe ich mich erst vor ein paar Jahren, als ich ihn zum ersten Mal bewusst entdeckte – selbst wenn es eher eine beiläufige Entdeckung war, denn eigentlich wollte ich nur den neuen Film von Quentin Tarantino schauen.

In Inglourious Basterds versteckte sich dann jedoch jene Sequenz, die alles verändert hat: In der Ruhe vor dem Sturm ertönt Cat People (Putting Out the Fire) und ich wäre beinahe vor Ehrfurcht und Gänsehaut gestorben. Selten hatte ich während einem Film so ein dringliches Bedürfnis, herauszufinden, welcher Song gerade gespielt wurde. Und dann tauchten David Bowie und seine Songs immer öfter in meiner Film- und Serienwelt auf. Daher will ich den traurigen Umstand seines Todes zum Anlass nehmen und meine liebsten Film- und Serienmomente mit Bowie-Songs Revue passieren zu lassen. Nicht zuletzt waren sie es, die mir zu überhaupt erst ermöglicht haben, einen Zugang zu seiner Musik zu finden.

American Horror Story: Freak Show – Life on Mars

Obwohl bisher nicht mehr als die erste Staffel von American Horror Story gesehen habe, lese ich mir gelegentlich ein paar Texte zu den aktuellen Episoden durch. Dadurch bin ich auch auf diese wundervolle Szene gestoßen, in der Jessica Lange Life on Mars singt. Und es ist unglaublich, obwohl ich nicht einmal weiß, ihn welchem Kontext diese Szene steht. Aber vielleicht brauche ich das gar nicht, denn die drei Minuten besitzen eine dermaßen einnehmende Dynamik, dass ich trotzdem nur staune.

The Life Aquatic with Steve Zissou – Life on Mars

Manchmal benötigt selbst ein Regisseur wie Wes Anderson in seinen perfekt dekorierten Bildern musikalische Unterstützung – und im Regelfall rentiert sich das Risiko, einen anderen, eigenwilligen Künstler in das große Bild zu lassen. Im Fall dieser unscheinbaren Szene in The Life Aquatic with Steve Zissou übernimmt David Bowie mit Life on Mars für ein paar Sekunden sogar komplett die Narration, weil den Figuren in Anbetracht der jüngsten Entwicklungen jegliche Sprache fehlt.

The Martian – Starman

Die Verwendung von Starman in The Martian ist noch ganz frisch: Als Matt Damon vor ein paar Monaten auf dem Mars um sein Überleben kämpfte, gab es viele emotionale Montagen. Und wie will man diese besser untermalen als mit den Harmonien von „There’s a starman waiting in the sky / He’d like to come and meet us / But he thinks he’d blow our minds“?

The Secret Life of Walter Mitty – Space Oddity

Ich erinnere mich, als ich 2013 eine PV von The Intership besucht habe. Keine rühmliche Anekdote fängt mit diesem Satz an, allerdings wurde an diesem Tag auch eine Vorschau von The Secret Life of Walter Mitty gezeigt, in der Kristen Wiig eine Akustikversion von Space Oddity auf der Gitarre einspielte, die später von David Bowies Stimme übernommen wurde und den titelgebenden Tagträumer beim Aufbruch ins Ungewisse begleitete. Zack, verliebt! Auch im fertigen Film war Sequenz überragend.

Bird People – Space Oddity

„Now it’s time to leave the capsule if you dare“ – und plötzlich fliegen sie, die Bird People, heben ab und lassen alles hinter sich zurück. Charles de Gaulle verschwindet binnen weniger Sekunden im Licht der Nacht und taucht beim genauso schnell auf der Bildoberfläche wieder auf. Dazwischen ein turbulentes Manöver, ein hastiges Ausweichen zur Seite und trotzdem zum Schluss der erhabene Moment, die Landebahn zu Füßen und David Bowies Stimme im Ohr: Die schlichte Schönheit einer Metamorphose. Dennoch gerät die Tragik des Ausbruchs nicht in Vergessenheit, ebenso die Unsicherheit des Kontrollverlusts. Das kann nur Space Oddity.

Mad Men – Space Oddity

„It’s not a problem“, sagt Don Draper und die zwölfte Episode der finalen Staffel von Mad Men findet ein unfassbares Ende, begleitet von David Bowies zeitloser Space Oddity. Wären diese zwei Minuten das Ende der Serie gewesen, ich glaube, ich hätte genauso viele Tränen verdrückt wie beim tatsächlichen Finale.

Frances Ha – Modern Love

Greta Gerwig rennt in wundervollen Schwarzweißbildern eine Straße entlang. Im Hintergrund wird sie von David Bowie begleitet. Modern Love.

Perks of Being a Wallflower – Heroes

Ich treue mich gar nicht, etwas über diese Sequnz in The Perks of Being a Wallflower zu schreiben, so zerbrechlich ist sie – als würde sich Frank Giering jeden Augenblick nach der Uhrzeit erkundigen. David Bowie hätte sicherlich eine Antwort auf seine Frage gehabt. Und damit ist er einer von ganz wenigen Menschen.

„I don’t know if I will have the time to write anymore letters because I might be too busy trying to participate. So if this does end up being the last letter I just want you to know that I was in a bad place before I started high school and you helped me. Even if you didn’t know what I was talking about or know someone who has gone through it, you made me not feel alone. Because I know there are people who say all these things don’t happen. And there are people who forget what it’s like to be 16 when they turn 17. I know these will all be stories someday. And our pictures will become old photographs. We’ll all become somebody’s mom or dad. But right now these moments are not stories. This is happening, I am here and I am looking at her. And she is so beautiful. I can see it. This one moment when you know you’re not a sad story. You are alive, and you stand up and see the lights on the buildings and everything that makes you wonder. And you’re listening to that song and that drive with the people you love most in this world. And in this moment I swear, we are infinite.“

Inglourious Basterds – Cat People (Putting Out the Fire)

Eingangs habe ich es schon geschrieben: In der Ruhe vor dem Sturm ertönt in Inglourious Basterds Cat People (Putting Out the Fire) und Quentin Tarantino entfesselt – mit David Bowies Unterstützung – ein Inferno sondergleichen. Die Erde bebt. Ein Moment der und für die Unendlichkeit.

Als mich heute früh eine Kollegin fragte, ob es denn wirklich stimmt, hatte ich keine Ahnung wovon sie spricht. Nach einem kurzen Blick auf Twitter hatte sich jedoch schon jede Nachfrage erübrigt und es fühlte sich wirklich seltsam an. Denn für den Bruchteil einer Sekunde, war der Name, der mein ganzes Leben lang immer einfach da gewesen ist, auf einmal nicht mehr da, obwohl er unzählige Male in meinem Feed auftauchte. Nachdem ich aber diese paar Gedanken hier aufgeschrieben habe, bin ich mir ziemlich sicher, dass mich David Bowie noch einige Zeit in meinem Leben begleitet wird. Und dafür, diese ewige Inspiration, bin ich sehr dankbar. Danke, David.

The Man Who Fell To Earth © Arthaus

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
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