Der gleiche Himmel – Season 1, Episode 1 – Recap

Der gleiche Himmel - Season 1, Episode 1 - Recap

Mit Der gleiche Himmel versucht sich Oliver Hirschbiegel in Zusammenarbeit mit Autorin Paula Milne an einem Event-Dreiteiler für das ZDF. Auf der Berlinale 2017 feierte die Miniserie ihre Premiere – ein trauriges Ereignis, das ich so schnell wie möglich wieder vergessen will. Auf moviepilot resümierte ich: Berlinale 2017 – Der gleiche Himmel zerteilt Tom Schilling

[…] Angefangen beim Spionage-Plot über die angedeuteten Familienkonflikte bis hin zum großen Ost-West-Kommentar: Der gleiche Himmel will jedes Thema ansprechen, das ihm binnen weniger Minute zur Prämisse einfällt – inklusive dem RAF-Terror im Westen und dem Olympia-Trainings-Terror im Osten. Infolgedessen bekommen die Schauspieler kaum Luft zum Atmen und sind überwiegend damit beschäftigt, sich von einem hingebungsvoll dekorierten Set ins nächste zu schleichen. Der gleiche Himmel ist nie verlegen, zu betonen, in welchem Jahrzehnt er sich bewegt. Tristes Mobiliar im Osten trifft auf den Luxus im Westen – so einfach lässt sich die Welt der gespaltenen Nation illustrieren. Ebenso einseitig geht der Dialog weiter. Wenn Lars im Vieraugengespräch mit seinem Vater endlich etwas über seinen Charakter offenbaren könnte, bekommen wir wieder bloß clevere Sätze vom Kaliber eines „Politische Überzeugung misst sich nicht in Worten, sondern in Taten“ an den Kopf geschmissen.

Der gleiche Himmel ist folglich eine enttäuschende Angelegenheit, die tadellos den Look der 1970er heraufbeschwört, mit all ihrem Dekor allerdings kaum etwas anzufangen weiß. Stattdessen fällt die Event-Serie mit unangebrachten Peinlichkeiten auf, anstelle die wertvolle Bildschirmzeit in die Figuren und ihre Beziehungen untereinander zu investieren. Ausgehend von der schwachen Auftakt-Episode stellt sich wirklich die Frage, wie der Berg an angedeuteten Problemen jemals bewältigt werden soll und wann sich Lars in einen eigenständigen Protagonisten verwandelt, der sich abseits der Charaktereigenschaften definiert, die ihm von den umherstehenden Figuren im Raum zugesprochen werden. Bisher steht da nur ein hilfloser Tom Schilling mit traurigen Augen, zerteilt zwischen Ost und West, ohne wirklich zu wissen, welchen Zweck er in diesem Drama erfüllen soll. „Ich weiß, auf welcher Seite ich stehe“, gibt Lars später zu verstehen. Bisher muss es sich dabei um eine Lüge handeln.

Der gleiche Himmel © ZDF

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
Matthias


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