Die Tragik der kurzen Lebensdauer von Netflix-Filmen

Die Tragik der kurzen Lebensdauer von Netflix-Filmen

Auf moviepilot haben wir den September zum Streaming-Monat erklärt und beleuchten das Thema aus allen möglichen verschiedenen Perspektiven. Jenny schrieb bereits über die Geschichte des Streamings, während Andrea spannende Statistiken erstellt hat, die unter anderem erzählen, wie die mp-Community am liebsten streamt und was sie dabei am meisten nervt. Am vergangenen Freitag ging außerdem ein Text von mir online, der sich mit der Tragik der kurzen Lebensdauer von Netflix-Filme auseinandersetzt.

[…] Als jüngstes Beispiel hierfür fungiert Mudbound, ein episches Drama, das ins Mississippi Delta der 1940er Jahre entführt und sich um brisante Themen wie Rassismus und Armut dreht. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen zwei gegensätzliche Familien, die in einer Ur-amerikanischen Geschichte verbunden werden – ein perfekter Oscar-Kandidat, könnte behauptet werden. Trotzdem ließ sich der Film nach seiner Premiere in Sundance dieses Jahr nur schwer verkaufen, was laut Regisseurin Dee Rees unter anderen daran liegt, dass sich ein Jahr zuvor der ähnlich veranlagte und ebenso verheißungsvolle Birth of a Nation nach Vergewaltigungsvorwürfen gegen Regisseur und Hauptdarsteller Nate Parker als absoluter Albtraum für Fox Searchlight herausstellte. Weitere Hintergründe dazu hat die Variety in einem umfangreichen Bericht zusammengefasst.

Der Punkt ist, dass sich trotz positiver Resonanz kein Käufer mit einem angemessenen Angebot für Mudbound finden wollte, ehe Netflix ein Angebot gemacht hat – und zwar keines, das ein gezwungenes Schnäppchen auf den letzten Drücker war, sondern ein faires, das alle Beteiligten zufrieden stimmte und dem befürchteten Verlustgeschäft für die verkaufende Partei entsagte. Ein Happy End nach einer anstrengenden Festival-Woche, bei der sich Netflix als Retter in der Not erwies und das Projekt einer ambitionierte Filmemacherin förderte, die sich fortan in den Reigen von Regie-Kollegen wie Duncan Jones, Jeremy Saulnier, Ritesh Betra, Gareth Evans und Drake Doremus reihen kann, deren neue Filme auf Netflix ihre Premiere feiern werden. Dennoch ist besagtes Happy End nur von kurzer Dauer, da Mudbound trotz finanzieller Absicherung auf eine ungewisse Zukunft zusteuert. […]

Netflix © Netflix

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
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