Eden – Lost in Music – Kritik

Eden - Lost in Music - Kritik

Von Paris bis nach New York und wieder zurück: Ganze 20 Jahre (Musik-)Geschichte umspannt Eden – Lost in Music und bleibt dennoch über weite Strecken ein unscheinbarer Wegbegleiter, der sich irgendwo zwischen absoluter Teilnahmslosigkeit und dem ungehemmten Exzess verloren hat. Bereits in den frühen 1990er Jahren setzt die Geschichte von Paul (Félix de Givry) ein. Gemeinsam mit einem Freund will er sich als DJ versuchen. Cheers – so der Name des Duos – feiert schnell erste Erfolg und mit Sicherheit auch den ein oder anderen Durchbruch, allerdings nur an der Seite respektive im Schatten von Daft Punk. Die Jahre ziehen vorbei, genauso wie die entsprechenden Zahlen, die Regisseurin Mia Hansen-Løve in unregelmäßigen Abständen zur Orientierung einwirft. Und dennoch schwebt Eden – Lost in Music die gesamte Laufzeit über wie betäubt in einer Blase, unfähig zu entkommen, aber gerade deswegen so intim.

Gleich zu Beginn steht sie im Raum, die Frage, was der andere hört? Entgegen der späteren Tätigkeit des Protagonisten gestaltet sich die Antwort jedoch aus schlichter Stille. Stille, wie sie im weiteren Verlauf des Films zwar omnipräsent, aber nur noch selten zu vernehmen ist. Denn egal wie ruhig – regelrecht verzögert oder zumindest verzerrt – die einzelnen Stationen in Pauls Leben ihren Weg auf die große Leinwand finden: So richtig zur Ruhe kommt Eden – Lost in Music nie wieder. Immer wieder entführt Mia Hansen-Løve auf wilde Partys in angesagten Clubs, mitten hinein ins Geschehen. Gleichzeitig wirken ihre Figuren wie isolierte Fremdkörper in der tanzenden Masse. Während Pauls Leben außer Kontrolle gerät, bleibt die zurückhaltende Kamera die einzige Konstante, die ihm Halt gewährt und nicht zuletzt bis in die Gegenwart verfolgt. Doch selbst zwei Dekaden nach den ersten Gehversuchen als DJ scheint sich Paul nicht verändert zu haben, wie es Julia (Greta Gerwig), eine seiner Ex-Freundinnen, beim Wiedersehen anmerkt.

Die Zeit ist stehen geblieben in Eden – Lost in Music. Wenngleich sich die Umgebung um Paul stets im flüssigen Übergang befindet, verändert, passt sich dieser nicht an, schwimmt gegen den Strom und verliert dadurch den Anschluss. Mia Hansen-Løve interessieren Aufstieg und Niedergang aber auch gar nicht. Viel interessanter ist der Zeitgeist, das pulsierende Moment, der exakte Augenblick, in dem Musik lebendig wird. Was am Ende übrig bleibt, sind Stimmungen, überwältigende bis erschütternde. Ein Rausch ist Eden – Lost in Music folglich durchaus, nur eben kein ekstatischer. Fast schon bedingungslos dem redundanten sowie dominanten 4/4-Takt des Soundtracks angepasst entsteht die Schönheit in den verborgenen Winkeln dieses zerbrechlichen, unzuverlässigen mitunter sogar willkürlichen Fragments. Aber gerade weil hier alles andere als perfekt ist, erzählt der Film vom Paradies. Loose yourself to dance.

Eden – Lost in Music © Almode Film

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
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