Emerald City – Season 1, Episode 1 – Recap

Emerald City - Season 1, Episode 1 - Recap

Unglaublich, aber wahr: Am vergangenen Freitag wurden endlich die ersten zwei Episoden von Emerald City auf NBC ausgestrahlt. Die Fantasy-Drama-Serie befindet sich seit einer gefühlten Ewigkeit in der Produktionshölle und hat nun schließlich den Sprung auf die heimischen Bildschirme geschafft. Inszeniert von The Fall-Regisseur Tarsem Singh offenbart sich die moderne Interpretation von L. Frank Baums Der Zauberer von Oz als erste große Enttäuschung in diesem noch sehr jungen Serienjahr, was wirklich schade ist. Auf moviepilot: Emerald City – Pilot-Check zur Zauberer von Oz-Adaption

[…] All diese visuell überwältigenden Highlights können leider nicht kaschieren, dass Emerald City auf Drehbuchlevel ein ungeordnetes Chaos ist, das sich nicht zwischen den vielen verschiedenen Herzen in seiner Brust entscheiden kann. Wo L. Frank Baums Vorlage alle Ehre gemacht werden soll, entsteht ein wahlloses Sammelsurium an Referenzen und Andeutungen, die beides wollen: den naiven Traum und die Realität. Auf der einen Seite dürfen Magie und Zaubersprüche ungehemmt ausgeübt werden, auf der anderen Seite gilt es, Waterboarding und Dronen zu integrieren, um – überaus unglücklich, weil unbeholfen und penetrant – den parabelförmigen Bogen des Gezeigten zu betonen. Nicht einmal Vincent D’Onofrio, der erst kürzlich in Marvel’s Daredevil als Wilson Fisk wieder beweisen konnte, welch ausgefeilten wie vielschichtigen Figuren er zu verkörpern vermag, kann als Zauberer dem losen Ideenkonstrukt etwas Bodenständiges hinzufügen.

Wie so viele Figuren in Emerald City existiert der Herrscher der fantastischen Welt in erster Linie deshalb, weil er irgendwo in den Büchern von L. Frank Baum seinen Ursprung hat. Vom zweifelhaften Wirken der im Grunde überaus interessanten Figur, die locker einer der eindrucksvollsten Serien-Antagonisten des Jahres hätte werden können, ist jedoch keine Spur. Für Emerald City ist die Mythologie bereits gesetzt, bevor sie sich überhaupt entfalten kann. Es ist wirklich tragisch, dass nach all der langen Zeit des Wartens aus der verheißungsvollen Prämisse ein solch unausgegorenes Serien-Event geworden ist, das Ambition und Talent hinter jeder Szene erahnen lässt, es jedoch zu selten schafft, die eigentlichen Anliegen überzeugend vorzutragen. Ob sich das in den nächsten Wochen ändern wird, darf angezweifelt werden. Wünschenswert wäre es dennoch, denn alleine eine kurze Parallelmontage beweist, was für ein eindrucksvolles Ungetüm in dieser größenwahnsinnigen Unternehmung schlummert.

Emerald City © NBC

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
Matthias


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