Fast and Furious – Eine (spontane) Retrospektive

Fast and Furious - Eine (spontane) Retrospektive

Ach ja, und dann hatte ich am Freitag, als ich nach Hause kam, noch diese Idee, eine spontane Fast and Furious-Retrospektive einzulegen. Okay, eigentlich ist der Gedanke schon im U-Bahnhof Rathaus Neukölln entstanden, als ich auf meine U-Bahn wartete und hatte dementsprechend genug Zeit, um zu reifen. OUT OF RESPECT, weil FAMILY und so. Zu Hause angekommen entpuppt sich Netflix Canada als mein Freund – allerdings erst, nachdem ich die erste organisatorische Hürde dieser Retro überwunden habe. Denn im Gegensatz zu handelsüblichen Franchises und Filmreihen, sind die Titel der Brumm-Brumm-Anekdoten alles andere als kohärent. Auf ein stets wiederkehrendes „Harry Potter“, „Der Herr der Ringe“ und „Star Wars“ ist kein Verlass mehr. Stattdessen gestalten sich die verschiedenen Titel und Schreibweisen wie folgt:

The Fast and the Furious (2001)
2 Fast 2 Furious (2003)
The Fast and the Furious: Tokyo Drift (2006)
Fast & Furious (2009)
Fast Five (2011)
Fast & Furious 6 (2013)
Furious 7 (2015)

Es existiert nicht einmal ein einziges Wort, dass in jedem Titel vorhanden ist. Schlau wie ich bin, habe ich bei der Suche auf Moreflicks natürlich das jüngste Franchise-Segment aufgrund des erst noch bevorstehenden Kinostarts ignoriert und siegessicher ein unscheinbares „Fast“ eingetippt. Was dabei herausgekommen ist, könnt ihr euch sicherlich denken. Immerhin veranlasste mich dieser Titel-Zickzack zur Recherche und herausgefunden habe ich folgende überlebensnotwendige sowie überragende Information: In Japan hat man sich beim siebten Teil nicht nur vom „Fast“ getrennt, sondern gleich die wohl ehrlichste Umschreibung der Handlung gewählt, die da wäre Wild Speed: Sky Mission. #fyi

Wie dem auch sei. The Fast and the Furious #nowwatching

Keine fünf Minuten im Film und schon kommen ZEHNTAUSENFÜNFHUNDERTMILLIONEN Erinnerungen in mir hoch. Klar, die F&F-Reihe war nie essentieller Bestandteil meiner Kindheit und Jugend – wie etwa die Geschichte des einen Rings, die Abenteuer eines jungen Zauberers und dieses eine Weltraummärchen vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxie. Dennoch waren die F&F-Filme irgendwie allzeit zugegen und füllten eine winzige Nische in meinem Kopf perfekt aus, von der ich nie wusste, dass sie überhaupt existierte. Umso erschreckender/witziger/ironischer gerade eben: Wenn die Underground-Szene, die mich damals so beeindruckt und eingeschüchtert hatte, plötzlich nur noch gestellt wirken. Die Farben, die Beats, die Autos und ihre Fahrer – all das erweckt auf einmal einen unausgefüllten Eindruck. Lücken tun sich auf, selbst wenn der Einsatz von NOS immer noch so fantasievoll funktioniert, wie ich ihn in Erinnerung hatte.

1:00 Uhr – oh, der Spectre-Teaser-Trailer wurde veröffentlicht. Mit diesen sagenhaften eineinhalb Minuten können die bunten Autos, die in diesem Augenblick im Rahmen des Franchise-Starts zu Schrott gefahren werden, leider nicht einmal im Geringsten mithalten. Whoa, Gänsehaut! „Welcome James… It’s been a long time, and finally here we are.“ Solche Sätze erschweren es einem schon unheimlich, wieder seinen Weg zurück in den F&F-Kosmos zu finden. Vor allem wird mir nun richtig klar, wie sehr der The Fast and the Furious doch in den frühen 2000er Jahren hängengeblieben ist. Und die mythische Underground-Atmosphäre fällt ebenso unaufhörlich weiter in sich zusammen. Als jedoch Brian O’Conner (Paul Walker) im verhängnisvolle Finale gegenüber Toretto (Vin Diesel) und Co. seine wahre Identität als Undercover-Cop offenbarte, war ich erneut für ein paar Minuten komplett in das Treiben auf vier Rädern involviert.

2:32 Uhr – Augen zu und durch: 2 Fast 2 Furious #nowwatching

Tatsächlich schaue ich mir diesen Film jetzt erst zum zweiten Mal in meinem Leben an, was bedeutet, dass ihn schon damals nicht mochte. Einfach dumm, aufgedreht und belanglos bis langweilig: 2 Fast 2 Furious hat mich immer an eine dieser unerträglichen Hotwheels-Werbungen auf SuperRTL erinnert. Und damit konnte ich noch nie etwas anfangen. Geschätzte achte Jahre später, hat sich daran nicht viel verändert: John Singleton hat Rob Cohens solides Fundament lediglich dazu benutzt, um seinen Wagen dezent mit pupertärer Attitüde gegen die Wand zu setzen. Ziemlich hohl und gänzlich uninteressant.

Samstags: The Fast and Furious: Tokyo Drift #nowwatching

Yay, erster Justin Lin-Film im Franchise. Das ist durchaus ein gutes Zeichen. Allerdings hatte ich doch ein paar mehr Probleme mit diesem Teil, als ich erwartet hatte. Meine einzige Erinnerung: Steel Drums. Oh, und dieser Awkward Moment im Fahrstuhl, als DK zuerst in Donkey Kong und dann in Drift King aufgelöst wird. So unangenehm schlecht, dass ich vor Begeisterung jedes Mal platze. Obwohl ich das Tokio-Setting sehr mag, braucht Tokyo Drift aber ewig, um den richtigen Ton zu finden. Immer wieder hängt die Handlung durch. Das können nicht einmal Steel Drums kaschieren. Und Lucas Black als Quasi-Paul-Walker funktioniert auch keinen Meter. Charmant ist der Film trotzdem gelegentlich, mal ganz ungeachtet vom unerträglichen Gepose. Aber das war in 2 Fast 2 Furious sowieso um einiges schlimmer. Insofern: okay go. Langsam kommt außerdem die knallige Farbe zurück – und zwar in nie dagewesenem Ausmaß.

Oh, und was hier passiert ist? Ich, äh, also, ich, äh, habe keine Ahnung. Aber TEH BEAUTY! Wie Ballett.

Auch am Samstag: Fast & Furious #nowwacthing

Seinerzeit der erste F&F-Film, den ich im Kino gesehen habe. Anno 2015 bin ich tatsächlich positiv überrascht, wie bodenständig dieser Franchise-Eintrag geworden ist. Hot topics: the family and, uhm, the family! Ansonsten natürlich immer noch sau dumm, aber die Tendenz zur übersteigerten F&F-Mythologie gefällt – schon alleine der Subplot rund um Michelle Rodriguez. Sogar Vin Diesel ist wieder an Bord, nachdem er zwei Filmreihen totgeritten hat. Verständlich.

Fast & Furious ist definitiv mein Guilty Pleasure der Reihe, wenn man das so sagen kann. Nicht zuletzt beweist sich Justin Lin einmal mehr als kompetenter Mann hinter dem Steuer. Eine kleine Kurskorrektur und knapp zwei Stunden später hat er es dann auch endlich geschafft und ähnlich wie Paul W.S. Anderson bei Resident Evil eine Filmreihe erschaffen, die gar nicht mehr aufhört, großartig zu sein.

In diesem Sinne: Fast Five #nowwatching

Unerwartet hat mich mein linkes Handgelenk in den vergangenen Tagen im Stich gelassen. Das hat mich natürlich weder davon abgehalten, meine F&F-Retro fortzusetzen, noch pünktlich am 1. April bei Furious 7 im Kino zu sitzen. Das Schreiben musste ich aber leiter sein lassen. Dafür gibt’s jetzt noch ein paar nachträgliche Notizen.

Okay, wo war ich stehen geblieben zwischen all dem Brumm und Brumm? Ach ja, Fast Five respektive der bis dato beste Eintrag im Franchise. The Rock grinst wie ein Honigkuchenpferd und Justin Lin katapultiert die Reihe auf ein komplett neues (und damals ehrlich gesagt unerwartetes) Level. Neues Modell, original Teile – nur noch konsequenter. Von illegalen Underground-Rennen ist schon fast keine Spur mehr zu entdecken. Fast Five ist eine Generalüberholung wie es sie selten zuvor in einem Franchise gab. Klar, das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt hat sich auch irgendwo mit jedem weiteren Auftritt auf der großen Leinwand neu erfunden. Was Justin Lin aber mit Fast & Furious anstellt, ist aber schon fast unglaublich.

Schon in Tokyo Drift steckt viel frischer Wind. Fast Five traut sich dann endlich, den Gang einzulegen, von dem niemand gewusst hat, dass er überhaupt existiert. Was dabei herauskommt, ist ein schöner Genre-Mischmasch, der herzhaft an der Familien-Mythologie schraubt und sie noch liebevoll um Dwayne Johnson erweitert. Selbstironisch ist der fünfte Teil auch mehr als die vorherigen, aber dennoch geht Justin Lin das Grundverständnis für die Selbstverständlichkeit der Geschichte nicht verloren. RESPECT! Und FAMILY!

All roads lead to this: Fast & Furious 6 #nowwatching

Auf moviepilot habe ich damals ein paar Zeilen festgehalten:

Im Geschwindigkeitsrausch schließt Justin Lin konsequent an Fast Five an – wenn er die Generalüberholung dieses fünften und bis dato besten Teil des holprigen Vehikel-Franchises nicht sogar einen Schritt weiterdenkt und somit minimal bzw. bedingt übertrifft: Ähnlich wie Paul W.S. Anderson bei Resident Evil: Retribution durch Reduktion auf die nötigsten – sprich essentiellen – Bestandteile den wahren Reiz des entsprechenden Zombie-Stelldicheins mit Milla Jovovich selbstsicher offenbart und unverschämt auslebt, definiert sich Fast & Furious 6 als straighter Action-Blockbuster auf vier Rädern, der gerne jegliche Gesetzmäßigkeiten seiner seriösen Genre-Kollegen über den Haufen wirft und gerade in Momenten der absoluten Übertreibung einen Heidenspaß macht – ohne dabei im unmotivierten Nonsens zu verkommen. Das ist in Anbetracht der gezeigten Szenarien und abgefahrenen Ideen, die im Grunde völlig aberwitzig und hirnrissigen sind, genauso bemerkenswert wie die Evolution der Fast and Furious-Filme selbst. Wenn sich jedoch Vin Diesel und Dwayne Johnson nicht nur Autos aller couleur, sondern auch Paul Walker wie einen Fußball gegenseitig zuspielen, ist die Vorfreude auf kommenden Franchise-Beiträge definitiv garantiert.

Finally: Furious 7 #nowwatching

Mittlerweile schon zwei Mal auf der großen Leinwand bestaunt. Das erste Mal gab es sogar Kinderriegel. Was mir ansonsten zu dieser großartigen Fortsetzung der Reihe durch den Kopf gegeangen ist, habe ich hier ausführlich ausgeschrieben, wenngleich ich immer noch nicht das Gefühl habe, alles zu Furious 7 gesagt zu haben. Bin selbst ein bisschen überrascht, wie viel ich in dem Film entdecke. See you again.

Fast and Furious © Universal Pictures

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
Matthias


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