George A. Romero (1940-2017)

George A. Romero (1940-2017)

Es gibt nur wenige Regisseure, die meine Fantasie jahrelang beflügelt haben, ohne, dass ich je einen Film von ihnen gesehen habe. George A. Romero gehört mit seinem Schaffen aber zweifelsohne dazu. Er war der Regisseur, der Filme drehte, die ich nicht sehen durfte, bis ich es irgendwann trotzdem tat. Dann war es im Kreis von Freunden, nachdem eine gefühlte Ewigkeit Erwartungen geschürt und bis in die Unendlichkeit gesteigert hat. Was verbirgt sich hinter den ikonischen Titeln mit den noch ikonischeren Postern? Die schockierende Antwort ist: Eine der größten Enttäuschung meiner jugendlichen Filmerfahrungen.

Alles andere als begeistert saßen wir plötzlich da, als die Toten aus ihren Löchern gekrochen kamen und ein paar junge Menschen in einer heruntergekommenen Villa terrorisierten. Das schwarz-weiße Bild konnte uns damals nicht fesseln, was nicht unbedingt etwas damit zu tun hatte, dass es nicht erschreckend war. Der gesamte Raum war sich schlicht einig: Irgendwie versteckt sich hier nicht das Meisterwerk, das wir alle uns erwartet hatten – wir hätten nicht weiter daneben liegen können. Dennoch war der Name vorerst entmystifiziert, nachdem er zuvor ausschließlich inspirierte und die Fantasie an ungeahnte Orte brachte.

Erst später habe ich die Nacht der lebenden Toten wiederentdeckt und mich wahrhaftig in diesem rauschenden Albtraum verloren, der mit jedem Frame um eine neue Schicht reicher wurde. Jeder Schritt der röchelnden Gestalten, die sich mit bedrohlicher Langsamkeit durch durch beängstigende Landschaften und Räume bewegen, war ein pures Erlebnis, dessen unvergleichliches Glück mich erst dieses Jahr auf der Berlinale wieder überfallen hat. Nach elf Tagen fällt man für gewöhnlich erschöpft in den Kinosessel. Wenn als letzter Film jedoch Night of the Living Dead über die Leinwand flimmert, bleibt die Aufregung bis zur letzten Sekunde erhalten.

Ein bisschen habe ich mich für mein jugendliches Ich geschämt, das anno dazumal ein reißerisches Wunder erwartet hat, aber nicht in der Lage war, die raue Schönheit zu erkennen. Die spätere Entdeckung war trotzdem – oder gerade deswegen – eine glücklich Erfahrung, die ich nicht vermissen möchte und mich auf gewisse Weise erneut beflügelt hat. Dafür bin ich dankbar und weiß, dass der Name George R. Romero nie wieder in seiner Ur-Faszination einbüßen wird. Mach’s gut!

Land of the Dead/Night of the Living Dead © Universal/Splendid Film

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
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