Ghostbusters – Kritik

Ghostbusters - Kritik

Es scheint geradezu unmöglich, über den neuen Ghostbusters zu schreiben, ohne auf den Umstand einzugehen, dass die vier Geisterjäger fortan Frauen und keine Männer mehr sind, wie es beim Original von 1984 und dessen Fortsetzung noch der Fall war. Die Welt ist aus den Fugen geraten, könnte man meinen, wenn man sich in diverse Ecken des Internets verirrt, wo – im harmlosesten Fall – von einer zerstörten Kindheit die Rede ist. Erschreckend bis lächerlich sind die Reaktionen, die Paul Feigs Unternehmung erfährt, die Ghostbusters nach über einem Vierteljahrhundert Abstinenz wieder ins Kino zu bringen.

Schaut man sich jedoch den fertigen Film an, ist es verblüffend, wie non-existent die vorherigen Aufregung ist. Die Ghostbusters anno 2016 kommen nie in eine Situation, in der sie sich rechtfertigen müssen – nein, dieser Film strahlt entgegen aller Widerstände und Barrikaden eine Selbstsicherheit aus, die über die Maßen beeindruckend wie inspirierend ist. Aller Hass der Welt konnte Paul Feig nicht daran hintern, Kristen Wiig, Melissa McCarthy, Kate McKinnon und Leslie Jones im New Yorker Untergrund auf Geisterjagd zu schicken – und jetzt stehen sie da, ganz selbstverständlich, mit Protonen Packs in Händen.

In seinen groben Zügen hat sich die Geschichte der Ghostbusters allerdings im Reboot nicht verändert: Physikerin Erin Gilbert (Kristen Wiig) hat dem Paranormalen abgeschworen und versucht an der Columbia-Universität eine Festanstellung zu erhalten, doch dann gewinnt ihre Begeisterung für das Übernatürlich wieder die Überhand – begünstigt durch das Auftauchen eines tatsächlichen Geistes, den sie zusammen mit ihrer alten Freundin Abby Yates (Melissa McCarthy) und Ingenieuren Jillian Holzmann (Kate McKinnon) in einem traditionsreichen Anwesen ausfindig macht.

Kurze Zeit später stößt die U-Bahn-Angestellte Patty Tolan (Leslie Jones) zum Trio dazu – ganz zu schweigen von Kevin (Chris Hemsworth), der fortan als Assistent fungiert. Derweil wächst die Geistesbedrohung in der Stadt, sodass spätestens zum dritten Akt ganz New York auf den Beinen ist, weil glibberiger Schleim die Straßen verstopft. Ob es sich hierbei um eine dreiste Kopie oder eine liebevolle Hommage handelt, sei dahin gestellt – nicht zuletzt bediente sich schon Ghostbusters 2 seinerzeit schamlos am etablierten, wie extrem wackeligen Handlungsgerüst des Vorgängers, das hauptsächlich durch pure Behauptung zusammengehalten wird.

Doch die lose Aneinanderreihung der klassischen Ghostbusters-Stationen fällt kaum ins Gewicht, denn Paul Feig, der nach The Heat erneut mit Drehbuchautorin Katie Dippold zusammengearbeitet  hat, liefert genügend Ablenkungsmanöver, um die Zwischenzeit zu überbrücken. Die Einführung der Figuren erfolgt routiniert, danach beginnt der Spaß: Sind erst einmal alle vier Geistesjägerinnen in einem Raum, schöpft der Film aus den Vollen, denn tatsächlich ist es dieser perfekte wie diverse Cast, der Ghostbusters so unterhaltsam macht.

Paul Feig weiß um die verschiedenen Stärken seiner Darstellerinnen und kombiniert diese genauso clever, wie er es zuvor in Bridesmaids getan hat. Das Resultat bewegt sich hervorragend auf dem schmalen Grat zwischen Action, Komödie und Grusel – jede Szene legt dabei ihren eigenen Schwerpunkt, sodass am Ende der zwei Stunden Laufzeit ein ausgeglichener wie zufriedenstellender Eindruck bleibt. Außerdem bringt Paul Feig viele seiner Talente mit, die er zuletzt in der Agenten-Komödie Spy unter Beweis gestellt hat: Trotz des beherzten Bewusstseins für die Absurdität und Übertreibung des Geschehens ermöglicht Ghostbusters ein aufregendes Abenteuer zum Mitfiebern.

Im positiven Sinn überrascht zudem das Finale – dank prächtiger Neonfarben und wabernden Rauchschwaden ein absolutes Highlight des Films! Paul Feigs Ghostbusters sind nicht nur witzig und tough, sondern bewegen sich auch durch eine hingebungsvoll gestaltete Welt, die mitunter schlicht atemberaubend aussieht. Ähnlich wie Star Wars: The Force Awakens bedient sich die Geisterjagd altbekannter Motive und setzt diese nun mit den technischen Möglichkeiten des gegenwärtigen Kinos um – erfreulicherweise, ohne im sich Selbstzweck tosender VFX-Gewitter zu verlieren.

Während Suicide Squad aktuell etwa komplett damit überfordert ist, seine visuellen Ambitionen adäquat auf der großen Leinwand umzusetzen, folgt Ghostbusters einer klaren Bildsprache, die einfach, aber deutlich zur Illustration der Ereignisse dient – wenngleich der pulsierende Lichtsäule gen Himmel inklusive düsterer Wolken als obligatorische Bebilderung des bevorstehenden Weltuntergangs hingenommen werden muss. Spätestens wenn das Ensemble aber wieder am Zug ist, verschwindet dieser Negativ-Eindruck in der Versenkung, denn Kristen Wiig, Melissa McCarthy, Kate McKinnon und Leslie Jones wurden geboren, um Geister zu jagen.

Ghosterbusters © Sony Pictures

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
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