Green Room – Kritik

Green Room - Kritik

Nach Blue Ruin meldet sich Regisseur und Drehbuchautor Jeremy Saulnier mit einem weiteren fiesen Genre-Film auf der großen Leinwand zurück. Green Room ist ein kleines Juwel – gerade, weil er auf den ersten Blick wie der langweiligste Vertreter seiner Gattung aussieht. Doch dann betreten auf einmal Imogen Poots, Alia Shawkat, Patrick Stewart und Anton Yelchin den titelgebenden Raum und verwandeln das vermeintlich durchschaubare Setup in einen gleichermaßen aufregenden sowie abgefahrenen Trip. Green Room ist ein mega starkes Brett und auf moviepilot habe ich anlässlich des ZFF 2015 ein paar Gedanken dazu aufgeschrieben, die nicht zuletzt voller Ehrfurcht für das Auteur dahinter sind: Punks vs. Neonazis in Jeremy Saulniers Green Room

[…] Die Ungewissheit im Green Room nimmt niemals ab, besonders weil Jeremy Saulnier verspielt falsche Fährten streut, gleichzeitig aber den eigentlichen Kern der Geschichte nicht aus den Augen verliert. Nahendes Blaulicht, das Hoffnung auf baldige Rettung verspricht, wird effizient ausgegrenzt, bevor es überhaupt das von Neonazis belagerte Gebäude betreten kann, und auch ein verstecktes Drogenlabor im Keller gliedert sich gekonnt ins Gesamtbild ein. Jeremy Saulnier hat sichtlich Spaß, jeden Winkel des Green Rooms zu erkunden, und bewegt sich dabei so sicher auf engem Raum, dass es eine Freude ist, ihm bei der Arbeit zuzusehen. Die reduzierte Lokalität bietet übersichtliche wie detailverliebte Survival-Action und lässt sich dennoch dynamisch aus- bzw. einklappen, wenn seine Sequenz eines kleineren oder größeren Areals bedarf.

Und dann betritt eine – in ihrer Zusammenstellung genauso außergewöhnliche wie perfekte – Garde an Schauspieler_innen das ordentliche Fundament, um Green Room endgültig in eine mitreißende Achterbahnfahrt zu verwandeln. Neben Imogen Poots, Anton Yelchin und Alia Shawkat lässt insbesondere Patrick Stewart nicht nur sämtliche Rollentypen seiner eigenen Vergangenheit hinter sich zurück, sondern erschafft einen unberechenbaren Bösewicht, der mit nur wenigen Gesten den Thrill-Faktor ins Unerträgliche treibt. Weißer Bart und Brille: Die Worte aus seinem Mund sind dermaßen beruhigend, dass einem ein nur umso kälterer Schauer den Rücken hinunterläuft, wenn realisiert wird, was sich für eine kalkulierende wie gnadenlose Bestie tatsächlich dahinter verbirgt.

Green Room © A24

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
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