Harry Potter and the Cursed Child – War am Ende alles gut?

Harry Potter and the Cursed Child - War am Ende alles gut?

Lange Zeit habe ich Harry Potter and the Cursed Child, das zweiteilige Theaterstück von Jack Thorne, John Tiffany und J.K Rowling, überhaupt nicht ernst genommen. Ich bin mir nicht sicher, woran es genau lag, aber ein echtes Harry Potter-Feeling hatte ich lange Zeit nie, bis ich eines Abends zufällig über ein paar Plot-Leaks gestolpert bin und mir schlagartig klar wurde, dass Harry Potter and the Cursed Child nicht einfach nur eine Bühnenversion der altbekannten Geschichte ist, sondern die Erzählung rund um den Jungen, der überlebte, tatsächlich fortsetzt.

Die paar Fetzen der Handlungsbeschreibung, die ich dann gelesen habe, haben mich richtig nervös gemacht. Irgendwie war ich aufgeregt auf das neue Abenteuer, gleichzeitig gab es da auch eine ungewisse Angst. Kaum hielt ich den Vierakter jedoch in Händen, war es um mich geschehen: Harry Potter and the Cursed Child ist eine fantastische Fortsetzung, besser, als ich sie mir je erwartet hätte. Selten habe ich es erlebt, dass dermaßen komplexe Charaktere auf so kleinem Raum dermaßen präzise aufgegriffen und weitergedacht wurden. Auf moviepilot habe ich noch ein paar ausführlichere Gedanken dazu aufgeschrieben: Harry Potter and the Cursed Child – Traumhafte Fortsetzung für Fans

[…] Dass Harry Potter and the Cursed Child gelegentlich hart an der Grenze zur Fan-Fiction vorbeischlittert, fällt kaum ins Gewicht, denn das Theaterstück bringt so viel Verständnis für die Hintergründe der Figuren mit, dass jegliche Story-Wendung auf einem (emotional) unumstößlichen Fundament fußt. Es ist verblüffend, wie leichtfüßig die zentralen Leitmotive der Reihe neu aufgerollt und variiert werden. Harry Potter and the Cursed Child schließt nicht nur nahtlos an ein siebenteiliges Epos an, sondern übernimmt auch den Fluss der vorherigen Geschichte, ohne in seiner Begeisterung die abgründigen Facetten dieser zu vergessen. Womöglich sind diese sogar präsenter denn je, wenn Harry bei all seinen Ambitionen, eine bessere Welt für seinen Sohn zu schaffen, nicht merkt, dass er sie nur noch schlimmer macht. Diese Dekonstruktion ist durchaus mutig und führt die Figuren am Ende der 330 Seiten auf einer Ebene zusammen, auf der sie sich zuvor noch nie begegnet sind.

Dementsprechend ist Harry Potter and the Cursed Child wahrhaftig eine Fortsetzung und kein krampfhaft produziertes Franchise-Segment, das – wie es Harry im Theaterstück selbst vorgeworfen wird – verzweifelt versucht, noch einmal in den Schlagzeilen zu stehen. Natürlich lässt sich darüber streiten, wie notwendig die Rückkehr nach Hogwarts überhaupt war. Jetzt, da sie allerdings stattgefunden hat, wäre es verschwendete Mühe, sich darüber aufzuregen, denn was J.K Rowling, John Tiffany und Jack Thorne geschaffen haben, ist tatsächlich etwas Wundervolles wie Berührendes, das mit unerwarteten Perspektiven sowie feinen Nuancen überrascht – sei es eine aufregende Auseinandersetzung mit der Servierwagen-Dame auf dem Dach des Hogwarts-Express, die weit mehr Geheimnisse verbirgt, als Schokofrösche und Bertie Botts Bohnen durchblicken lassen, oder schlicht der aufrichtig, versöhnliche Schlussgedanke, dass vielleicht nicht alles gut ist, aber vielleicht dieser Tag ein guter wird.

Harry Potter and the Cursed Child © Little, Brown

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
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