High Rise – Kritik

High Rise - Kritik

Eigentlich ist es unmöglich, den Wahnsinn von J.G. Ballards High Rise in seiner Gänze auf die große Leinwand zu bannen. Dennoch ist Regisseur Ben Wheatley das Wagnis eingegangen, die dystopischen Zukunftsvision mit einem sagenhaften Cast, der sich von Tom Hiddleston über Elisabeth Moss, Luke Evans und Sienna Miller bis hin zu Jeremy Irons erstreckt, fürs Kino zu adaptieren. Was dabei herausgekommen ist, durfte ich im Rahmen des ZFF 2015 im Arthouse le Paris bestaunen und habe im Anschluss auf moviepilot ein paar Worte aufgeschrieben, die jedoch längst nicht reichen, um dieses unfassbare Meisterwerk adäquat zu beschreiben: High Rise und der Höllenschlund des Wolkenkratzers

[…] Tatsächlich entfremden sich die Menschen allerdings komplett von sich selbst, werden zu Tieren und nähern sich schlussendlich dem Stadium eines Kleinkinds wieder an. So wie Richard Wilder seinen Namen schreiend wiederholt, könnte er auch ein Baby sein, das verzweifelt nach seiner Mutter ruft. Da diese doch nicht mehr auf der Bildfläche erscheint, ist ein Blutbad der einzige Ausweg aus der erbärmlichen Lage. Eine verhängnisvolle Verwechslung von Ohnmacht und Kontrolle: Am Ende sitzt Robert Laing auf seinem Balkon, genießt die Reste des gegrillten Hundes und reflektiert die Geschehnisse der vergangenen Tage, die nur wenige unbeschadet überlebt haben.

Was J.G. Ballard mit einem „now that everything had returned to normal“ zusammenfasst, illustriert Ben Wheatley mit einem zufriedenen Lächeln seitens Robert Laing, womöglich das erste seiner Art im gesamten Film. Und dann platzt eine Seifenblase – ganz unschuldig, wo sie eben noch über 40 Stockwerken der Verdammnis Richtung Zukunft schwebte. Doch hätte sie überhaupt eine andere Wahl gehabt, als sich vom Wind ins unbestimmte Irgendwo treiben zu lassen und ein paar Augenblicke darauf sowieso zu platzen?

High Rise © DCM Film Distribution

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
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