Jeff Nichols & der Hoffnungsschimmer am Horizont

Midnight Special: Jeff Nichols & der Hoffnungsschimmer am Horizont

Im Rahmen der Berlinale 2016 feierte Midnight Special seine Premiere. Zwischen Steven Spielberg und John Carpenter hat Jeff Nichols ein kleines Meisterwerk geschaffen, dass mich nur begeistert und vor allem ab der ersten Minute gefesselt hat. Noch einmal den Traum von E.T. träumen. ♥

Wie der Film ansonsten ins Schaffen von Jeff Nichols passt habe ich auf moviepilot aufgeschrieben: Jeff Nichols und der Hoffnungsschwimmer am Horizont

[…] Wenn es darum geht, das Tosen der Naturgewalten mit emotionalen Konflikten vergleichbarer Windstärke ineinander übergehen zu lassen, ist Jeff Nichols zweifelsohne ein Ausnahmetalent. Zur Seite stehen ihm dabei treue Wegbegleiter wie Kameramann Adam Stone und Komponist David Wingo, die seit Shotgun Stories beziehungsweise Take Shelter für eine unverwechselbare Atmosphäre in seinen Werken sorgen. Wo in poetischen Bildern die erschreckende Größe des unscheinbaren Höllentores zwischen Redneck- und White Trash-Milieu zum Vorschein kommt, sorgt das musikalische Grundgerüst für unfassbare Anspannung. Ein Treiben, ein Hämmern, ein unermüdlicher Pulsschlag: Es stockt einem der Atem, wenn die Gewaltspirale eskaliert oder schlicht ein Auto bei Nacht die Straße entlangfährt. Der Orkan an überwältigenden wie mitreißenden Eindrücken nimmt kein Ende – und trotzdem findet Jeff Nichols immer wieder Zeit für unfassbare Stille, fast betäubend und deswegen so erschütternd in ihrer unberechenbaren Omnipräsenz.

Niedergeschmettert blicken die Menschen in die Kamera, in ihren Augen spiegelt sich der Schmerz der (selbstverschuldeten) Verdammnis wieder. Doch dieses Mal ist etwas anders: In Midnight Special existiert ein greller, unbändiger Lichtstrahl, der die Dunkelheit durchbricht und an die Stelle der sonst so müden, erschöpften Blicke tritt. Geradezu hoffnungsvoll endet das Sci-Fi-Roadmovie in der Möglichkeit einer Utopie – gänzlich entgegen des zerstörerischen Schlussakkords von Jeff Nichols‘ vorherigen Filmen. An die Stelle von Jessica Chastain, die mit wehendem Haar ohnmächtig die Vorboten des Unvermeidlichen bezeugt, treten nun die staunenden Gesichter, die Spielberg faces, von Michael Shannon, Kirsten Dunst, Joel Edgerton und Adam Driver, die eine Alternative gesehen – und diese auch akzeptiert – haben. Absolut berauschend! Um welche Facette Jeff Nichols in Anbetracht dieser neu eröffneten Perspektive sein Schaffen mit Loving wohl bereichern wird?

Midnight Special © Warner Bros.

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
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