Lav Diaz & die Unendlichkeit des Slow Cinema

Lav Diaz & die Unendlichkeit des Slow Cinema

Anlässlich der Berlinale 2016 hatte ich mich mit dem Slow Cinema und insbesondere dem Schaffen von Lav Diaz auseinandergesetzt. Herausgekommen ist dabei ein Text, den ich selbst sehr mag und daher auch noch einmal hier im Blog verlinken wollte für alle, die ihn noch nicht gelesen haben. Vollständig steht er auf moviepilot: Berlinale 2016 – Lav Diaz & die Unendlichkeit des Slow Cinema

Fast alle zwei Sekunden fällt ein Schnitt, wenn Matt Damon in Das Bourne Ultimatum unter der Regie von Paul Greengrass über die Dächer von Tangier rennt, um seinen Widersacher zu stoppen. Dagegen muten die durchschnittlich rund sieben Sekunden, die bei Steven Spielberg vergehen, bevor die Kamera eine neue Perspektive einnimmt, wie eine gefühlte Ewigkeit an – von den überschwänglichen 17,5 Sekunden eines Woody Allen ganz zu schweigen. Die ASL (Average Shot Length) des zeitgenössischen Kinos ist verschwindend gering und es bleibt kaum Zeit, um in den einzelnen Bildern zu verweilen. Blickt man sich in der Filmlandschaft etwas genauer um, sollte es allerdings nicht lange dauern, bis der oder die Interessierte auf den Begriff des Slow Cinema stößt. Hier protzen die Statistiken mit einer ASL von mehreren Minuten und wohl kaum ein anderer Regisseur ist derzeit so eng mit der Definition des langsames Kinos verbunden wie Lav Diaz.

Der philippinische Filmemacher, der seit Ende der 1990er Jahre mit bewegten Bildern hantiert, sorgt mit der Laufzeit seiner Filme regelmäßig für Schlagzeilen – so auch im diesjährigen Wettbewerb der Berlinale, wo sein siebenstündiges Werk A Lullaby to the Sorrowful Mystery (acht Stunden mit Pause) Premiere feiert. Als „warriors“ bezeichnet Lav Diaz daher die Zuschauer, die „well-fed“ und „well-rested“ bis zu elf Stunden im Kino verbringen, um seine Filme zu bestaunen. Doch was hat es mit der Tradition des Slow Cinema genau auf sich? Woher kommt es? Und welche Rolle spielt Lav Diaz neben anderen Regisseuren in dieser Bewegung, die sich als cineastisches Pendant zum Slow Food lesen lässt? Gerade, wo es in der Gastronomie beim Fast Food sowohl um die zügige Zubereitung als auch den schnellen Verzehr geht, gilt es, das Genussvolle wie Bewusste im Essen zu wahren. Es geht darum, sich auf etwas einzulassen, sich für etwas Zeit zu nehmen. […]

Zugabe: Link zum jüngsten Kurzfilm von Lav Diaz, The Day Before the End, auf Grashopper Film.

A Lullaby to the Sorrowful Mystery © ABS-CBN Film Productions

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
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