Mad Men – Im Dunst einer Dekade

Mad Men - Im Dunst einer Dekade

Immer wieder zoomt sie heraus, die Kamera, geht einen Schritt zurück, um das ganze Gemälde zu erfassen, das sich in diesem Augenblick im Entstehen befindet. Eben noch ganz dicht bei den Figuren, mitten im Gespräch oder einer Diskussion vertieft, folgt kurz darauf ein kleiner Überblick, ein Resümee inklusive Schlussgedanke und letzten Endes doch nur ein weiteres Puzzleteil im Verlauf einer Dekade, in der Umbruch die einzige Konstante ist. Mit jeder Einstellung – und jede gleicht einem vollkommenem Kunstwerk – nimmt dieses Epos an Größe und Gewicht zu, jedoch ohne jemals außer Kontrolle zu geraten. So eng die Mad Men im Verlauf der Serie zusammenwachsen, so unüberwindbar ist der Graben, der sich stets zwischen ihnen befindet. Im Brauchteil einer Sekunde verschwinden sämtliche Anzeichen aufblühender Freundschaft hinter dem Gewand professioneller Distanz und trotzdem weiß jede einzelne Figur um ihre Beziehungen.

Wertvoll sind also die raren Momente, in denen sich Don (John Hamm) und Peggy (Elisabeth Moss) in den Armen liegen und alles um sich herum vergessen können. In diesen kostbaren Minuten scheint die Welt förmlich still zu stehen und das obwohl sie ansonsten vom unbändigen Treiben dominiert wird. Eine Zigarette, ein Drink, ein Telefonat und wieder schlägt eine Tür auf und zu: Es geht immer vorwärts, weil schlicht Zeit vergeht. Doch irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem der Kollisionskurs ein unabwendbarer scheint. Ein letztes Mal einatmen mit dem Wissen vom nahenden Ende. Gerade dann wird der finale sowie erwartete Paukenschlag jedoch gekonnt erstickt – von einem Halblächeln, so unscheinbar und dennoch unheimlich befriedigend nach einer dermaßen aufregenden wie aufwühlenden Odyssee. Eine Idee, von der Don seit Beginn seiner Geschichte geträumt hat. Ein Kreis, der sich schließt. Chapeau, Matthew Weiner. Und danke für diesen Trip!

Das Einzige, das ich bereue, ist, so wenig Screenshots gemacht zu haben. Ein paar haben trotzdem ihren Weg in einen Mad Men-Ordner auf meinem Desktop gefunden.

 Mad Men © AMC

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
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