Miles Ahead – Kritik

Miles Ahead - Kritik

Im Februar dieses Jahres begeisterte mich ein kleiner Musikfilm auf der Berlinale, der auf den ersten Blick gar nicht so recht ins Programm des Filmfestivals zu passen schien. Dennoch bin ich sehr froh, Miles Ahead zwischen all den anderen Berlinale-Werken gesehen zu haben – gerade, weil Don Cheadles Regiedebüt in Spielfilmlänge meine Festivalerfahrung noch einmal um ganz besondere zwei Stunden erweitert hat. Auf moviepilot schwärmte ich damals sehr viel: Miles Ahead & die (un)sterbliche Musiklegende

[…] Rau und grobkörnig: Nicht nur der visuelle Rahmen passt sich dem durchtriebenen Protagonisten des Films an. Auch seine Charakterzeichnung beschäftigt sich mit den düsteren Facetten des Lebens in Rastlosigkeit. Im übergeordneten Handlungsstrang tritt ein heruntergekommenes Wrack auf, das verflossener Liebschaften nachtrauert. In den eingestreuten Rückblenden entsteht das Porträt eines unberechenbaren Mannes, der sich – im Gegensatz zu seiner perfektionierten Musik – überhaupt nicht unter Kontrolle hat. Die Gewalt gegen Frauen blendet Miles Ahead beispielsweise nicht aus. Gegen einen plakativen wie moralinsauren Grundtenor wehrt sich Don Cheadle allerdings gekonnt, indem er die Kritik mit der Geschichte verwebt, sie sozusagen organisch in seinen Film integriert. Besonders in puncto Schnitt ist Miles Ahead herausragend komponiert: Die einzelnen Zeitebenen verlaufen im assoziativen Kontext und lassen genügend Freiraum, um zwischen den Zeilen zu lesen.

Großartig ist es, wenn ein Telefonat zwischen Miles Davis und Frances Taylor, das sich um den bröckelnden Status quo ihrer Beziehung dreht, in einer Montage aus Polaroid-Fotos auflöst. Gezeigt werden Momentaufnahme, die von der Hochzeit der beiden erzählen, obwohl soeben noch die Beziehungsprobleme des Paars im Raum standen. Der gesamte Konflikt wird durch die fließende Aneinanderreihung der Schnappschüsse elegant und aussagekräftig gelöst – und zwar so, dass sie hinsichtlich der Dramaturgie des Films funktioniert. Dynamisch fügt sich die Sequenz ins Gesamtkunstwerk ein, ohne den Fokus vom Kern abzulenken. Es ist bemerkenswert, wie präzise und mit welcher Weitsicht Don Cheadle Miles Ahead inszeniert hat. Wo am Anfang kaum Musik zu vernehmen war, nimmt sie am Ende immer mehr zu. Nahezu unendlich scheint der Augenblick, wenn der Protagonist im Finale wieder zur Trompete greift. […]

Miles Ahead © Sony Pictures Classics

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
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