Musik & Film #10: Where Is My Mind

Musik & Film #10: Where Is My Mind

Von diesen Enden gibt es nur ganz wenige: Du sitzt da, starrst wie gebannt auf die Leinwand und dann ereignet sich an diesem wunderbaren Ort ein Augenblick, den du nie wieder vergessen wirst. Die letzten Sekunden aus David Finchers Meisterwerk Fight Club gehören definitiv dazu und obwohl ich mir gerade beim Schreiben des Textes nur diesen kurzen Ausschnitt – also völlig aus dem Kontext gerissen – angesehen habe, ist die Wirkung immer noch eine überwältigende. Ich erinnere mich an damals vor ein paar Jahre, als ich die Adaption von Chuck Palahniuks gleichnamigen Romans zum ersten Mal gesehen habe. Alleine, nachts und unwissend was geschehen würde. Die darauffolgenden 139 Minuten waren ein Erlebnis und selbst heute noch – nachdem die unwiderstehliche Magie des Gesamtwerks womöglich etwas nachgelassen hat – kommen mit dieser prägenden Sequenz, in der Where is my Mind von den Pixies ertönt, die gleichen Gefühle der Erstsichtung hoch. Und es ist großartig, diesen Moment erneut zu erleben. In meiner Glorreichen Sieben der Songs, die für mich Filme vollenden, schrieb ich vor ein paar Monaten auf moviepilot folgende Worte:

With your feet in the air and your head on the ground

Nachdem in Fight Club Zeitgeist, Gesellschaft und Individuum auseinandergenommen wurden, offenbart sich im finalen Akt der große Masterplan des Projekts Chaos. Edward Norton und Helena Bonham Carter stehen Hand in Hand im obersten Geschoss eines Wolkenkratzers und blicken hinaus auf die Welt, die wortwörtlich sowie metaphorisch wie ein Kartenhaus in sich zusammenfällt. In diesem Augenblick setzten die Pixies mit Where is my Mind ein und David Fincher entlässt sein Publikum in das Schwarz des Abspanns. Selten habe ich mir die letzte Szene eines Films öfter angesehen als diese.

Fight Club © Kinowelt
Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
Matthias

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  • Ja, ja und ja. Ging mir damals im Kino genauso. Ein großartiger Song, absolut passend zum Finale. Emotional stärker hat mich wohl nur JOURNEYs DON’T STOP BELIEVIN‘ im Finale der Serie „The Sopranos“ mitgenommen.

    • Sopranos ist auch so ein Berg, an den ich mich endlich mal wagen muss – wie bei so vielen Serien. Aber Fight Club das erste Mal auf der großen Leinwand zu erleben, ist bestimmt unbezahlbar.

      • Ja, zumal ich damals gar nichts über den Film wusste und fast aus Zufall reingegangen bin – war eben noch vor der Informationsüberflutung des Internets… 😉

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