Musik & Film #2: Gymnopédie No. 1 – Anne Queffélec

Musik & Film #2: Gymnopédie No. 1 – Anne Queffélec

Den zweiten Artikel im neuen Format Musik & Film möchte ich einem außergewöhnlichem Film widmen – genauer gesagt sogar einem Dokumentarfilm. Man on Wire von James Marsh hat mich lange – und ehrlich gesagt immer noch nicht – losgelassen. In 90 Minuten erzählt der Regisseur die Geschichte eines gewissen Philippe Petit, der in der Nacht zum 7. August 1974 zwischen den zwei Zwillingstürmen des World Trade Centers ein 60 Meter langes Drahtseil spannt, um anschließend darauf zu balancieren. Bei dieser Nacht-und-Nebel-Aktion handelt es sich jedoch keinesfalls um einen genehmigten Drahtseilakt, denn Philippe und seine Komplizen erobern die genannten Gebäude im Geheimen und somit auf illegale Art und Weise. Was anschließend folgt, lässt sich kaum in Worte fassen, so mitreißende gestaltet sich das Ereignis in über 400 Meter Höhe.

Selbst wenn Man on Wire diese zentrale Begebenheit nur durch Standbilder sowie fesselnde Kommentare von Beteiligten aufleben lässt, gestaltet James Marsh sein Werk dank gewählter musikalischer Untermalung als atemberaubendes Erlebnis. Egal ob die Kompositionen aus der Feder von Michal Nyman (u.a. der legendäre Fish Beach), Josh Ralph (u.a. das treibende Leaving Home) oder Edvard Grieg (In the Hall of the Mountain King) stammen: Erst die feine, behutsame Abstimmung des audiovisuellen Gesamteindrucks ist eine überwältigende Erfahrung. Den Höhepunkt dieses Zusammenspiels der einzelnen Faktoren erreicht Man on Wire mit dem Einsetzen von Erik Saties Gnossienne No. 1 – Gheorghe Constantinescu und Gymnopédie No. 1 – Anne Queffélec. In diesen Momenten bewegt sich Philippe nicht mehr akrobatisch und waghalsig auf einem Seil in lebensgefährlicher Höhe, sondern geht vollkommen in seinem Element auf. Er schwebt in einem Augenblick der Leichtigkeit, als existiere nichts um ihn herum. Ein Hauch von Unendlichkeit.

Man on Wire © Arsenal Filmverleih
Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
Matthias


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