Musik & Film #40: Creep

The Social Network (David Fincher, 2010)

Irgendwann im Sommer 2010 im Kino: Wie einer von unzählig austauschbaren Werbespots beginnt der Trailer von The Social Network die große Leinwand zu beschlagnahmen. Im authentischen Gewand offeriert das Gezeigte diverse Einblicke in Facebook-Actions aller Couleur – untermalt von Scala & Kolacny Brothers‚ Gänsehaut erregendem Creep-Cover. Der ursprüngliche Radiohead-Song gehört sowieso zu einer geringen Anzahl an musikalischen Werken, die wirklich nie vergessen werden sollten und dementsprechend weckte das Geschehen meine Aufmerksamkeit. Was folgte, waren zwei Minuten, die ich nie wieder vergessen haben und bis heute noch regelmäßig in unregelmäßigen Abständen anschaue. Ein Trailer wie kein zweiter und selbst wenn diese Kombination im finalen Film nicht mehr zu bestaunen war, avancierte David Finchers The Social Network am Ende dank Baby you’re a rich Man von The Beatles zum absoluten Meisterwerk. So unglaublich dynamisch!

Auch in Filth war genannter Song in einer starken Sequenz zu hören. Andernorts habe ich bereits zusammengefasst:

Ein homophobes Arschloch und ein Widerling, der Frauen hasst – kurzum: Bruce Robertson (James McAvoy) ist eine Drecksau sondergleichen. Sein rationales Denken offenbart sich in purer Eskalation und sein Leben definiert sich als purer Rausch der Extreme. Dementsprechend ist auch der Soundtrack von Jon S. Bairds Irvine Welsh-Adaption Filth ein äußerst durchtriebener. Ehrlich gesagt ist er sogar das einzige, was diesen wilden Film ansatzweise in einen Rahmen presst und dennoch entpuppt er sich in jeder Sekunde als unberechenbarer Wüterich, dem niemals vertraut werden kann. Während eben noch eines von Clint Mansells Arrangements das schreiende Geschehen adäquat sekundierte, brüllt im nächsten Moment Nena ihre 99 Luftballons-Hmyne durch die Gegend – ein Stückwerk wie kein zweites. Dennoch kann man weder Augen noch Ohren davon abwenden. Manchmal hässlich, gelegentlich unerträglich und ansonsten abstoßend bis erschreckend unterhaltsam: Zwischen all diesen Polen ereignen sich tatsächlich in unregelmäßigen Abständen großartige Augenblicke und einer dieser wird von Clint Mansells und Coco Sumners Creep-Interpretation untermalt, die ich in diesen vier Minuten (irrationalerweise?) mochte. Aber Radioheads Opus Magnum ist sowieso unzerstörbar.

Von Matthias Hopf

The Social Network / Filth © Sony Pictures / Ascot Elite
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Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
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