Musik & Film #5: I Dreamed A Dream

Musik & Film #5: I Dreamed A Dream

Im Grunde ist Tom Hoopers Adaption des Musicals Les Misérables aus der Feder von Claude-Michel Schönberg und Alain Boublil eine unvollkommene. Fulminante Bilder vermischen sich mit Imposanten Kompositionen, vorgetragen von einem engagierten Ensemble, und im Szenario des Juniaufstand 1932 entfaltet der The King’s Speech-Regisseur ein gewaltiges Singspiel, das einem Epos mit Ecken und Kannten gleicht. Dennoch finden sich im schmutzigen Paris des 19. Jahrhunderts großartige Momente, die bemerkenswert koordiniert sind – denn die Songs wurden nicht wie üblich erst in der Postproduktion eingesungen, sondern live am Set performt. Zu diesen einmaligen Augenblicken gehört ebenfalls Anne Hathaways bezaubernde sowie ergreifende Darbietung von Fantines Schicksals-Hymne I Dreamed A Dream.

Es ist ein emotionales Ereignis, wenn Fantine, die aufgrund ihres unehelichen Kinds von der Gesellschaft verachtet und ausgeschlossen wird, ihr Leben niedergeschmettert ausbreitet. Sie ist eine der Elenden, verzweifelt auf der Suche nach einem Hoffnungsschimmer am Horizont. Doch all das ist nur ein Traum und die bittere Wirklichkeit holt die Fabrikarbeiterin unbarmherzig ein: Now life has killed the dream I dreamed. Die Traurigkeit des Augenblicks ist zum Greifen nahe und gehört definitiv zu den Szenen, die noch nach dem Kinobesuch aufgrund ihrer einnehmenden Darstellung nachhallen. Ganz klein und zerbrechlich steht dieser Moment im direkten Gegensatz zur aufbrausenden, unkontrollierten Inszenierung, die dennoch – oder gerade wegen ihrer Unvollkommenheit – etwas absolut Faszinierendes an sich hat – ganz zu schweigen von einem singenden Russell Crowe, der sichtlich bemüht ist, mit Kollegen_innen wie Hugh Jackman, Amanda Seyfried, Eddie Redmayne, Helena Bonham Carter und Sacha Baron Cohen mitzuhalten. [Eingeständnis: Ich habe Crowes Auftritt geliebt]

Les Misérables © Universal Pictures International (UPI)
Matthias

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Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
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