Musik & Film #63: Adagio in D Minor

Musik & Film #63: Adagio in D Minor

Danny Boyles Sunshine ist ein Science-Fiction-Werk wie kein zweites. Bestrebt wirklich jeden Winkel seines Genres zu erforschen, beginnt eine Odyssee, die sich sowohl für existenzphilosophische Fragen als auch gruseligen Weltraum-Horror begeistern kann und dennoch nie von ihrem Kurs abweicht. Dieser führt – wenn auch mit fragwürdigen Umwegen – direkt zur Sonne, direkt zum unbändigen Feuerball, der gleichzeitig das (Über)Leben und den Tod definiert.

Auf ihrer Reise zur Rettung der Menschheit wird die Crew der Icarus II von niemand Geringerem als John Murphy begleitet, der das endzeitliche Geschehen auf der großen Leinwand mit einem überaus packenden Score untermalt. In dem Augenblick, wenn Sunshine einen seiner dramatischen Höhepunkte findet und Adagio in D Minor einsetzt, zerreißt es mich jedes Mal. Epischer kann ein Abenteuer im Weltraum kaum noch werden. Vom stetigen Puls der Musik angetrieben, steigert sich die Anspannung und Aufregung.

Wie ein unaufhaltsamer Strudel nimmt die Musik mit jedem weiteren Takt an Größe zu und setzt genau im Moment des erwarteten Maximums noch einen drauf. Und dann erklingt eine E-Gitaare ein und nimmt Hans Zimmer sowie Johnny Marr den besten Einfall ihres Inception-Getöses einfach vorweg. Adagio in D Minor versiegelt jeglichen Fluchtweg in die Realität und lässt die bewegten Bilder absolute Wirklichkeit werden – der audiovisuelle Wahnsinn im filmischen Vakuum mit einem Gefühl unfassbarer Unendlichkeit.

Sunshine © 20th Century Fox

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
Matthias


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