Musik & Film #69: Colorblind, Wonderwall & Born to Die

Musik & Film #69: Colorblind, Wonderwall & Born to Die

Schon seit einer ganzen Weile gehört Xavier Dolan zum Reigen meiner Lieblingsregisseure, obgleich ich erst seit wenigen Tagen behaupten kann, alle seiner (bisherigen) Werke gesehen zu haben. Fasziniert hatte mich aber damals schon I Killed My Mother, als ich ihn – zufällig sowie unwissend, was für einen Film ich da überhaupt schaue – eines Abends auf Arte entdeckt habe. Danach war ich in erster Linie von Laurence Anways fasziniert, der mich mit seiner epochalen Wucht regelrecht umgehauen hat. Mittlerweile weiß ich auch, warum ich Xavier Dolans Filme so sehr schätze. Ausschlaggebend dafür ist sein unfassbar spielender Umgang mit dem Medium inklusive der starken Geschichten, die er erzählt.

Irgendwann macht er mal einen perfekten Film. Da bin ich mir ziemlich sicher. Bis es jedoch so weit ist, schaue ich ihm einfach nur gerne dabei zu, wie er sich austobt und ausprobiert. Und dabei natürlich auch scheitert. Schon alleine seine Verwendung von Musik ist der Wahnsinn. Zuletzt war Mommy ein geradezu graziöses Beispiel dafür, wie selbstbewusst Xavier Dolan unvergessliche Kompositionen aus Bild- und Tonebene schaffen kann. Drei Szenen sind mir besonders im Gedächtnis geblieben. Daher bin ich einfach mal so dreist und packe in den Post entsprechend viele Songs.

Seit ich das erste Mal Cruel Intentions gesehen habe, ist Colorblind von den Counting Crows nicht mehr aus meinem Kopf verschwunden. Damals war es eine naive Liebesgeschichte mitsamt einer Rolltreppe, die sich mir ins Gedächtnis gebrannt hat. Jetzt gehört die Musik ebenso zu einem anderen Gefühl. Und der Freiheit eines Skateboards (okay, eines Longboards) mitsamt hässlichem Einkaufswagen im Sonnenschein.

Wonderwall von Oasis kann ich unmöglich aus sämtlichen Playlists der vergangenen Jahre streichen. Bis dato war mir jedoch noch keine Szene mit dem Song über den Weg gelaufen, die ich hier verewigen wollte. Jetzt habe ich sie endlich in Mommy gefunden. Und diese Szene ist famos, denn Xavier Dolan reißt in Begleitung von Liam Gallaghers Stimme wahrhaftig die Leinwand auf. So wow!

Dazwischen gibt es noch einen Song von Céline Dion, genauso wie ZEHNTAUSENDFÜNFHUNDERTMILLIONEN weitere musiklische Werke. Hängen geblieben ist die Verwendung von Ludovico Einaudis Experience in einer unfassbaren Montage, die erzählt, was niemals hätte sein können. Entgegen diesem erschreckend düsteren Unterton knallt Xavier Dolan am Ende jedoch einen Song in seine Geschichte, den ich nicht unbedingt erwartet hatte: Born to Die von Lana Del Rey. Beinahe erlösend setzt die Musik ein, die Kamera gleitet in unendlicher Zeitlupe einen Gang entlang und jemand rennt davon. Was bleibt, ist ein Augenblick purer Dynamik und Kraft.

Mommy © Weltkino

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
Matthias


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