Musik & Film #7: Lead Me Home

Musik & Film #7: Lead Me Home

In drei Staffeln The Walking Dead kann man so einiges erleben – damit eingeschlossen das extrem schwankende Qualitätsniveau. Selbst wenn ich seit dem Midseasonfinale der aktuellen Runde wieder einigermaßen zufrieden mit den Episoden bin, erreichte gerade der jüngste Eintrag in die Historie der Zombie-Apokalypse etwas absolut Einmaliges. Clear (Gesichter der Toten) war ein völlig vom Haupthandlungsstrang der Serie losgelöstes Kapitel und offenbarte dadurch ungeahnte sowie außergewöhnliche Möglichkeiten. Rick (Andrew Lincoln), Carl (Chandler Riggs) und Michonne (Danai Gurira) gelangen auf der Suche nach Waffen und Verpflegung zum Ort, an dem die erste Staffel mit dem starken Piloten Days Gone Bye anfing. Auf dem Weg dorthin passieren sie einen Fremden, der verzweifelt um Hilfe flehend den Wegrand belagert – doch nicht einmal eine der drei Personen im Wagen reagiert auf die kraftlosen Rufe. Was ist aus uns geworden? Wo bleibt unsere Menschlichkeit? Oder ist die Erkenntnis des Überlebens tatsächlich ein egozentrisches Kalkül?

Als sich die kleine Gruppe später wieder auf den Heimweg macht, hat sich vieles verändert. Die Begegnung mit einem altbekannten – womöglich sogar totgeglaubten – Freund hat vor allem in Rick einen inneren Wandel verursacht. Plötzlich taucht der Rucksack des Fremden am Straßenrand – von ihm selbst keine Spur. Eine unbehagliche Atmosphäre mit einem Hauch ungewisser Orientierungslosigkeit prägt den Augenblick. Genau an dieser Sequenz setzt – wie bereits in der vorherigen Folge Hold On von Tom WaitsLead Me Home von Jamie N Commons ein und sorgt für die perfekte deprimierende Stimmung des Weltuntergangs. Selten hat mich eine Walking Dead-Episode so nachdenklich und gefesselt zurückgelassen. Das hatte ich der Serie gar nicht mehr zugetraut.

The Walking Dead © AMC

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
Matthias


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