Musik & Film #86: Hood – Looking: The Movie

Musik & Film #86: Hood - Looking: The Movie

Vermutlich wird sich nie jemand an Looking erinnern, wenn von den großen HBO-Serien (der zweiten Dekade des 21. Jahrhunderts) die Rede ist. Und das ist wirklich extrem schade. Zusammen mit 45 Years-Regisseur Andrew Haigh hat Michael Lannan eine ganz besonderes Dramedy-Format geschaffen, das gleichermaßen gelassen wie berührend aus dem Leben von drei schwulen Freunde in San Francisco erzählt. Nach zwei Staffeln wurde die Serie jedoch im vergangenen Jahr leider eingestellt. Ein kleiner Trost zum Schluss blieb dennoch: Looking: The Movie.

Am Samstag wurde der abschließende Spielfilm auf HBO ausgestrahlt und erzählte das letzte Kapitel der Geschichte rund um Patrick (Jonathan Groff), Agustín (Frankie J. Alvarez) und Dom (Murray Bartlett). Ein überlanges Serienfinale, könnte man sagen – und tatsächlich hat sich Abschied schon lange nicht mehr so sehnsuchtsvoll wie vollkommen angefühlt. Eine Rückkehr inklusive Wiedersehen im doppelten Sinne: Nicht nur Looking kehrte für 90 Minuten auf HBO zurück, sondern auch Patrick verschlägt es nach einem Jahr in Denver wieder in die leuchtenden Straßen von San Francisco, die er am Ende der zweiten Staffel niedergeschmettert, aber auch mit einem vorsichtigen Hauch Optimismus verlassen hatte.

Als Anlass für die Rückkehr fungiert nun eine gewisse Festivität des Glücks, tatsächlich jedoch wartet dieses Glück nicht mit offenen Armen an der Pforte der Metropole. Nein, es versteckt sich tief in ihrem Inneren, tief in ihrem Herzen. Patrick muss sich erst langsam wieder vortasten, in diese Welt, der er eigentlich den Rücken kehren wollte. Dementsprechend zerbrechlich wirkt jeder Augenblick dieser letzten Atemzügen in vertrauter Umgebung. Und dann passiert er, dieser ultimativ emotionale Höhepunkt. Noch bevor die Kamera zum Schluss aus einem Café in die menschenleeren Straßen der Nacht zoomt, ertönt Hood von Perfume Genius und Patricks Blick schweift in einem Moment absoluter Frustration durch Raum.

Was er sieht? Das sind Menschen – Menschen, die ihm etwas bedeuten, die ihn auf seinem Lebensweg begleitet haben, ob er wollte oder nicht. Ein unglaublich beruhigender wie versöhnlicher Gedanke bahnt sich plötzlich seinen Weg in den Mittelpunkt. Und er kommt nicht von ungefähr, sondern erschließt sich 18 überaus sorgfältig geschrieben, inszenierten wie gespielten Episoden. Dann haben es Michael Lannan und Andrew Haigh geschafft, den letzten, schmerzlichen Akt über die Bühne gebracht und tatsächlich einen Abschluss für diese tolle Geschichte gefunden, die eigentlich jede Fortsetzung dieser Welt verdient hätte. Aber vielleicht verbirgt ab jetzt in diesem stillen Schluss und einer anschwellenden Klavierbegleitung das größtes Geheimnis von Looking.

Looking © HBO

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
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