Okay then: 25 Lieblingsserien 2015

Okay then: 25 Lieblingsserien 2015

Nicht nur im Kino durfte ich dieses Jahr staunen und mich verlieben. Nein, auch auf dem heimischen Bildschirm habe ich 2015 Unbeschreibliches gesehen. Nachdem ich vor ein paar Tagen meine 25 Lieblingsfilme gesammelt habe, dachte ich mir, dass es nur fair ist, an dieser Stelle auch meine 25 Lieblingsserien zusammenzutragen. Natürlich gibt es noch so viele mehr, die ich gerne erwähnt hätte oder aus Zeitgründen noch gar nicht gesehen habe. So fehlt mir bis dato die vielversprechende zweite Staffel von Halt and Catch Fire und insgesamt ist die aktuelle Auflistung äußerst Netflix und allgemein US-Serien lastig geworden. Mit The Casual Vacancy wäre immerhin eine britische Produktion auf Platz 27 gewesen oder so. Aber das ist eine andere Geschicht.

25. UnREAL - Season 1 (Lifetime)

25. UnREAL – Season 1 (Lifetime)

„We’re not PBS, okay?“

Richtig: Nicht PBS, sondern Lifetime – und ich hätte es vor zwölf Monaten nicht für möglich gehalten, dass ich nun hier sitze und darüber schreibe, wie sehr mir eine Lifetime-Format gefallen hat. UnREAL ist somit die Serien-Überraschung 2015 schlechthin. Zuerst habe ich mich gar nicht getraut, einen Blick in diese Meta-Reality-TV-Welt zu wagen, doch UnREAL begegnet seinem thematischen Fundament unheimlich clever und wird nicht müde, den Spieß umzudrehen. Das amüsante dabei ist, dass die Serie sowohl als Satire als auch Drama funktioniert, sprich: Man kann sich in beiden Teilen verlieren. Zum einen wäre da die Dekonstruktion der inszenierten Echtheit. Und zum anderen das wahrhaftige Drama, das vorgibt, über den Dingen zu stehen, obgleich es am Ende trotzdem mit ihnen untergeht.

24. iZombie - Season 1 (The CW)

24. iZombie – Season 1 (The CW)

Letztes Jahr habe ich mich in Veronica Mars verliebt. Das Gleiche hat dieses Jahr leider nicht ganz so bedingungslos mit iZombie funktioniert. Trotzdem ist Rob Thomas’ neues Projekt bei The CW ein großer Spaß geworden. Liv ist eine tolle Figur, Rose McIver eine tolle Schauspielerin und der Rahmen drumherum passt ebenfalls. Das Beste ist außerdem, dass die zweite Staffel seit Oktober läuft und ein Ende ist nicht in Sicht: 19 Episoden in der Verlängerung. Kann man mal machen.

23. Unbreakable Kimmy Schmidt - Season 1 (Netflix)

23. Unbreakable Kimmy Schmidt – Season 1 (Netflix)

„I am now joined by a neighbor who watched all the drama unfold, Walter Bankston. Mr. Bankston?“

Das ist eigentlich alles, was ich sagen wollte.

22. W/ Bob and David - Season 1 (Netflix)

22. W/ Bob and David – Season 1 (Netflix)

Natürlich zündet nicht jeder Gag. Und natürlich schleicht sich auch ein langweiliger, gar unlustiger Sketch in den Reigen von W/ Bob and David. Trotzdem gibt es keinen Grund, sich die vier Episoden der ersten Staffel nicht anzuschauen – vor allem, weil hier zwei sagenhafte Künstler am Werk sind, namentlich Bob Odenkirk und David Kross. Dementsprechend war mein persönliches Highlight auch die fünfte Episode, bei der es sich um einen umfangreichen Blick hinter die Kulissen handelt. Hier sitzen Bob Odenkirk und David Kross meistens in Planungsräumen und gehen mit ihrer Crew die einzelnen Sketche durch, feilen an den Pointen und – so weh es tut – verwerfen einen Witz, der sich nicht einordnen lässt.

21. The Spoils Before Dying - Season 1 (IFC)

21. The Spoils Before Dying – Season 1 (IFC)

Nach The Spoils of Babylon hat es mit The Spoils Before Dying ein weiterer Roman aus der Feder von Eric Jonrosh auf die große Leinwand – oder zumindest ins Fernsehen – geschafft. Stolz plappert der hungrige Autor vor und nach den Episoden über sein Meisterwerk und versucht jeden Cent aus der Kreation herauszuholen. Das alleine ist dank Will Ferrells unverschämt göttlicher Performance jeden Lacher wert. Dabei fängt danach erst die eigentliche Geschichte an, angesiedelt im Los Angeles der 1950er Jahre. Wenn dann unter anderem Menschen wie Michael K. Williams, Kristen Wiig, Michael Sheen, Maya Rudolph, Chin Han und Emily Ratajkowski die Bildfläche erobern, sage ich nicht nein.

20. Togetherness - Season 1 (HBO)

20. Togetherness – Season 1 (HBO)

Abseits bitterer Enttäuschungen wie True Detective, Ballers und The Brink überzeugte HBO zu Beginn dieses Jahres mit einem richtig gutem Line-up. Den Anfang machte Togetherness, jene unscheinbare Dramedy-Serie, die von Steve Zieses sowie den Duplass-Brüdern entwickelt wurde und die Perspektive von den Mittzwanzigern auf die Mittdreißiger lenkt. Der Pilot hat gesessen wie ein Schlag in die Magengrube – allerdings nicht im negativen Sinn. Auch danach war es ein Auf und Ab der Gefühle und ich freue mich auf die nächsten acht Episoden dieses unaufgeregten Familienexperiments.

19. Wet Hot American Summer: First Day of Camp - Season 1 (Netflix)

19. Wet Hot American Summer: First Day of Camp – Season 1 (Netflix)

Ich muss jetzt noch grinsen, wenn ich an Wet Hot American Summer: First Day of Camp denke. Vielleicht wegen Elizabeth Banks, vielleicht wegen Bradley Cooper, vielleicht auch wegen Amy Poehler, ganz sicher aber wegen Jon Hamm und den zehntausendfünfhundertmillionen irrsinnig witzigen Einfällen, die sich in den acht Episoden der ersten Staffel verstecken. Schon alleine, wenn ich die Cast-Liste durchgehe, muss ich kichern. Chapeau dafür, diese duschgeknallte Unternehmung auf die Beine zu stellen.

18. Sense8 - Season 1 (Netflix)

18. Sense8 – Season 1 (Netflix)

Worüber ich froh bin? Dass es Menschen wie die Wachowski-Brüder gibt. Mit dem missverstandenen Jupiter Ascending haben sie Anfang des Jahres das Blockbuster-Kino auf den Kopf gestellt, ein paar Monate später dann auch in Serie. Sense8 heißt das ambitionierte Mischung aus Drama und Science-Fiction aus ihrem Kopf, das sie gemeinsam mit langjährigen Wegbegleitern wie Tom Tykwer und James McTeigue unter dem Dach von Netflix umgesetzt haben. Darüber hinaus hatte Babylon 5-Creator J. Michael Straczynski in seiner Eigenschaft als Co-Creator seine Finger im Spiel und sorgt dafür, dass sich die verrückten Ideen der Wahowskis mit dem narrativen Rahmen eines seriellen Formats vereinen. Bitte mehr davon. Jetzt.

17. Transparent - Season 2 (Amazon)

17. Transparent – Season 2 (Amazon)

Der jüngste Eintrag in dieser Liste, da vor wenigen Stunden erst vollendet. Womöglich hätte ich die zweite Staffel von Transparent aufs nächste Jahr verschoben. Doch dann habe ich mir einen Ruck gegeben, die zehn unfassbar zerbrechlichen Episoden geschaut und keine einzige Sekunde bereut. Bereits die Opening Credits mitsamt dem berührenden Klavierspiel sorgen für enorme Emotionen. Und dann geht die Geschichte der Pfefferman-Familie weiter, komplett ungeschminkt und offen. Ein paar Tränen habe ich verdrückt, insbesondere in den letzten Minuten einer jeden Episode.

16. Silicon Valley - Season 2 (HBO)

16. Silicon Valley – Season 2 (HBO)

Die zweite HBO-Serie in dieser Liste und ein weiterer Volltreffer: Silicon Valley geht temperamentvoll in die zweite Runde und bestätigt, dass Richards Abenteuer im IT-Eldorado längst noch nicht den Höhepunkt erreicht hat. Ich musste nicht lauthals lachen, dafür umso mehr schmunzeln. Letzten Endes schätze ich an Silicon Valley auch die Tatsache sehr, dass die Serie ihre Figuren in unangenehmen Situationen – und es gibt einige davon – nicht nur bloßstellt, sondern ihrer Odyssee durch die Computerbranche einen emotionalen Kern zugesteht. Ob Pied Piper nächstes Jahr dann an die Börse geht? Ich hoffe auf Chaos.

15. Better Call Saul - Season 1 (Netflix)

15. Better Call Saul – Season 1 (Netflix)

Heimlich, still und leise verabschiedet er sich, dieser Jimmy McGill. Nur ein Kreis musste sich schließen – trotz seiner Unendlichkeit auf tragisch vergängliche Weise. Aber genau das war das Spannende über die letzten zehn Episoden: Der Ausbruch aus diesem unerträglichen Kreis(lauf), in dem Better Call Saul aufgrund seiner Spin-off-Eigenschaft ab der ersten Minute gefangen schien. Klar, zwischendurch war es langweilig und ganz viel BLABLABLA. Aber dann gibt es da Dave Porter, dessen Main Theme stets im erfüllenden Moment abbricht und die wahnsinnige Rastlosigkeit der sonst so betäubenden Langsamkeit mit der Bewegung eines unscheinbaren Wimpernschlags entfesselt. Oder Arthur Albert, in dessen Bildern Tristesse und Poesie nicht wundervoller verschwimmen könnte. Und im Zweifelsfall fällt immer noch Bob Odenkrik durchs Geschehen, umringt von einem hervorragenden Ensemble. Vermeintlich unspektakulär; gerade auf der Zielgeraden hat mich das alles irgendwie mehr gepackt, als ich es erwartet hatte und mir im Nachhinein vielleicht sogar eingestehen will. Ein Gefühl, als hätte ich die Kaffetesse jedes Mal fallen, aber niemals aufkommen sehen. Was am Ende bleibt, ist ein junger Ferris Bueller, der einfach einen ganzen Tag blau gemacht und bis zur allerletzten Sekunde genutzt hat.

14. Master of None - Season 1 (Netflix)

14. Master of None – Season 1 (Netflix)

Fast unscheinbar meldete sich im November Aziz Ansari auf Netflix zu Wort. Da ich gerade mitten in Parcs & Rec stecke, war Master of None also Pflicht, obwohl ich keine Ahnung hatte, um was es eigentlich ging. Dann kam der erste Trailer und ich konnte die Tage bis zur Veröffentlichung nicht mehr abwarten. Irgendwo zwischen Louie und Girls: Master of None besitzt diese wunderbare Eigenschaft im Bruchteil einer Sekunde die Stimmung zu wechseln und die eben noch unbeschwerte Atmosphäre mit überwältigender Gravitas zu füllen. Bemerkenswert ist außerdem das Spektrum: Aziz Ansari bleibt nicht in einem redundanten Muster hängen, sondern verwandelt jede einzelne Episode in kleines Meisterwerk mit eigenem Thema und Drive.

13. BoJack Horseman - Season 2 (Netflix)

13. BoJack Horseman – Season 2 (Netflix)

Will Arnett ist zurück – und zwar als sprechendes Pferd auf Netflix! Ich habe oft das Gefühl, dass viele Menschen BoJack Horseman nicht ernst nehmen, eben weil ein sprechendes Pferd durch eine Cartoon-Welt hüpft. Aber genau hier packt die Serie ihre wahre Größe aus: In dieser absurden Welt, in der Menschen und Tiere auf gleicher Augenhöhe ein mehr oder weniger unzivilisiertes Leben führen, entsteht ein bitterböser Spiegel unserer Welt. Was ich schon zu Master of None schrieb, trifft auch auf die zweite Staffel von BoJack Horseman zu: Eben kugelte ich mich noch vor lachen, eine Sekunde später bleibt mir selbiges jedoch im Hals stecken – vor Schreck, vor Staunen.

12. Looking - Season 2 (HBO)

12. Looking – Season 2 (HBO)

Andrew Haigh ist einer meiner heimliche Helden des Jahres 2015. Auf der Berlinale überwältigte mich die Tristesse von 45 Years. Auf dem heimischen Bildschirm durfte ich dann die zweite und leider auch letzte Staffel von Looking bewundern. Immerhin setzt nächstes Jahr ein abschließender Fernsehfilm der Geschichte rund um Patrick, Dom und Agustín ein (hoffentlich) würdiges Ende; ein kleiner Trost für das vorzeitige Ableben von Looking. Aber wie dem auch sei: Die letzten zehn Episoden waren erneut ein entspannter, feiner und kleiner Zufluchtsort für mich – am liebsten in Kombination von Togetherness und Girls. Der perfekte Montagabend sozusagen.

11. The Leftovers - Season 2 (HBO)

11. The Leftovers – Season 2 (HBO)

Da The Leftovers alles andere als ein Quoten-Garant ist, rechne ich es HBO hoch an, dass sie Damon Lindelof nächstes Jahr noch eine abschließende Staffeln machen lassen, denn das Drama-Format ist zum Bersten gefüllt mit Dingen, die es so in der aktuellen Serien-Landschaft nicht gibt. Was ich schon seit der ersten Runde liebe: Max Richters unendlichen Soundtrack. Und jetzt gehört auch Where Is My Mind (wahlweise gespielt von Maxence Cyrin oder den Pixies) zur Palette an Klängen, die für immer mit diesem Weltuntergang verbunden sind.

10. Marvel’s Jessica Jones - Season 1 (Netflix)

10. Marvel’s Jessica Jones – Season 1 (Netflix)

Marvel’s Jessica Jones hat es nicht nur geschafft, dass ich meine zu Unrecht im Regal versunkenen Sleigh Bells-Platten wieder entstaubt habe, sondern auch 13 Episoden lang mit der titelgebenden (Ex-)Superheldin mitgefiebert habe. Kristen Rytter ist fantastisch und wenn ich an David Tennant denke, läuft mir jetzt noch eine Gänsehaut den Rücken hinunter. Marvel und Netflix – bäm! Jetzt müssen sie nur noch lernen, dass eine Staffel durchaus drei Episoden weniger besitzen darf, dann bin ich zufrieden. Aber diese Netflix-Krankheit ist eigentlich seit Marco Polo kein Geheimnis mehr.

9. Show Me a Hero - Season 1 (HBO)

9. Show Me a Hero – Season 1 (HBO)

Wenn David Simon Menschen wie Oscar Isaac, Catherine Keener, Alfred Molina und viele andere um sich versammelt, um bei HBO sechs Episoden einer überaus eloquenten Drama-Serie zu realisieren, dann sind die Erwartungen riesig. Show Me a Hero denkt aber nicht einmal im Geringsten daran, diese zu enttäuschen, denn selbst wenn die Miniserie nicht mit dem Umfang von The Wire oder Treme mithalten kann, ist auf den Punkt geschrieben und muss sich keinesfalls hinter ihren großen HBO-Schwestern verstecken.

8. Louie - Season 5 (FX)

8. Louie – Season 5 (FX)

Obwohl mir die vorherige Staffel ein bisschen besser gefallen hat, löst Louis C.K. nach wie vor sein Versprechen ein und liefert mit Louie eine der großartigsten Dramedy-Serien der Gegenwart ab. Der Tonfall ist genauso niederschmetternd wie erbaulich, die kurzen Anekdoten genauso abschreckend wie liebenswürdig. Ob Louie jemals seinen Frieden findet? Ich weiß es nicht, aber ich würde es ihm wünschen. Oder er hat ihn schon längst gefunden?

7. Girls - Season 4 (HBO)

7. Girls – Season 4 (HBO)

Hannah und ihre Schwestern: Auch im vierten Jahr geht Lena Dunahm nicht die Puste aus. Ganz im Gegenteil: Aus den anfänglichen Mittzwanzigern werden langsam aber sicher erwachsene Menschen. Es reicht nicht mehr, mitten in der Nacht durch New Yorker Straßen und U-Bahnen zu rennen, um die Welt zu retten. Nein, langsam wird das Leben ernst und scheiße, aber irgendwie auch schön und durchaus hoffnungsvoll. Ja, das Leben geht sogar seinen eigenen Weg – Trennungen und Neuanfänge inklusive. Girls erzählt von all diesen Dingen und das auf ehrliche wie einfühlsame Weise. Ich will keine einzige Sekunde vermissen.

6. You’re the Worst - Season 2 (FX)

6. You’re the Worst – Season 2 (FX)

Ich habe keine Ahnung, was in der zweiten Staffel von You’re the Worst passiert ist, aber es war unglaublich. Letztes Jahr noch als sympathisch, freche und berührende Dramedy-Serie ins Herz geschlossen haben die kreativen Köpfe hinter denn Kulissen im Rahmen der jüngsten Episoden gleich drei Gänge hochgeschaltet. Auf einmal geht es nicht mehr nur um das übliche Hin und Her einer RomCom, sondern tatsächliche Probleme, die sowohl von den Figuren als auch der Serie ernst genommen werden. Spätestens nachdem Gretchen in There Is Not Currently offenbart, dass sie an Depressionen leidet, schwimmt You’re the Worst nicht mehr irgendwo im Hintergrund des gigantischen Serien-Ozeans, sondern entwickelt eine durchdringende Stimme, die wirklich niemand ignorieren sollte.

5. Orange Is the New Black - Season 3 (Netflix)

5. Orange Is the New Black – Season 3 (Netflix)

Wohl kaum einem anderen Serienstart habe ich dieses Jahr so sehr entgegengefiebert, wie dem der dritten Staffel von Orange Is the New Black. Ich bin zwar ein Späteinsteiger, was das Leben in Litchfield angeht, trotzdem haben mich die ersten zwei Staffeln wahnsinnig mitgenommen. Ich liebe einfach alles an dieser Serie. Ihren Tonfall, ihre Figuren und die vielen kleinen Geschichten um sie herum. Besonders irritiert und fasziniert hat mich dieses Mal der Mut der Autoren, liebgewonnenen Figuren unschöne Facetten hinzuzufügen – und da gleiche Spiel auch umgekehrt. Aber gerade diese Vielfalt (in jeder Hinsicht) ist die Stärke dieser Serie und ihrem extraordinären Ensemble.

4. The Knick - Season 2 (Cinemax)

4. The Knick – Season 2 (Cinemax)

Jede Einstellung in The Knick ist ein Traum. Verantwortlich ist dafür in erster Linie Steven Soderbergh, der erneut bei allen zehn Episoden der zweiten Staffel auf dem Regiestuhl Platz genommen hat. Ein Regisseur, der keine Lust hat mehr hat, nach den Regeln Hollywoods zu spielen und bei Cinemax absolute Freiheiten genießt: Wenngleich The Knick gelegentlich an Stringenz verliert, so durchdringt die gesamte Serie ständig Lust und Neugier, mittels Bewegtbild und Musik eine Geschichte zu erzählen. Schwebende Aufnahmen und fliegende Schnitte – auch das Ensemble habe ich mittlerweile richtig gern gewonnen, obwohl ich anfangs außer Clive Owen keinen der Schauspieler_innen kannte.

3. Rectify - Season 3 (SundanceTV)

3. Rectify – Season 3 (SundanceTV)

Eigentlich ist das schon wieder unbeschreiblich, was da in den letzten sechs Episoden passiert ist – und das, obwohl sich Rectify wirklich jede Mühe gibt, um im Schein der Langsamkeit unterzugehen. Doch unter dieser unheimlich betäubten Oberfläche befindet sich nunmal ein Abgrund, so gewaltig, dass die Welt nicht anders kann, als für einen Moment einfach komplett stillzustehen. Aber in diesem raren Augenblick genügt einer der durchdringenden Blicke, die gleichermaßen begeisterte Verwunderung wie fassungsloses Unverständnis zum Ausdruck bringen, um alles zu verändern. Und dann passiert es zum ersten Mal nach drei Staffeln: Daniel Holden lässt etwas hinter sich zurück. Ein schwerer Aufbruch Richtung Zukunft und der Abschluss eines verheerenden Kapitels. Was auch immer Ray McKinnon als nächstes zu erzählen hat – ich kann es kaum erwarten.

„See you in the funny papers!“

2. Fargo - Season 2 (FX)

2. Fargo – Season 2 (FX)

War die erste Staffel von Fargo ein kleiner Geniestreich, der völlig unerwartet bewies, was die Serien-Adaption eines Films wirklich kann, erhöht sie zweite Runde den Einsatz und demonstriert auf überaus spektakuläre Art und Weise das Konzept der Anthologie-Serie in Perfektion. Ständig in Bewegung, zu gleichen Teilen verspielt wie tragisch, ist Fargo vor allem eines, nämlich vollkommen unberechenbar – und damit meine ich nicht obligatorische Bausteine wie Cliffhanger und Plottwists. Nein, Fargo überrascht mit seinen Figuren, die so wahrhaftig sind, obwohl sie immer noch die DNA einer klassischen Coen-Karikatur in sich tragen. Ob Aliens nun Teil dieser Geschichte sind oder nicht: Entscheidend ist, was Lou Solverson als nächstes macht, was in Peggy Blumquists Kopf vorgeht und welchen Masterplan sich Floyd Gerhardt für ihr Familiengeschäft ausgedacht hat.

Mad Men - Season 7 (AMC)

1. Mad Men – Season 7 (AMC)

Was habe ich gezittert bei den finalen Minuten dieses Epos! So einfach, so schlicht, so schön. So brillant durchdacht – vermutlich habe ich Mad Men in seiner Gesamtheit noch nicht einmal ansatzweise begriffen. Momentan lese ich Mad Men Carousel: The Complete Critical Companion von Matt Zoller Seitz und staune nach jeder Seite, wie reich die Serie tatsächlich ist. Am liebsten würde ich direkt von vorne anfangen, um noch einmal alles zu erleben, um noch einmal alles zu entdecken. Matthew Weiner hat mit Mad Men ein Werk für die Ewigkeit geschaffen. Und ich musste noch nie so viel bei einem Werbespot von Coca-Cola weinen. Abseits davon gesellt sich Mad Men neben Fargo und The Knick zu einer der wohl am aufregendsten inszenierten Serien ever. Ich habe selten so viele Screenshots gemacht.

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Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
Matthias


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