Pacific Rim – Kritik

Pacific Rim (Guillermo del Toro, 2013)

Egal ob bei Michael Bay riesige Metallkolosse kollidieren oder Zack Snyder aktuell den Mann aus Stahl im finalen Scharmützel des Superman-Reboots halb Metropolis in Schutt und Asche legen lässt: Der Blockbuster im 21. Jahrhundert ist unlängst auf einem Level des unerbittlichen Krawalls, der unendlichen Materialschlachten sowie der redundanten Zerstörungsorgien angekommen. Im gewaltigen Rausch müssen überlebensgroße Figuren aufeinander eindreschen – was bei diesem Akt der verheerenden Vernichtung jedoch vollkommen in den Hintergrund gerät, ist eine menschliche Seite des Geschehens. Eine emotionale Bindung oder zumindest eine ausgleichende Instanz zwischen furiosem Spektakel und geerdeter Erzählung. Gerade die jüngste Hasbro-Adaption demonstrierte beispiellos wie überflüssig Protagonisten beziehungsweise Handlungsträger in Anbetracht des ausufernden Schlachtfests zwischen Autobots und Decepticons sein können. Wenn man die Prämisse eines Films grob auf die Worte Mechas vs. Monsters herunterbrechen kann, läuft das entsprechende Projekt folglich schnell Gefahr, ebenfalls in einer austauschbaren Vorführung der Special-Effects zu enden. Wenn jedoch der kreative Schaffensgeist sowie das Herzblut von Guillermo del Toro ein episches Vorhaben wie Pacific Rim in die Wege leitet, lässt sich das Ergebnis glücklicherweise mit Worten wie mega-awesome-tastic umschreiben.

Egal ob er in erhabenen Gemälden den japanischen Godzilla-Filmen ein ehrfürchtiges wie erhabenes Denkmal setzt, im Dunst der Neon-Lichter die dichte Atmosphäre eines Balde Runners heraufbeschwört oder sich in eigensinnigen Kreationen, wie unter anderem eine technologisch fortschrittliche Appartur inklusive Blasebalg (!), in nerdigen Referenzen wälzt: Guillermo del Toro erschafft durchwegs einen verspielten sowie detailverliebten Mikrokosmos im eigensinnigen Neon Genesis Evangelion-Gewand. In seinen Grundzügen beherbergt Pacific Rim natürlich die Struktur eines klassischen B-Movies, das sich geradezu danach sehnt, seinen Kerngedanken (Mechas vs. Monsters) maßlos auszuleben. Doch genau in diesem apokalyptischen Rahmen verschmilzt so viel Herzblut mit der grenzenlosen Fantasie eines Kindes, dass es schwer respektive unmöglich ist, Pacific Rim das Prädikat eines seelenlosen Blockbusters zu verleihen. Selbstwusst baut Guillermo del Toro auf seiner überschaubaren Ausgangssituation auf und versucht auch später sein Werk nicht mit hanebüchen Ausreden zu legitimieren. Besonders dieser einfache Ansatz erdet den filmgewordenen Geek-Traum auf ehrliche sowie irrationale Weise.

Obwohl sich Pacific Rim hauptsächliche im nächtlichen Hong Kong abspielt, sucht man einen düsteren Anstrich vergebens. Das gilt sowohl für den Grundtenor des Films als auch die Gestaltung der gezeigten Ereignisse. Hier entsteht ein Farbenmeer sondergleichen und der unerbittliche Regen sowie die Wogen des Meeres verwandeln Guillermo del Toros Kindheitstraum in ein wunderschönes Gemälde, so dass es dem Zuschauer dank ausufernder Gigantomie mehrmals den Atem verschlägt. In einer ausführlicheren Sequenz im Mittelteil von Hellboy II: The Golden Army betritt der titelgebende Teufelskerl einen geheimen Markt, der sich versteckt unter der Brookly Bridge in New York befindet. In diesem Moment stellt Guillermo del Toro nicht nur ein weiteres Szenario vor, das mittels Abwechslung lediglich zum Erhalt der Kurzweiligkeit beitragen soll, sondern eröffnet in einem fantastischem Film das Tor zu einer noch fantastischeren Welt. Dort tummeln sich Kreaturen aller Couleur und reges Treiben prägt die Kulisse. Ein außergewöhnlicher Ort und ein magischer Augenblick – als hätte Luke Skywalker zum ersten Mal die Türschwelle der Mos Eisley Cantina im Krieg der Sterne überschritten und damit für immer alles verändert. Wenn Guillermo del Toro im Prolog von Pacific Rim mit gigantische Kaijus vom Grund des Ozeans die Apokalypse der Menschheit einläutet, versucht der spanische Regie-Visionär erneut ein solches Tor aufzureißen. Und es ist gewaltiger denn je – selbst wenn der Sprung zum absoluten Weltraummärchen trotzdem ein unerreichbarer belibt.

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Von Matthias Hopf

Bild- und Videoquelle: Pacific Rim © Warner Bros.
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Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
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