Paul W.S. Anderson & die Symmetrie des Kaninchenbaus

Paul W.S. Anderson & die Symmetrie des Kaninchenbaus

Anlässlich des 50. Geburtstags von Paul W.S. Anderson habe ich auf moviepilot eine kleine Liebeserklärung kreativen Kopf hinter postmodernen Meisterwerken wie Resident Evil: Retribution, Resident Evil: Afterlife und Alien vs. Predator.

[…] Was folgt, ist pure Kinematik, als hätte jemand die unvergessliche Bullet-Time-Sequenz aus Matrix über die Jahre in ihren ikonischen sowie dynamischen Bestandteilen ausgebaut, weiterentwickelt und irgendwann in Perfektion vollendet. Das extraordinäre Opening von Resident Evil: Retribution steht exemplarisch wie keine zweites dafür. Wo die Puppenspieler im Film an ihre Grenzen stoßen, setzt Paul W.S. Anderson alle Regeln und Gesetze außer Kraft. Raum und Zeit verschmelzen in einer wahnsinnigen Aufnahme, die sowohl vorwärts als auch rückwärts abgespielt wird. Unnötig zu erwähnen, dass verstorbene Figuren kurze Zeit später aus dem Franchise-Jenseits zurückkehren und im Zombie-Schlachtfest mitmischen, als wäre ihnen nie etwas passiert.

Paul W.S. Anderson steht über allem, scheint nie die Kontrolle zu verlieren. Und trotzdem blitzt er zwischen all den klaren Linien, Formen und Strukturen immer wieder heraus, der Moment des Unerwarteten, der Moment des Kontrollverlusts. Ein kryptischer Aspekt, ein assoziativer Gedanke, ein ungedeckter Augenblick: Plötzlich sorgt ein Störenfried in den fein säuberlich angeordneten Szenarien für Unordnung. Sei es das fiese Trugbild familiärer Idylle, das vom unerbittlichen Zombie-Terror ge- bzw. zerstört wird. Sei es ein steampunkiges Luftschiff, das Alexandre Dumas einen Strich durch die Rechnung macht. Oder sei es schlicht die Ankunft eines Kolosses, der – ungeachtet seiner Resident Evil 5-Abstammung – den Eindruck erweckt, aus einer anderen Dimension zu stammen, und die Atmosphäre binnen weniger Sekunden auf ein komplett neues Level katapultiert. Hier gleitet Paul W.S. Anderson bewusst der Pinsel aus der Hand, die Farben verschmieren und aus dem Kontrollverlust entsteht etwas Wundervolles.

Ein Fan und Bewunderer

Resident Evil: Retribution © Constantin Film

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
Matthias


YOU MAY LIKE