Rudolf Thome – Überall Blumen – Kritik

Rudolf Thome - Überall Blumen - Kritik

Auf der Berlinale 2016 hat mich vor allem ein Film, der im Rahmen des Festivals leider nicht so viel Aufmerksamkeit bekam, wie er verdient hat. Die Rede ist von Rudolf Thome – Überall Blumen, jenem intimen wie wundervollen Portrait von Serpil Turhan. Ein 90-minütiges Denkmal, das nicht nur in Erinnerungen schwelgt, sondern diese mit dem Hier und Jetzt verbindet. Als wären die einzelnen Einträge der Moana-Tagebücher auf der großen Leinwand zum Leben erwacht. Ein paar ausführlichere Worte hatte ich vor ein paar Tagen auf moviepilot geschrieben: Rudolf Thome und die Hoffnung im Scheitern

[…] Die Reflexion fällt gleichermaßen praktisch wie persönlich aus und setzt sich in erster Linie aus Rudolf Thomes eigenen Worte zusammen. Darüber hinaus streut Serpil Turhan vereinzelte Zitate aus seinem Blog via Voice-over ein, um die Eindrücke zu verdichten. Von Interesse kann dabei sein, wie viele Menschen an einem Tag auf Moana geklickt haben, viele Likes das jüngste Video auf Vimeo bekommt hat und welche Rolle des Geld beim Filmemachen spielt. Bemerkenswert ist, wie sehr Rudolf Thome gewisse Details und Einzelheiten faszinieren und wie er sich mit ihnen auseinandersetzt. Unzählige Filmrollen und alte Kostüme von Hannelore Elsner lagern in einem Schuppen – die Hoffnung, dass sich irgendwann einmal jemand dafür interessiert, ist jedoch verschwindend gering. Allgemein steht die Frage nach dem (filmischen) Erbe und Vermächtnis im Raum. Auf wen Rudolf Thome im Lauf seiner Jahre neidisch war? Rainer Werner Fassbinder gehört sicherlich in den Kreis jener Persönlichkeiten, Wim Wenders eher nicht.

Auch auf den Umgang mit Kritik kommt Serpil Turhan zu sprechen, nicht zuletzt wurde Rudolf Thome im Lauf seiner Karriere regelmäßig mit harschen Besprechungen konfrontiert, wie es etwa bei Supergirl – Das Mädchen von den Sternen der Fall war. Für einen Augenblick grübelt der Regisseur und antwortet schließlich, dass danach einfach der nächste Film kommt. Und dann dokumentiert ausgerechnet Rudolf Thome – Überall Blumen die Niederlage der nächsten Filmproduktion, denn wie sich herausstellt, ist eine Finanzierung mittels Crowdfunding keineswegs so simpel wie zu Beginn angenommen. Dieser Rückschlag muss erst einmal verarbeitet werden, gerade wenn der Spiegel der eigenen Tochter dazukommt, die im Rahmen ihres Studium zu diesem Zeitpunkt in New York versucht, das erste Budget für ein eigenes Projekt auf die Beine zu stellen. Gleichzeitig besteht darin die Möglichkeit, neue Kraft schöpfen. „Ich will 90 Jahre alt werden“, heißt es zum Schluss in einem hoffnungsvollen wie optimistischen Blick in die Zukunft. Was gibt es Schöneres, als durch das geliebt zu werden, was man macht?

Rudolf Thome – Überall Blumen © Luzid Film

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
Matthias


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