Sieben Filme zur Vorbereitung auf Star Wars: The Last Jedi

Sieben Filme zur Vorbereitung auf Star Wars: The Last Jedi

Am vergangenen Freitag wurde der erste Trailer zu Star Wars: The Last Jedi veröffentlicht und hat die Vorfreude auf das nächste Sternenkriegsabenteuer gewaltig gesteigert. Bis es jedoch so weit ist und der zweite Teil der neuen Star Wars-Trilogie am 14. Dezember 2017 in die Kinos kommt, müssen wir uns noch ein paar Monate gedulden. Um die Zeit zu überbrücken, würde es sich also anbieten, im großen Archiv des Star Wars-Universum zu wühlen oder einfach die sieben Episoden anzuschauen, die vor Star Wars: The Last Jedi spielen. Da ihr den Urtext sowie seine Fortsetzungen vermutlich aber sowieso vorwärts wie rückwärts mitsprechen könnt, sollen an dieser Stelle sieben etwas andere Filme aufgeführt werden, die zur Vorbereitung auf Star Wars: The Last Jedi sicherlich nicht von Nachteil sind – immerhin dienten sie Regisseur Rian Johnson maßgeblich als Inspiration während den Dreharbeiten, wie er des Öfteren in diversen Interviews durchblicken ließ.

Twelve O’Clock High (Henry King, 1949)

In Star Wars steckt nicht bloß zufällig das Wort Krieg, nein, hier geht es wirklich um kämpferische Auseinandersetzungen. Völlig egal, ob einst die Republik gegen die Separatisten kämpften, die Rebellen Allianz der Imperium besiegte oder nun der Widerstand gegen die Erste Ordnung ins Feld zieht. Kein Wunder also, dass das US-amerikanische Kriegsdrama Twelve O’Clock High von Henry King eine große Inspiration für Rian Johnson bei Star Wars: The Last Jedi war war. Gregory Peck ist darin als entschlossener Kommandeur zu sehen, der einer Fliegereinheit im Zweiten Weltkrieg nach einer Reihe verheerender Niederlagen wieder zum Erfolg verhelfen soll.

Rian Johnson betonte, dass ihn vor allem die Inszenierung der Gefechte sowie die Dynamik unter den Piloten begeistert hat. Dieses wirkt in Twelve O’Clock High besonders authentisch, da unter anderem auf echte Aufnahmen von Luftschlachten zurückgegriffen wurde. Dementsprechend könnte Star Wars: The Last Jedi durchaus einige atmosphärische Parallelen zu Rogue One: A Star Wars Story aufweisen, der von Gareth Edwards mit dem Anspruch umgesetzt wurde, einen düsteren Kriegsfilm à la Saving Private Ryan im Star Wars-Universum zu drehen. Zu düster sollte Star Wars: The Last Jedi trotzdem nicht ausfallen, so punkten bereits die angedeutet Kampfszenen im ersten Trailer von einem unglaublichen Farbbewusstsein.

The Bridge on the River Kwai (David Lean, 1957)

Apropos Farbbewusstsein: The Bridge on the River Kwai besitzt ebenfalls Bilder, wie man sie nur selten auf der großen Leinwand sieht. David Lean inszenierte 1957 ein Kriegsepos sondergleichen, das nicht nur mit einer beeindruckenden Kameraführung überzeugte, sondern ebenso viel Weitsicht und Menschlichkeit für die Situation offenbarte, in der sich die Figuren des Films befanden. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Pierre Boulle erzählt The Bridge on the River Kwai die Geschichte einer Gruppe britischer Soldaten (u.a. Alex Guiness, William Holden und Jack Hawkins), die sich in einem Kriegsgefangenenlager in Burma befinden. Unter der Aufsicht von Oberst Saite sollen sie dort die titelgebende Brücke errichten, die über den Mae Nam Khwae Yai führt.

Ausgehend von dieser Prämisse kommt es jedoch schnell zu diversen Konflikten, die weder Gut noch Böse kennen, sondern sich sehr pragmatisch mit der Situation vor Ort auseinandersetzen. Das starke an The Bridge on the River Kwai ist, dass David Lean sowohl auf das Zusammenspiel des hervorragenden Ensembles als auch die unangenehmen Kriegsfilm-Elemente eingeht. Hier fällt kein Schuss, ohne eine emotionale Schneise der Verwüstung zu hinterlassen – die perfekte Voraussetzung für einen Star Wars-Film, in dem sich der große galaktische Konflikt stets mit dem persönlichen Schicksal der einzelnen Figuren schneidet. Wenn sich Rian Johnson auch nur ansatzweise an David Leans Schaffen orientiert, dürfte Star Wars: The Last Jedi absolut phänomenal werden.

Sahara (Zoltan Korda, 1943)

Ein dritter Kriegsfilm, der von Rian Johnson als Inspiration für Star Wars: The Last Jedi genannt wurde, ist Sahara von Zoltan Korda, der während dem Zweiten Weltkrieg gedreht wurde und auf einer Erzählung von Philip McDonald beruht. Diese bezieht sich wiederum auf den sowjetischen Kriegsfilm Trinadtsat, der unter der Regie von Michail Romm im Jahr 1937 entstanden ist. Von Filmdienst als Durchhaltefilm bezeichnet dreht sich Sahara um die Geschehnisse, die schlussendlich zur Schlacht von Gazala führten, die als Unternehmen Theseus in die Geschichtsbücher eingegangen ist und sich im Rahmen des Afrikafeldzugs 1942 ereignet hat. Humphrey Bogart verkörpert die Hauptfigur, den US-amerikanischen Sergeant Joe Gunn.

Wie auch Twelve O’Clock High und The Bridge of the River Kwai stechen bei Sahara die beachtlichen Aufnahmen des Kriegsgeschehen heraus und waren vermutlich auch für Rian Johnson das ausschlaggebende Merkmal, um den Film in seine Liste aufzunehmen. Dazu kommt das Wüstensetting, das für eine ungewohnte wie aufregende Kulisse sorgt und gleichzeitig perfekt ins Star Wars-Universum passt. Nicht zuletzt existieren mit Tatooine und Jakku mittlerweile zwei populäre Wüstenplaneten und auch Crait, der neue Planet aus dem ersten The Last Jedi-Trailer gleicht mit seiner Salzkruste und den roten Mineralien, die sich darunter befinden, einer gigantischen Wüste – ein bisschen analog der Eiswüste von Hoth in The Empire Strikes Back.

Three Outlaw Samurai (Hideo Gosha, 1964)

Nach drei Kriegsfilmen aus den USA erwartet uns mit Three Outlaw Samurai einer der wohl interessantesten Filme auf dieser Aufzählung. 1964 von Hideo Gosha inszeniert erzählte der japanische Samuraifilm, der später in Form einer Serie gleichen Namens fortgesetzt wurde, von dem umherirrenden Ronin Shiba, der eines Tages auf zwei Artgenossen trifft, die angeheuert wurden, um eine Gruppe von Bauern zu töten. Die Bauern, die in einer alten Mühle Unterschlupf gefunden haben, werden jedoch nicht ohne Grund verfolgt: Sie haben die wohlhabende Tochter eines reichen Magistraten gekidnappt. Wie sich später zudem herausstellen soll, verfügt besagter Magistrat aber bloß über so viel Geld, weil er sich gerne bestechen lässt.

Three Outlaw Samurai wirft viele spannende Fragen auf, vor allem die Moral betreffend. Darüber hinaus erweist sich der Film als hervorragendes Gegenstück zu Akira Kurosakas Meisterwerk Seven Samurai: Humanismus ist in Hideo Goshas Film kaum zu finden. Stattdessen gibt es zwielichtige Figuren an zwielichtigen Orten, die versuchen, ihre zwielichtigen Absichten durchzusetzen. Rian Johnson erläuterte, dass ihn insbesondere die furiosen Schwertkämpfe in Three Outlaw Samurai faszinieren. Hier finden sich wahrhaft mitreißende Aufnahmen wieder, wie sie schon J.J. Abrams im finalen Kampf zwischen Rey und Kylo Ren in Star Wars: The Force Awakens referenzierte. Wir dürfen gespannt sein, wie Rian Johnson das Duell bei Nacht im Wald und Schnee übertreffen will.

Letter Never Sent (Mikhail Kalatozov, 1960)

Wo wir gerade bei mitreißenden Aufnahmen sind: Mit Letter Never Sent hat der sowjetische Regisseur Michail Kalatosow 1960 ein Abenteuer-Drama geschaffen, das in puncto Naturgewalt seinesgleichen in der Filmgeschichte sucht. Die Rahmenhandlung gestaltet sich dabei wie folgt: Vier Geologen befinden sich in Sibirien auf der Suche nach einer Diamantenmine. Als sie diese schließlich auf der Karte ausfindig machen und den wertvollen Schatz zurück nach Moskau bringen wollten, ist ein gewaltiger Waldbrand dafür verantwortlich, dass sich der Rest des Films in einen unerbittlichen Überlebenskampf verwandelt. Fortan ziehen kräftige Rauchschwaden durch das schwarzweiße Bild und Mikhail Kalatozov erschafft eine apokalyptische Stimmung, die gleichermaßen fasziniert wie erschreckt.

Letter Never Sent gestaltet sich als eine Odyssee ins Herz der Finsternis. Die vier Protagonisten werden allesamt von ihren persönlichen Motiven angetrieben und geraten sehr schnell in gegenseitige Konflikte, anstelle sich in Anbetracht der drohenden Gefahr zu vereinen. Der Film erzählt von einer schicksalhaften Reise, die das Leben aller Beteiligten für immer verändern wird. Sollte sich Star Wars: The Last Jedi ebenfalls an die Struktur von The Empire Strikes Back anlehnen, könnte Rian Johnson einen ähnlichen Tonfall anschlagen. Nach Star Wars: The Force Awakens gibt es so viele Fragen und Fronten, die ungeklärt sind. Wer weiß, wie sich die (Macht-)Verhältnissein unter extremen äußeren Umständen in der neuen Star Wars-Trilogie verschieben und verteilen werden. 

Gunga Din (George Stevens, 1939)

Weniger abgründig, aber weiterhin abenteuerreich geht es mit Gunga Din weiter. Der Film wurde 1939 von George Stevens inszeniert und ist im Indien des 19. Jahrhunderts angesiedelt. Hier gewinnt der gewalttätige Thuggee-Kult von Tag zu Tag mehr Mitglieder und plant einen Aufstand in Sidi Hakim. Die Situation gerät außer Kontrolle – zahlreiche Menschen befinden sich in Lebensgefahr, sollte nicht schleunigst gehandelt werden. Daraufhin schließen sich sich drei Sergeants der britischen Armee – verkörpert von Cary Grant, Douglas Fairbanks Jr. und Victor McLaglen – mit einem einheimischen Wasserträger zusammen, um die Katastrophe zu verhindern. Ein wagemutiger Entschluss, der seine Opfer fordert und trotzdem Aussicht auf Erfolg gewährt.

Die Geschichte stützt sich dabei auf das Gedicht Gunga Din, das von Rudyard Kipling geschrieben wurde und in einem brutalen Konflikt poetisches Schönheit entdeckt (wenn auch mit einem Weltbild von anno dazumal). Auch Star Wars vermag es seit Anbeginn des Franchise, dem Märchen im Sternenkriegs den Vorrang zu gewähren, ohne die schrecklichen Seiten des Geschehens auszublenden. Verluste von geliebten Figuren gehören genauso zur Skywalker-Saga wie die Rückkehr eines unerwarteten Freundes. Gunga Din könnte Rian Johnsons Episode gleichermaßen auf verspielte wie ernste weise beflügeln und darüber hinaus den Fokus auf ein Heldentrio legen, das sich etwa aus Rey, Luke und Finn im Kampf gegen die finsteren Machenschaften der Ersten Ordnung zusammensetzt.

To Catch a Thief (Alfred Hitchcock, 1955)

Was bei all den Kriegsfilmen in dieser Liste schlägt sich To Catch a Thief definitiv mehr auf die Seite der Abenteuerfilme. Rian Johnson merkte an, dass er abseits von Weltraumschlachten und Lichtschwertkämpfen besonders die romantische Pracht des Weltraummärchens wahren will. Alfred Hitchcocks Adaption des gleichnamigen Romans von David Dodge erweist sich in dieser Hinsicht als fabelhafte Referenz, wenn Cary Grant in die Rolle eines Juwelendiebs schlüpft und es im gleichen Atemzug über den Dächern von Nizza mit Jessie Royce Landis und Grace Kelly zu tun bekommt. Es geht um Raubzüge und die Suche nach der mysteriösen Person, die für selbige verantwortlich ist – und das alles vor der traumhaften Kulisse der genannten Hafenstadt in Frankreich.

Hier spielen viele narrative wie visuelle Motive eine Rolle, die sich ebenso im Star Wars-Universum entdecken lassen. So könnten die Häuser und Straßen von Nizza ebenso auf einem fremden Planeten zu finden sein, der sich irgendwo zwischen Naboo und Felucia wiederfindet. Zudem bildet A Thief to Catch einen angenehmen Gegenpol, wenn wir überlegen, dass sich die bisher aufgeführten Filme dieser Liste überwiegend mit existentialistischen Fragen und erschreckenden Abgründen beschäftigen. Bei all dem Kriegstreiben scheint Rian Johnson nicht vergessen zu haben, dass Star Wars auch eine verträumte Seite besitzt, die stundenlang die untergehenden Sonnen von Tatooine bestaunen könnte und nichts dagegen hat, wenn sich die Geschichte mitunter in einem unvergleichlichen Liebesepos verliert.

Damit ist der Quell, der Rian Johnson als Inspiration von Star Wars: The Last Jedi diente, sicherlich noch lange nicht erschöpft. Alleine der erste Trailer lässt erahnen, dass sich Rian Johnson vor gar nicht allzu langer Zeit über eine Kopie von John Fords Western The Searchers gestolpert ist, von weiteren Parallelen und Referenzen in der Filmgeschichte ganz zu schweigen. Wer darüber hinaus noch ein paar Sehempfehlungen zur Vorbereitung auf Star Wars: The Last Jedi braucht, sollte sich auch unbedingt in Rian Johnsons eigener Filmographie umschauen. Da findet sich nicht nur die wunderbar ausgeflippte Komödie The Brothers Bloom wieder, sondern ebenfalls der clevere Zeitreisefilm Looper mit Joseph Gorden-Levitt und Bruce Willis in den Hauptrollen. Alleine mit diesen zwei Filmen hat sich Rian Johnson als überaus fähiger Regisseur empfohlen. Sein bisheriges Meisterwerk stellt jedoch sein Langfilmdebüt dar: Brick. Ach ja, und dann wäre da noch drei Breaking Bad-Episode, die dank Rian Johnson zu den besten ihrer Art gehören, namentlich Fly, Fifty-One und Ozymandias

Star Wars: The Last Jedi © Walt Disney Studios Motion Pictures / Twelve O’Clock High © 20th Century Fox / The Bridge on the River Kwai  © Sony Pictures / Sahara © Sony Pictures / Three Outlaw Samurai  © The Criterion Collection / Letter Never Sent © Pegasus / Gunga Din © RKO / To Catch a Thief © Paramount Pictures / The Searchers © Warner Bros.

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
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