Terminator: Genisys – Kritik

Terminator: Genisys - Kritik

Am Anfang war der Terminator, ein seltsamer Rüpel, der in seiner Eigenart allerdings auch noch so richtig Rüpel war. Ganz im Gegensatz dazu: Der zeitreisende Cyborg anno 2015, ein alter, gebrechlicher Mann, der trotzdem nicht müde wird, zu erläutern, warum er alles andere als obsolet ist. Ironischerweise bewies der direkte Vorgänger 2009 genau das Gegenteil, denn in Terminator: Salvation, dem ersten Reboot des Franchises, hatte der eiserne Koloss nur noch ein paar wenige Minuten Screentime – ganz zu schweigen von der Tatsache, dass seine Erscheinung komplett aus dem Computer stammte. Doch jetzt ist er wieder voll und ganz da: Arnold Schwarzenegger schlüpft unter der Regie von Alan Taylor erneut in die wohl ikonischste seiner Paraderollen, um sein filmisches Erbe zu retten. Terminator: Genisys will dem apokalyptischen Zeitreise-Epos neuen Atem einhauchen und im Angesicht des finanziellen Erfolges als Initialzündung einer weitere Trilogie fungieren. Bevor die Zukunft jedoch neu geschrieben wird, interessiert sich das fünfte Terminator-Kapitel in erster Linie bloß für eine Sache, nämlich das Vergangene.

Entgegen der radikalen Herangehensweise des letzten Ausflugs in die Robokalypse besinnt sich Terminator: Salvation pflichtbewusst auf seine Wurzeln, als gäbe es eine gewisse Schuld abzuarbeiten. Während Terminator: Genisys die Geschehnisse nach jenem verheerenden Judgment Day konsequent ignoriert, huldigt der Film umso gewissenhafter seinem Ursprung sowie dessen erste Fortsetzung. Natürlich ist die Verneigung vor dem Original eine schöne Geste und versteckte Referenzen lassen Fanherzen höher schlagen. Dass Alan Taylors Generalüberholung allerdings viel mehr einem müden Déjà-vu als einem frischen Neuanstrich gleicht, weiß über die stattliche Laufzeit von zwei Stunden regelrecht zu irritieren. Wo sich Colin Treverrow aktuell beim vergleichbaren Franchise-Reboot Jurassic World seiner Herkunft stets bewusst ist und das Gedankengut dieser gleichzeitig weiterdenkt, dreht sich der T-800 im unermüdlich Kreis – als wäre er in seiner eigenen Zeitschleife hängen geblieben. Egal wie angestrengt die kompromisslose Tötungsmaschine versucht, ihr mechanischen Grundgerüst zu verstecken: Am Ende dringt dennoch immer wieder das rote Roboterauge durch menschliches Gewebe.

Ähnlich ergeht es Terminator: Genisys in seiner Narration. Schon das erste Sequel verlagerte die Grundrisse des ursprünglichen B-Movies in die Liga einer 100-Millionen-Dollar-Produktion – ohne die Geschichte neu zu erfinden, aber immerhin mit dem Mehrwert, den Blueprint einer Generation von Action-Blockbustern zu schaffen, wie sie heute noch ihren Weg auf die große Leinwand finden. Was daraufhin folgte, war der kreative Bankrott: Lediglich Variation der großen Konstanten im Terminator-Universum schien eine Option für die Autoren der Reihe. Auch Terminator: Genisys klammert sich krampfhaft an das Story-Konstrukt, das neben der obligatorischen Zeitreise Namen wie Sarah Connor (Emilia Clarke), John Connor (Jason Clarke) und Kyle Reese (Jai Courtney) beinhaltet und vorzugsweise einem Kanon hinterherjagt, der nicht einmal einen Gedanken an eine Weiterentwicklung des Stoffs verschwendet. Gefangen in einem Kreislauf, aus dem ein Entkommen unmöglich scheint, mutet der vergebliche Wechsel des erzählerischen Blickwinkels geradezu wie die Erfüllung einer Fan-Fiction an. Da der Terminator mittlerweile aber längst zum Guten geworden ist, gilt es die Schicksale der verbleibenden Figuren umzudrehen. Trotzdem wird die altbekannten Terminator-Mythologie ohne nachhaltige Veränderung am Leben erhalten.

Einmal im Autopilot angekommen arbeitet Terminator: Genisys ein Set Piece nach dem anderen ab. Auf einen düsteren Prolog respektive die Zusammenfassung vorheriger Geschehnisse für die PG-13-Generation folgt ein verheerendes Gefecht zwischen Menschen und Maschinen, bevor dieses im kleineren Rahmen in der Vergangenheit weiter ausgetragen wird. Dann prallen Autos aufeinander und sogar ein ganzer Schulbus überschlägt sich mitten auf der Golden Gate Bridge – aufregend gestaltet sich jedoch kaum eine dieser zahlreichen Action-Sequenzen. Und das ausgerechnet in der Fortführung jener Filmreihe, die einst dank James Camerons herausragender Inszenierung als Maßstab eines ganzen Genres galt. Der Krawall in Terminator: Genisys setzt sich aus austauschbaren Versatzstücken zusammen und entwickelt in keinem einzigen Augenblick eine eigene Dynamik – als wäre sich Alan Taylor seiner Möglichkeiten überhaupt nicht bewusst. Generell wirken die einzelnen Action-Sequenzen wie ein ein unerwartetes Missverständnis, das komplett ausgekoppelt vom übrigen Geschehen vonstattengeht. Ohne den geringsten Widerstand schlittert Terminator: Genisys auf den Tag des jüngsten Gerichts zu, was auf der einen Seite durchaus Spaß macht, auf der anderen Seite allerdings jegliche Gravitas vermissen lässt und letztendlich enttäuscht.

Obwohl der Blockbuster zudem recht einfach gestrickt ist, geht mit fortlaufender Handlung jeglicher Überblick über Raum und Zeit verloren. Hin und her springen die Figuren in ihren Timelines und wissen bereits exakt um ihre Bestimmung. Spielerisch ausgelebt wird diese Gegebenheit tatsächlich nur in den raren Moment, in denen beispielsweise Sarah Connor und Kyle Reese ihr Schicksal diskutieren, sich zum Schluss des Abenteuer verlieben zu müssen. Ganz großartig bereichert Emilia Clarke ihren legendären Charakter, indem sie ihn von jeglicher Prophezeiung befreit und mit unvergleichlichem Selbstbewusstsein die Erwartungen ihres zukünftigen Lovers mit eigenen Entscheidungen auf den Kopf stellt. Dass irgendwann trotzdem der Kuss aus eigenem Antrieb erfolgt, umschreibt perfekt die Inkonsequenz, mit der Terminator: Genisys von einem Plotpoint zum nächsten hechtet. Der größte Kollateralschaden dieses unentschlossenen Unterfangens betrifft den titelgebenden Störenfried selbst, denn der Terminator avanciert unabsichtlich (?) zum Sidekick seines eigenen Franchises und taucht ganz willkürlich im wilden Treiben auf wie der Gott aus der Maschine.

Dabei steckt Arnold Schwarzenegger sichtlich Herzblut in die Rolle, als wäre seit seinem letzten Terminator-Auftrit kein Jahr vergangenen. Grundsätzlich stellt sich die Frage, warum der fünfte Teil der Reihe wie besessen auf dem Alter seiner Hauptfigur herumreitet: Schließlich verkörpert Arnold Schwarzenegger den stoischen Berserker nach wie vor mit der gleichen (Un-)Gelenkigkeit – und das ist durchaus eine der zeitlosen Stärken dieser Figur -, mit der er schon 1984 sein maschinelles Debüt ablieferte. Selbst eine charmant-doofe Erklärung für die sichtliche Alterung des Mechas bietet Terminator: Genisys neben unzähligen anderen Verzweiflungstaten an. Geschuldet ist dieser Umstand mit Sicherheit auch der Faszination für das ewige Comeback, das seit The Expendables 2 die Berichterstattung um den ehemaligen Governor von Kalifornien dominiert. „Old, not obsolet“ und dann (leider) wieder doch: So engagiert Arnold Schwarzenegger die Legende zu neuem Leben erwecken will und so beherzt er einen One-liner nach dem anderen raushaut – das finale „I’ll be back“ kann nicht einmal ansatzweise aus dem unkoordinierten Getose herausstechen und für Gänsehaut sorgen. Vielmehr reiht es sich in die verhängnisvolle Geschichte einer bemüht nostalgischen Nummernrevue, die weder sich selbst, noch sein großes Vorbild versteht. Mediocre.

Terminator: Genisys © Paramount Pictures

Matthias

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Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
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