The Death of Stalin – Kritik

The Death of Stalin - Kritik

Wer die Menschen im politischen Gefüge entlarven will, ist bei Armando Iannucci an der richtigen Adresse. Der schottische Regisseur, Autor und Satiriker ist für zwei der bissigsten Politserien der vergangenen Jahren verantwortlich, wenn es darum geht, die Drahtzieher hinter den Kulissen der Macht mit zerreißender Präzision zu beobachten. Während sich The Thick Of It im London der Gegenwart austobt, nimmt Veep die Hierarchien im Weißen Haus auseinander und schreckt dabei vor keinem bösen Witz zurück.

Dass er diese Qualitäten ebenfalls in Spielfilmlänge stemmen kann, hat Armando Iannucci außerdem mit In the Loop bewiesen, der den Humor erstgenannter Serie in Form eines Spin-offs für die große Leinwand adaptierte. Mit The Death of Stalin meldet sich der kreative Kopf an ebenjenem Ort zurück und liefert – basierend auf der gleichnamigen Graphic Novel von Fabien Nury und Thierry Robin – ein köstliches Stück Politsatire ab, die mit sehr viel schwarzem Humor in die Geschichte eintaucht, die sich immer wieder auftuenden Abgründe aller Eloquenz zum Trotz aber balancieren kann.

Von Balance kann im Moskau des Jahres 1953 allerdings sowieso keine Rede mehr sein. Die politische Situation unter Josef Stalin (Adrian McLoughlin) spitzt sich immer weiter zu – oder eben auch nicht. Die Antwort ist davon abhängig, wen man wann in welcher Gesellschaft fragt. Nach einem Abend in geselliger Runde liegt der Genosse jedoch plötzlich tot in seinem Arbeitszimmer. Wurde eben noch die heimliche Verehrung von John Ford und John Wayne kundgetan, drehen sich die Gespräche nun um das Schicksal der Sowjetunion, die plötzlich ohne Anführer dasteht.

Kaum macht Georgi Malenkow (Jeffrey Tambor) von seiner Funktion als Stalins Stellvertreter Gebrauch, beginnt ein intrigantes Spiel um den freigewordene Posten, der vor allem zwischen Geheimdienstchef Lawrenti Beria (Simon Russell Beale) und Minister Nikita Chruschtschow (Steve Buscemi) ausgetragen wird. Den größten Gefallen findet Armando Iannuccci dabei, wenn er sein exzellentes Ensemble beobachten kann, das sich durch die vorzugsweise äußerst absurden Situation der darauffolgenden Stunden und Tage redet.

Während Stalins Tod von seinem verbliebene Führungsstab insgeheim als Erleichterung wahrgenommen wird, will niemand der Anwesenden seine wahren Gefühle teilen, stets aus Angst, das jeweilige Gegenüber könnte womöglich doch noch an der alten Ordnung festhalten und einem die Worte im Mund verdrehen. Fortan wird nur noch zwischen den Zeilen gelesen, was mindestens genauso viele Missverständnisse wie düstere Absichten zutage fördert. Das Lachen bleibt einem erwartungsgemäß im Hals stecken – allerdings nicht bloß aufgrund der erbarmungslosen Späße, sondern weil der historische Hintergrund die Satire überschattet.

Entgegen der überspitzenden Elemente und einem reichen Pool an abwechslungsreichen Karikaturen gelingt es The Death of Stalin nur bedingt, die rücksichtslosen Machenschaften ins Lächerliche zu ziehen. Immer wieder offenbart der Film eine ernste Ader, die im Widerspruch zum sonstigen Tonfall des Gezeigten steht und für irritierende Lücken im Gesamtkunstwerk sorgt. Trotzdem weiß Armando Iannuccis Vision über weite Strecken zu überzeugen und begeistert nicht zuletzt mit einem durchdachten Farbschema, das insbesondere durch den wiederkehrenden Kontrast roter und weißer Flächen im Szenenbild zur Geltung kommt.

The Death of Stalin © Concorde

Matthias mag Filme und Serien. Ansonsten wäre er gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen und schaut laut Werner Herzog zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.