The Hobbit: The Battle of the Five Armies – Kritik

The Hobbit: The Battle of the Five Armies - Kritik

Als The Last Goodbye von Billy Boyd mit dem Einsetzen der Credits umsungen, schließt Peter Jackson mit The Hobbit: The Battle of the Five Armies einmal mehr eine – im wahrsten Sinne des Wortes – unerwartete Reise nach Mittelerde ab. Wenngleich es nach dem einschlagenden Erfolg der The Lord of the Rings-Trilogie früher oder später absehbar war, dass die Abenteuer des kleinen Hobbits ihren Weg auf die große Leinwand finden würden, entpuppte sich Peter Jacksons Rückkehr schlussendlich doch als Überraschung. Nicht zuletzt sollte Guillermo del Toro vor einigen Jahren noch die Expedition zum Misty Mountain als Regisseur in die Wege leiten. Jetzt taucht er nur noch als Project Consultant in eben jenen, von Billy Boyds Stimme untermalten, Credits auf und für den Bruchteil einer Sekunde steht die Frage im Raum, wie Bilbo Beutlins (Martin Freeman) Odyssee unter dem inszenatorischen Zepter des mexikanischen Regisseur vonstattengegangen wäre. Hätte, wenn und aber – mit Sicherheit wäre das jetzige Resultat ein vollkommen anderes. So verlockend die Überlegung auch sein mag, am Ende hat Peter Jackson in den vergangenen paar Jahren seine eigene Vision von J.R.R. Tolkiens Fantasy-Geschichte in die Kinos gebracht. Und genau diese Vision wird dem eigentlichen Titelhelden spätestens im überschwänglichen Schlachtengetümmel zum Verhängnis.

Im Westen (von Mittelerde) nichts Neues: Verschuldet durch den fragwürdig streckenden Cliffhanger in The Hobbit: The Desolation vom Smaug und einer stattlichen Frquenz an The Lord of the Rings: The Return of the King-Déjà-vus ist der Hobbit schließlich in der Einöde angelangt, die bereits im vorherigen Kapitel großspurig angeteasert wurde. Obgleich die Schlacht der fünf Heere einen ordentlichen Ausblick Richtung Finale gewährt, muss zuvor die Altlast des Drachen-Konflikts ihr jähes Ende finden. Gehörte Bilbos Begegnung mit Smaug (Benedict Cumberbatch) noch zum atmosphärischen und in sämtlichen Details außerordentlich ausgearbeiteten Höhepunkt des letzten Films, dient das erhabene Schuppentier in The Hobbit: The Battle of the Five Armies lediglich als Aufwärmübung für das bevorstehende Kriegstreiben. In Videospiel-Ästhetik brennt das Ungetüm ganz Laketown nieder und rückt das bisher unentschlossene Aragon-Äquivalent Bard (Luke Evans) neben Bilbo und Zwergenanführer Thorin Eichenschild (Richard Armitage) ins Zentrum der Geschehnisse. Zweifelsohne ein spektakulärer Einstieg, der Peter Jacksons Hobbit-Vision in ihrer visuellen Ausarbeitung endgültig manifestiert. Die von Masken und Kostümen bevölkerte Welt des Herrn der Ringe beugt sich dem Panorama computeranimierter Massenszenen. Und das muss in erster Linie nichts Schlechtes bedeuten.

Der neue Look von Mittelerde ist ein lichtdurchfluteter, ohne Ecken und Kanten. Durchtrieben vom Streben zur perfekten Animation – und letzten Ende handelt es sich dabei um einen jener handwerklichen Special Effects, die Peter Jacksons Œuvre in den unterschiedlichsten Ausgestaltungen seit Bad Taste begleiten – avanciert The Hobbit: The Battle of the Five Armies zu einer eindrucksvollen CGI-Demonstration sondergleichen. Egal ob Feuer über Häusern im Wasser oder Nebel über Gebirgketten in der Landschaft: Es scheint kein Gemälde mehr zu geben, das Peter Jackson nicht auf die gigantische Projektionsfläche eines Kinosaals bannen könnte. Mit diesem Drang zur Perfektion geht aber auch die Veränderung Hand in Hand. Wenn Handgemachtes nicht mehr ausreicht, folgt der Schritt in eine Welt, in der nichts entscheidender ist, als ausgeglichen auf dem schmalen Grat zwischen Echt und Unecht zu balancieren. Mit seiner Hobbit-Trilogie tendiert Peter Jackson überwiegend dazu, sich in den verführerischen Graben des Unechten fallen zu lassen. Gleichzeitig ist es aber auch ein faszinierendes visuelles Konzept, das sich hinter Mittelerde 2.0 verbirgt; nämlich die Möglichkeit in Zeitlupe tatsächlich jeden Gegenstand im Hintergrund der tosenden Schlacht zu identifizieren. Problematisch wird dieser Umstand nur, wenn dem ausführenden Regisseur die Ideen für seine unheimlich scharfen Bilder fehlen.

Ziemlich schnell avanciert die tosende Schlacht zur munteren WG-Party der Redundanz. Jede Rasse aus dem Hause Mittelerde ist eingeladen. Zuerst klopfen die Zwerge ans Tor, später melden sich Menschen und ein Drache zu Wort – ganz zu schweigen von anderweitigen Heerscharen, die sich aufs Schlachtfeld bemühen, um das titelgebende Versprechen einzulösen. Wenn jedoch die Armee der Elben-Krieger ihre ganze Puste daran verschwendet, die Schlachtformation den nach und nach eintrudelnden Heeren anzupassen, verläuft sich das bemühte Epos im Sand der Wiederholung, bleibt für ein Gros der Laufzeit erschreckend uninteressant und ist passagenweise sogar unfreiwillig komisch. In ewigen Kameraschwenks kollidieren die Egos von Zwerge, Eleben, Menschen und Orks – in den unfassbar detaillierten Aufnahmen finden sich jedoch nur uninspirierte Bewegungsabläufe und die Erkenntnis, dass Peter Jacksons Hobbit-Vision größtenteils von seelenlosen Nullen und Einsen bevölkert ist, wieder. Erst, wenn beispielsweise ein bedeutender Zweikampf – wobei bedeutend in Anbetracht der inflationäre Integration entsprechender Aufeinandertreffen eher relativ ist – in den Mittelpunkt des Geschehens rückt, gibt sich jener Regisseur zu erkennen, der vor über einer Dekade (mit seinen Figuren!) das Horn Rohans und das Horn Gondors blies.

Dieses Mal erfolgt der Schlachtruf unverbindlich, geradezu automatisiert: Die Gestalten auf dem Schachbrett folgen brav dem Muster einer Partie, die längst entschieden ist und nur darauf drängt, Abschluss und Finale zu sein. Insofern hangelt sich The Hobbit: The Battle of the Five Armies – durchaus hingebungsvoll – am überlangen Abschiednehmen entlang und sorgt dafür, dass wirklich jede Figur ihren mehr oder weniger unbeholfenen großen Moment erhält. Im Gegensatz zur The Lord of the Rings-Trilogie, wo das bemerkenswerte Ensemble bis zum letzten Nebendarsteller regelrecht atmete, verlässt sich der Hobbit zum Schluss bloß auf Figuren, die in ihren überlebensgroßen Bestimmungen gefangen sind. Im Grunde prallen Zweieinhalbstunden lang konstruierte Storylines aufgeblasener Willkür aufeinander. Für den Augenblick mag der Endkampf zwischen Thorin und seinem Widersacher auf einem zugefrorenem See ein Akt der Vollkommenheit sein – gerade, weil in dieser sowie vergleichbaren Passagen der kernige Peter Jackson mit all seinem kreativen Eigensinn durchblitzt. In den großen Kontext gesetzt fühlt sich allerdings jedes dieser Ereignisse wie der unbedeutende Baustein eines Potpourris an, das sich ausschließlich durch Quantität definiert.

Ab einem gewissen Zeitpunkt fühlt sich The Hobbit: The Battle of the Five Armies wie jene ausgelaugte Schlacht um Mittelerde-LAN-Runde an, die man längst hätte beenden sollen. Irgendeiner der Mitspieler will aber noch nicht ins Bett und es bleibt einem nichts anderes übrig, als geduldig abzuwarten, bis wirklich alle der zahlenmäßig überlegenen Gegner ausgelöscht sind. Ein Highlight wie das flott inszenierte Stelldichein mit den neun Ringgeistern ist zu diesem Zeitpunkt nur noch eine aufregende Erinnerung in einem außer Kontrolle geratenem Entstehungsprozess. Die spielerische Leichtigkeit dieser dynamischen Sequenz – komplett ungeachtet ihrer Sinnhaftigkeit oder eben Sinnlosigkeit – fängt Peter Jackson leider nur selten im späteren Fortgang der Handlung wieder ein. Ausgerechnet mit der Rückkehr ins Auenland pendelt sich das sehnsüchtige Gefühl ein, das seinerzeit die ersten Einblicke in die Hobbit-Produktion begleitete. Dann sagt der kleine Hobbit, der erneut wundervoll von Martin Freeman verkörpert wird, Lebewohl und Billy Boyd stimmt zum großen Abschied an. Ein Abschied, der einen unzufrieden zufrieden zurücklässt und die letztendliche Frage aufwirft, warum die unerwartete Reise genau scheiterte – oder warum es so schwer ist, diese so zu akzeptieren wie sie ist. Aber dann dann ruft jemand The eagles are coming und katapultiert einen komplett aus dem Abenteuer, sodass es nie möglich sein wird, sich vollständig in diesem zu verlieren.

The Hobbit: The Battle of the Five Armies © Warner Bros.

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
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