The Magnificent Seven – Kritik

The Magnificent Seven - Kritik

Überzeugung? Die hatte John Sturges, als er 1960 ein Remake mit The Magnificent Seven von Akira Kurosawas Jahrhundertwerk Shichinin no samurai drehte und die Geschichte des Samuraifilms in einen Western verwandelte, der bis heute zu den bekanntesten Vertretern seiner Gattung gehört. Die Erzählung von sieben Kriegern, die sich zusammenschließen, um ein Dorf vor einer gnadenlosen Banditenbande zu beschützen, ist einfach gestrickt und dementsprechend schnell erzählt. Dennoch vermochte John Sturges alleine durch die Verlagerung des Geschehens in den Wilden Westen seiner Neuauflage genügend Eigenwilligkeit einverleiben, sodass diese nach ihrer Premiere Geschichte schrieb.

Anno 2016 dürfen wir – kurz nach der mehr oder weniger zeitgemäßen Neuinterpretation von Ben Hur – erneut ein Remake der glorreichen Sieben auf der großen Leinwand bezeugen, das sich stolz auf die universellen Grundzüge der Vorlage verlässt, gleichzeitig allerdings jegliche Überzeugungskraft vermissen lässt. Antoine Fuquas Version von The Magnificent Seven ist an sich kein schlechter Film und macht streckenweise sogar richtig Spaß, wenn er seine Vorzüge aus dem tollen Ensemble zieht. Ansonsten herrscht allerdings bloß sorgfältige Routine, die sich vergebens bemüht, Altbekanntes in ein mitreißendes Abenteuer zu verwandeln – und dieses durchaus ambitionierte Vorhaben zum Schluss via random Off-Kommentar bestätigen muss.

Dabei startet das kolportierte Abenteuer überaus vielversprechend – angefangen bei den prächtigen Bildern von Antoine Fuquas Stammkameramann Mauro Fiore. Während das Ben Hur-Remake zuletzt scheiterte, einen alternativen Entwurf für den Monumentalfilm im Jahr 2016 zu finden, gelingt es The Magnifcent Seven um einiges besser, den Wilden Westen im Gewand eines modernen Blockbusters aufleben zulassen. Mutig ist die Herangehensweise mit Sicherheit nicht, effektiv dafür schon, wenn die Kamera zum Beispiel in einer aufwendigen Einstellung einer ganzen Armee an Cowboys folgt, die durch die Landschaft reiten. Solch überlebensgroße Motive können nur im Kino atmen. Leider ist sich Antoine Fuqua dieser Stärke überhaupt nicht so bewusst.

Atemberaubende Highlights wie dieses scheinen in The Magnificent Seven eher Resultat puren Zufalls zu sein, so willkürlich findet sie ihren Weg in den vertrauten Handlungsablauf. Wo Antoine Fuqua anfangs noch an jeder Regung seiner Figuren interessiert ist, verschwinden diese aufmerksamen Beobachtungen mit zunehmender Laufzeit völlig. Im Western kann die kleinste Gesichtsregung über Leben und Tod entscheiden – doch was passiert, wenn Mimik und Gestik nicht einmal mehr in gröbster Ausführung zu erkennen sind? Dann bricht unter Umständen die gesamte Dramaturgie des finalen Akts zusammen, so zumindest im Fall von The Magnificent Seven. Auf einmal geht die Orientierung verloren und das Abenteuer stolpert eifrig über die eigenen Beine.

Da können die Schüsse der Angreifer und Verteidiger noch so angestrengt dem Takt von James Horners und Simon Franglens Kompositionen folgen: Ab einem gewissen Punkt existiert keine Grundlage mehr, auf der aufgebaut werden kann. Wahllos reihen sich Sequenzen aneinander, die sich nicht entscheiden können, ob sie lieber Pop-, Splatter-oder klassischer Western sind – selbst ein obligatorischer Twist, der sich zuvor dezent angekündigt hat, geht in dieser zusammenhangslosen Reihenfolge komplett unter. Jedes Ereignis hat den gleichen Stellenwert und existiert nur für den Moment seiner Ausführung. Spätestens hier kommt die eingangs erwähnte, fehlende Überzeugungskraft wieder ins Spiel. Es ist fast schon erschreckend, wie gleichgültig der zentrale Konflikt vonstattengeht.

Erst, wenn sich die einzelnen Mitglieder des titelgebenden Trupps in den Mittelpunkt spielen, offenbart The Magnificent Seven das dynamische Potential, das in den actionreichen Sequenzen so hartnäckig ignoriert wird. Zwar mögen die einzelnen Figuren nicht mehr hergeben, als es ihr jeweiliger Prototyp zulässt. Um ein Ensemble gegen die Wand zu fahren, das sich in unter anderem aus Denzel Washington, Ethan Hawke, Chris Pratt, Byung-hun Lee, Manuel Garcia-Ruflo, Martin Sensmeier und Vincent D’Onofrio zusammensetzt, braucht es jedoch deutlich größeres Unvermögen. Egal wie oberflächlich ihre Archetypen also umgesetzt im Drehbuch stehen: Die Schauspieler nehmen sich ihre Moment heraus, um den – eigentlich offensichtlichen – Abgrund der Geschichte zumindest anzudeuten.

So viele Themen The Magnificent Seven im Rahmen der umfangreichen Laufzeit auch ansprechen könnte: Zum Schluss fehlt dem Film selbst die Kraft, die Geschehnisse zu kommentieren, geschweige denn, zu verurteilen. Die Frage nach Rache und Gerechtigkeit wird kurz in den Raum geworfen, während der historische Kontext wie eine triviale Randnotiz wirkt, als tatsächliche Bereicherung wird sie seitens der Drehbuchautoren, Nic Pizzolatto und Richard Wenk, allerdings nicht wahrgenommen. Selbst wenn Haley Bennett als einzige (!) Frau im Main-Cast mehrfach (!!) erwähnt, sie würde gerne Seite an Seite mit den Männern kämpfen, wird ihr Anliegen lediglich nickend zur Kenntnis genommen und damit als erledigt erklärt – fast ein bisschen dreist, diese fröhliche Ignoranz der Dinge. Schlussendlich fasst sie den ungehobelten Ritt der glorreichen Sieben im Jahr 2016 aber ganz gut zusammen.

The Magnificent Seven © Sony Pictures

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
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