The Shannara Chronicles – Season 1, Episode 5 – Recap

The Shannara Chronicles - Season 1, Episode 5 - Recap

Reaper, die fünfte Episode der ersten Staffel von The Shannara Chronicles, ist düster und teilweise richtig gut, teilweise aber auch eine unfassbare Katastrophe, was in erster Linie an einer Figur liegt, nämlich Cephalo. Was auch immer die Drehbuchautoren mit ihm vorhatten: Das hat nicht funktioniert. Dabei versteckten sich im Ansatz viele spannende Ideen – gerade für eine YA-Serie. Auf moviepilot: The Shannara Chronicles – Wir schauen Staffel 1, Season 5

Der zweite große Plotpoint der Episode dreht sich um Cephalo (James Remar), der sich – wie zuvor mit unheilvollem Grinsen angekündigt („Don’t worry. Daddy’s coming.“) – auf die Suche nach seiner (Nicht-)Tochter macht. Als er mit dem Rest der Rover-Bande Amberle, Wil und Eretria umzingelt, schlägt die Serie ihre bis dato düstersten Töne an. Dass Cephalo in seiner Konstruktion ein überaus ambivalenter Charakter ist, dürfte spätestens seit Fury keine Überraschung mehr sein. Reaper verschärft die Konturen seiner Figur dennoch in eine sehr deutliche Richtung. Alles, was bisher Behauptung und Andeutung war, entpuppt sich in einer erschütternden Sequenz als wahr und wird ziemlich präzise ausformuliert: Nachdem Cephalo Eretria nicht mehr haben kann, fällt er über Amberle her. Erst in letzter Sekunde rettet Eretria der jungen Prinzessin das Leben, bevor es zur Vergewaltigung kommt.

Obwohl die Roverin sofort einlenkt und behauptet, es geht ihr ausschließlich um den Reichtum, der ihr hinsichtlich Amberles Rettung winkt, ist klar, dass sich die zwei Frauen in diesem Moment endgültig gegen den Mann verbündet haben, der soeben noch gänzlich ungeniert damit geprahlt hat, nicht zum ersten Mal auf sexuelle Gewalt zurückzugreifen – von einem widerlichen „It’s nothing but music to me“ ganz zu schweigen. Richtig bemerkenswert ist dabei, wie offensiv The Shannara Chronicles in ihrer Eigenschaft als YA-Serie mit diesem Thema umgeht und wie präsent es im Grunde schon seit Anbeginn der Handlung ist. Das große Problem ist nur, dass Cephalo (und somit die versuchte Vergewaltigung) in der zweiten Hälfte von Reaper komplett verklärt wird, als der titelgebende Dämon auf den Plan tritt und für ein kurzweiliges Action-Intermezzo sorgt.

Während der finstere Koloss die kleine Gruppe attackiert und durchs Unterholz jagt, fleht Cephalo um Gnade: Man möge ihm doch bitte die Fesseln abnehmen, da er ansonsten dem sicheren Tod geweiht sei. Überraschenderweise zeigt gerade Amberle jene Gande („It will be my mistake“) – allerdings ohne auch nur ansatzweise die vorherige Fast-Vergewaltigung anzusprechen. Viel schlimmer noch: Die Autoren verwandeln Cephalo im Anschluss in einen charismatischen Schurken, der sich mit Wil durch den Wald schlägt und einen coolen One-liner nach dem anderen raushaut, als wäre er der neue unwiderstehliche Badboy im Shannara-Universum. Natürlich gibt es nichts gegen eine solche Figur, die das klassische Gut-Böse-Muster durchbricht, einzuwenden, wäre da nicht die Tatsache, dass die Autoren in den 20 Minuten davor ein abstoßendes Monster anstelle eines charismatischen Antihelden geschaffen haben – und das gänzlich unkommentiert.

Was bisher geschah:

The Shannara Chronicles – Season 1, Episode 1: Chosen (1)
The Shannara Chronicles – Season 1, Episode 2: Chosen (2)
The Shannara Chronicles – Season 1, Episode 3: Fury
The Shannara Chronicles – Season 1, Episode 4: Changeling

The Shannara Chronicles © AMC

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
Matthias


YOU MAY LIKE