Tiger Girl – Kritik

Tiger Girl - Kritik

Tiger Girl, der neue Film von Love Steaks-Regisseur Jakob Lass ist auf der Berlinale eingeschlagen wie eine Bombe. Ein impulsives Stück deutsches Kino, das genau wegen dieser unberechenbaren Eigenschaft so aufregend, wenn auch nicht perfekt ist. Aber vielleicht geht es gerade darum. Auf moviepilot: Berlinale 2017 – Tiger Girl & ein aufregendes deutsches Kino

[…] Jede Ader in Tiger Girl schreit förmlich danach, dass es hier um das Ausprobieren von Dingen geht, die sich nirgends üben lassen. Während Vanilla dabei zunehmend die Kontrolle verliert, interessiert sich Jakob Lass mit fortschreitender Laufzeit für das genaue Gegenteil. Immer wieder finden Stilbrüche statt und die improvisierten Szenen weichen etwa einer lässigen Montage oder sogar einer komplett einstudierten Kampfsequenz, die mittels cooler Zeitlupen, Farbfilter und Musikeinlagen gänzlich überzeichnet, sprich komplett inszeniert ist. Je weiter der Film fortschreitet, desto mehr nimmt diese ästhetisierte Gewalt zu, ganz zum Verhängnis der Figuren, die sich von sich selbst entfremden, bis schlussendlich wieder die gleiche Unsicherheit herrscht wie zu Beginn der Handlung. Der Unterschied ist bloß, dass sich Vanilla nun nicht mehr mit einem Blick auf den Boden aus der Affäre zu ziehen versucht, sondern unreflektiert zum Angriff bläst.

Aus Opfern werden Täter, die zu Opfern werden: Zwischen all den reißerischen Beats und Neonfarben eröffnet Jakob Lass durchaus einen Diskurs für die moralische Grauzone, in der sich die Figuren bewegen. Leider gelingt ihm nicht das unglaubliche Meisterwerk der emotionalen Nähe, wie es bei Love Steaks der Fall war. Selten offerierte ein deutscher Film so unverkrampft eine dermaßen komplexe Liebesgeschichte zwischen Gefühlen und Zwängen. Auch in Tiger Girl befinden sich ähnliche Voraussetzungen für eine solche Erzählung. Oft überwiegt allerdings der Hang zum Spektakel, ohne diesem eine zweite Ebene hinzuzufügen. Doch vielleicht ist das der Preis, der gezahlt werden muss, wenn jemand alles auf eine Karte setzt, um unsere Sehgewohnheiten zu testen und mit einem lauten Schrei durcheinanderzubringen. Tiger Girl ist quicklebendig und lässt hoffen, dass 2017 ein ebenso ergiebiges Jahr für die hiesige Kinolandschaft wird wie das vergangene.

Tiger Girl © Constantin Film

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
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