Victoria – Season 1 – Recap

Victoria - Season 1 - Recap

Jenna Coleman gehört nicht nur zu den wenigen Schauspielerinnen, die als Companion zwei Doctor Who-Generationen erlebt hat (namentlich Matt Smith und Peter Capaldi), sondern ebenfalls zur überschaubaren Anzahl an Aktricen, die bisher die Ehre hatten, als Queen Victoria vor der Kamera zu agieren. Vergangenes Jahr lieferte Jenna Coleman ihr Debüt als Regentin des Vereinigten Königreichs von Großbritannien ab. Nun hat es die entsprechende Dramaserie, die als Titel den Namen ihrer Protagonistin trägt, auch nach Deutschland ins Heimkino geschafft, nachdem sie zuvor lediglich im Pay-TV zu sehen war. Acht Episoden umfasst die erste Staffel der ursprünglichen Miniserie. ITV, der britische Ursprungssender, hat mittlerweile jedoch verlauten lassen, dass die Geschichte im Rahmen einer zweiten Staffel fortgesetzt wird, von einem Weihnachtsspecial im Dezember ganz zu schweigen.

Vorerst konzentriert sich die Handlung jedoch auf die Zeit zwischen Victorias (Jenna Coleman) Krönung im Jahr 1837 und ihrer Hochzeit mit Prinz Albert (Tom Hughes) im Jahr 1840. Die Serie folgt dabei dem chronologischen Ablauf der historischen Ereignisse, eingerahmt in das reich ausgestattet Bild einer prestigeträchtigen Produktion, die keine Kosten und Mühen gescheut hat, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Während die Kamera immer wieder die Größe in den königlichen Gemächern sucht, erzählt die Musik – mitunter von einer mächtigen Orgel getrieben – ein episches Abenteuer, das sich irgendwo zwischen Liebe und Politik wiederfindet. Victoria ist nicht verlegen, in prächtigen Kulissen zu schwelgen und die Erhabenheit von einfallendem Licht zu bewundern. Im besten Fall entsteht daraus ein atemberaubendes Gemälde, in dem man als Zuschauer ewig verweilen könnte.

Gleichzeitig lässt sich Victoria zu wenig Zeit, um diese atmosphärischen Momente wahrhaft auszuleben und ihre Eleganz würdig zu zelebrieren. Viel wird erklärt in der ersten Staffel und dementsprechend schreitet das Geschehen zügig voran. Dabei verfällt Victoria jedoch zu oft in eine routinierte Form, die sämtliche Konflikte lediglich als Abarbeitung des Protokolls versteht, von dem auf keinen Fall abgewichen werden darf. Im Mittelpunkt der Geschehnisse befindet sich stets die junge Protagonistin, die sich gegen die Traditionen ihres Landes behaupten muss, während sie selbst noch auf der Suche nach einer eigenen Identität ist. Jenna Coleman verschmilzt förmlich mit dieser zweifelnden Victoria, die sich anfangs jeden Schritt zwei Mal überlegen muss, ehe sie später an Sicherheit gewinnt und die Menschen um sich herum von ihrer eigenen Sicht der Dinge überzeugen kann. Ein gewisser Widerstand wird trotzdem bleiben.

So beinhaltet die erste Staffel von Victoria zahlreiche Machtspiele und Manipulationen, wie sie unterdessen zum obligatorischen Bestandteil einer Historienserie wie dieser geworden sind – und das zu Recht: Es ist schlicht ein spannendes Unterfangen, die Mechanismen der Politik zu entdecken und zu entlarven. Dadurch entsteht am Ende auch das große Drama, dem sich nicht einmal Victoria entziehen kann, so sehr sie auch versucht, mit ihrem Handeln vereinende Nenner zu finden. Dennoch geht der Serie im Verlauf der ersten Staffel regelmäßig die Luft aus, denn oftmals überschattet ein stilisierter Augenblick in Zeitlupe – und es gibt einige davon – den gesamten Szenenablauf zuvor. Dann existieren lediglich Pferde, die durch Wälder reiten, und Menschen, die durch Kathedralen schreiten. Durchaus beeindruckend ist das allemal, aber ohne den Tiefgang, den diese Geschichte verdient.

Victoria © Edel Germany GmbH

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
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