Werner Herzog – An den Grenzen – Rezension

Werner Herzog - An den Grenzen - Rezension

Bei Bertz + Fischer ist im Oktober ein neues Buch mit dem Titel Werner Herzog – An den Grenzen erschienen, das sich mit dem Schaffen des titelgebenden Auteurs beschäftigt und dabei einen besonderen Blick auf die Arbeiten legt, die bis dato eher wenig Beachtung fanden. Auf moviepilot habe ich ein Worte dazu aufgeschrieben: Werner Herzog an den Grenzen & jenseits von Kinski

Immer wieder kommen die Texte der verschiedenen Autoren (elf an der Zahl), die einen Beitrag zu Werner Herzog – An den Grenzen beigesteuert haben, auf die „ekstatische Wahrheit“ zurück. Wie ein roter Faden zieht sich der Begriff durch die 208 Seiten und umschreibt damit das, was Werner Herzog am Ende seiner Reisen zu finden hofft. Stets befindet er sich auf der Suche nach den Grenzen der Welt und den Menschen, die jene Grenzen überwinden, wenn er es nicht gleich selbst tut. Eine ganz besondere Grenze überwindet er zu Beispiel in seiner Trilogie Fata Morgana, Lektionen in Finsternis und The Wild Blue Yonder: Alle drei Filme beherbergen unfassbare Bilder – und die Tatsache, dass sie aus der Sicht eines Außerirdischen gefilmt sind. Kristina Jaspers, ihres Zeichens Kuratorin der deutschen Kinemathek in Berlin, sieht hier „Poesie und Pathos“ verschmelzen, ähnlich wie Filmwissenschaftler Chris Wahl, der im Kapitel zuvor diese „neuen“ Bildern ergründet und zu dem Entschluss kommt, dass der Regisseur ein „Kind des Aufbruchs“ im Kino ist.

Spannend ist die Auseinandersetzung mit Werner Herzog und seiner „ekstatischen Wahrheit“ in Werner Herzog – An den Grenzen deswegen, weil sie aus so vielen unterschiedlichen Perspektiven entsteht. Abwechselnd spielen sich Distanz und Bewunderung in den Vordergrund, so etwa, wenn Bernd Kiefer „von einem, der auszog, um uns fremd zu bleiben“, berichtet und dabei Werner Herzogs Image im Lauf der Zeit näher beleuchtet. Auf einmal wird aus dem Filmemacher Werner Herzog eine popkulturelle Persönlichkeit, um die sich gleichermaßen Legenden ranken, wie sie gezielt von ihm gestreut werden. Auch das ist Bestandteil der „ekstatischen Wahrheit“, die insbesondere durch die Vorzüge bewusster Manipulation bzw. Inszenierung seitens Werner Herzog als Gegenstück zum Cinéma vérité, das er so verachtet, entworfen wurde. Dadurch wird ebenfalls betont, dass es mittlerweile fast unmöglich ist, einen geraden Strich zwischen Wahrheit und Unwahrheit in seinem Werk zu ziehen. […]

Incident at Loch Ness © Eden Rock Media / Lessons of Darkness © Shout Factory

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
Matthias


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