Wie das Marvel Cinematic Universe an Gewicht verliert

Wie das Marvel Cinematic Universe an Gewicht verliert

Anlässlich des Kinostarts von Thor: Ragnarok habe ich mir auf moviepilot ein paar Gedanken über das Marvel Cinematic Universe gemacht und bin zu dem Entschluss gekommen, dass die aktuelle Entwicklung, die durch Filme wie Guardians of the Galaxy Vol. 2 befeuert wird, alles andere als nachhaltig ist. Am Ende des Tages passiert es, dass zwar viel gelacht wurde, ansonsten aber kaum ein Detail im Gedächtnis geblieben ist. Die Folge ist, dass das Marvel Cinematic Universe immer mehr an Gewicht verliert.

[…] Es wäre überaus schade, wenn dieser Trend im Marvel-Kino-Universum die Überhand gewinnt, da Superhelden-Filme genau dann am besten sind, wenn wirklich etwas auf dem Spiel steht und wir trotz der unausgesprochenen Sicherheit des wahrscheinlichen Happy Ends mit den Ereignissen auf der großen Leinwand mitfiebern können. Schon James Gunn verkalkulierte sich in dieser Hinsicht gewaltig, als er die Verhältnisse des letzten Guardians-Films einem unersättlichen Spaß-Gott opferte, der sich mehr für Baby Groot interessiert als das verheerende Vater-Sohn-Drama vor dem Hintergrund der Weltenzerstörung. Abstumpfung und Irrtum in einem: The First Avenger: Civil War hätte keinen bleibenden Eindruck im MCU hinterlassen, wenn der finale Kampf zwischen Captain America und Iron Man durch ironisierte Kommentare unterbrochen worden wäre. Ob von Thor mehr bleiben wird, als die verschwommene Erinnerung an einen Gladiatorenkampf im Fast-Food-Modus und Jeff Goldblum?

Wer noch mehr Kontext braucht, für den habe ich außerdem aufgeschrieben, wie sich die Thor-Filme als Sub-Reihe innerhalb des MCU entwickelt haben, nämlich von einer Götter-Tragödie zum Space-Adventure:

[…] Auffällig dabei ist ebenfalls die Tendenz zum Ensemble-Film, der wie ein Nachtrag auf die halbe Avengers-Vereinigung in The First Avenger: Civil War wirkt. Die One-Man-Show, die Iron Man drei Mal in Folge genießen durfte, existiert in der dritten Phase nicht mehr. Stattdessen erhält der Hulk seinen eigenen Story-Arc in Thor: Tag der Entscheidung, während Doctor Strange für einen kurzen Auftritt vorbeischaut, um zukünftige Kontakte zu knüpfen, ehe die Ankunft von Thanos im Hintergrund angedeutet wird. Bei all diesen Umbrüchen, Veränderungen und anderweitigen Funktionen, die der neue Thor-Film übernimmt, bleibt nach wie vor dennoch ein wichtiger Kern erhalten, nämlich die Figuren – insbesondere Thor und Loki sowie ihr ewiger Konflikt als konkurrierende Halbbrüder. Ein Glück, dass sich Kenneth Branagh damals ins ungemütliche Metier eines Familiendramas wagte, ansonsten wäre Thor womöglich zum Sidekick der Guardians verkommen.

Thor: Ragnarok © Walt Disney Studios Motion Pictures

Matthias mag Filme und Serien. Ansonsten wäre er gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen und schaut laut Werner Herzog zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.