A Wrinkle in Time – Kritik

A Wrinkle in Time - Kritik

Ein finsteres Etwas breitet sich im Paradies aus und droht, all den Idealismus zu zerstören, dem sich Ava DuVernay in A Wrinkle in Time verschworen hat. Basierend auf der gleichnamigen Romanvorlage von Madeleine L’Engle, die hierzulande unter dem Titel Die Zeitfalte veröffentlicht und später Das Zeiträtsel neu aufgelegt wurde, erzählt der Film eine eigenwillige Geschichte, die ehrgeizig den Idealen des Seins hinterherjagt, dabei jedoch selbst so überwältigt von den fantastischen Welten ist, die sich im Zuge dieser Odyssee auftun, dass der Fokus verloren geht und nur die mit aller Deutlichkeit formulierte Botschaft das Ende der Reise überlebt. Der Kern des Films entpuppt sich dennoch als komplexes Konstrukt, das in seiner merkwürdigen Eigenart durchaus fasziniert und nicht verlegen ist, in großen Dimensionen zu denken.

Vorerst gilt es aber, eine sonnige Idylle zu etablieren, um uns die kluge Meg Murray (Storm Reid) und ihren kleinen Bruder Charles Wallace (Deric McCabe) vorzustellen, der ebenfalls ein Wunderkind ist. Im Hause Murry herrschen warme Farben, Harmonie und Zusammenhalt. Lediglich das rätselhafte Verschwinden von Megs Vater Alex (Chris Pine) trübt die Stimmung und hat tiefe Wunden hinterlassen, auch bei Megs Mutter Kate (Gugu Mbatha-Raw), die alles daran setzt, um ihren Kindern ein normales Leben zu ermöglichen. Doch was ist normal, wenn man in der Schule gemobbt und eines Tages von drei geheimnisvollen Frauen in eigenen Garten überrascht wird? Die Welt steht Kopf, denn schon bald ist Welt gar kein Begriff mehr. Stattdessen wird das gesamte Universum zum Schauplatz des nachfolgenden Abenteuers.

Angeführt von Mrs. Which (Oprah Winfrey) drängen die übertrieben gut gelaunte Mrs. Whatsit (Reese Witherspoon) und die etwas kryptische Mrs. Who (Mindy Kaling) geradezu in die unendlichen Weiten jener Orte, von denen die meisten Menschen nicht einmal zu träumen wagen – außer natürlich Alex, der an genau einem solchen Ort verschollen ist. Die Suche nach Megs Vater fungiert fortan als roter Faden in einem blitzartigen Wechsel farbenfroher Schauplätze, die entgegen ihrer sagenhaften Ideen vor allem unter dem Einsatz extrem künstlicher wie unüberlegter Spezialeffekte leiden. Ava DuVernay träumt von aufregenden, abstrakten Räumen, vermag es aber nicht, ein Gefühl für diese zu entwickeln, sondern verlässt sich hauptsächlich auf computergenerierte Landstriche, in denen nie eine Figur des diversen Ensemble Fuß fassen und atmen kann.

Dennoch zieht A Wrinkle in Time in seinen Bann. Selbst wenn der Film in kaum einem Moment der im Dialog unermüdlich thematisierten Vorstellungskraft seiner Protagonisten gerecht wird, strahlt er über weite Strecken eine bemerkenswerte Überzeugungskraft aus und schämt sich nicht dafür, seine behaupteten Werte zu zelebrieren. Der Fehler, der den Mensch erst vollkommen macht, und die Erkenntnis der Akzeptanz dieser vermeintlichen Schwäche kommen in den unterschiedlichsten Formen und Ausdrucksweisen zur Sprache. So viel Liebe und Begeisterung Ava DuVerney für ihre Figuren empfindet, gelangt A Wrinkle in Time irgendwann den Punkt, an dem kein Platz mehr für subtile Zwischentöne übrig geblieben ist, da die moralischen Anliegen unglücklich dominant jede Szene für sich beanspruchen.

Dadurch inspiriert der Film im gleichen Maße, wie er frustriert – ausbalancierte Passagen finden bloß sehr selten ihren Weg in die sprunghaft erzählte Geschichte. Wo eben noch die großen philosophischen Fragen der Existenz an den entlegensten Orten des Universums – sogar im Herzen des eingangs erwähnten finsteren Etwas – diskutiert werden, bleibt die Kamera im nächsten Augenblick träumerisch in glitzernden Gesichtern hängen und erfreut sich der alleinigen Präsenz der tollen Schauspielerinnen und Schauspieler, die entgegen aller Unstimmigkeiten kein Problem damit haben, souverän durch Raum und Zeit zu gleiten. Gleichzeitig ist A Wrinkle in Time mit dieser tonalen Zerrissenheit wieder ganz bei seiner Grundthematik: dem Akzeptieren der eigenen Schwächen. Denn das ist es, was normal ist, und von keiner dunklen Macht des Universums verschlungen werden kann.

A Wrinkle in Time © Walt Disney Studios Motion Pictures

Matthias mag Filme und Serien. Ansonsten wäre er gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen und schaut laut Werner Herzog zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.