Alien: Covenant – Kritik

Alien: Covenant - Kritik

Im Prolog von Alien: Covenant ereignet es sich, dass der Schöpfer voller Stolz seine tadellose Schöpfung betrachtet und kurz darauf trotzdem frustriert ist. Im steriler Umgebung umkreist Peter Weyland (Guy Pearce) seinen David (Michael Fassbinder), als hätte er ihn wie Michelangelo aus einem einzigen Marmorblock geschlagen. David ist prächtig, makellos, ja, geradezu perfekt – aber er ist kein Mensch, sondern ein Androide, der nach einer makellosen Darbietung von Wagner auf dem Klavier seinen Schöpfer mit diesem Umstand konfrontiert. Entgegen aller Erwartungen sehnt sich Davids Stimme aber nicht nach dem menschlichen Etwas, das ihm fehlt. Nein, im Gegenteil: David lässt den mächtigen Mann, der keine Kosten und Mühen gescheut hat, um ein Vermächtnis für die Ewigkeit zu hinterlassen, mit kühlem Unterton von seiner Endlichkeit wissen. Peter Weyland wird sterben, während David die Zeit überdauern wird.

Bereits mit Prometheus transzendierte Ridley Scott die Motive der Alien-Saga in ein noch existenzphilosophischeres Gefüge als den puren Überlebenskampf. Seit Anbeginn der Reihe tötet das titelgebende Star Beast jegliche Lebensform, die ihm in die Quere kommt. Doch mittlerweile rennt der Mensch nicht nur um sein Überleben und hastet durch die klaustrophobischen Gänge eines düsteren Raumschiffs, das einem Labyrinth direkt in die Hölle gleicht, sondern stellt selbst die großen Fragen des Lebens, ehe ihm die eigene Vergänglichkeit und Schwäche zum Verhängnis wird. Getrieben von dieser erschreckenden Erkenntnis macht sich der Mensch wagemutig wie unüberlegt auf die Suche nach dem Ursprung seiner Spezies und dringt dafür bis in die finstersten Ecken des Weltraums vor. Es beginnt eine beschwerliche Odyssee inklusive Tod und Verderben – dabei war das eigentliche Ziel der Covenant die erfolgreiche Besiedlung eines weit, weit entfernten Planeten.

Am Anfang von Alien: Covenant stehen Träume und Visionen, schon bald soll die Crew der Covenant jedoch eines Besseren belehrt werden. Bereits das Erwachen aus dem Kryoschlaf entpuppt sich als gefährliche Angelegenheit und fordert seine ersten Opfer. Nicht einmal Walter (Michael Fassbinder), die fortgeschrittene Version des eingangs zum Leben erwachten David, kann eine sichere Fahrt des gigantischen Raumschiffs gewährleisten. Zu viele Entscheidungen müssen in Angesicht zahlreicher Herausforderungen getroffen werden. Dazu gehört ebenfalls die Überlegung, auf einem unbekannten Planeten einen Zwischenstopp einzulegen – immerhin versprechen diverse Scans und weitere Daten ein unberührtes Paradies, das die Erfüllung der Mission bedeutend beschleunigen könnte. Die Verlockung ist groß, denn die wertvollste Ressource – das Leben – begrenzt. Alien: Covenant wäre kein Alien-Film, wenn ab diesem Punkt nicht alles schief laufen würde.

Dieser durchaus konventionelle Einstieg in die Geschichte stört Ridley Scott sowie seine Drehbuchautoren John Logan und Dante Harper jedoch nur bedingt, denn Alien: Covenant schöpft erst aus den Vollen, wenn die Kolonisierung der neuen Welt wahrhaftig in Aussicht steht. Das routinierte Vorspiel schafft lediglich die notwendigen Bezugspunkte zu den einzelnen Mitgliedern des Ensemble, das früher oder später sterben wird. Ab der Landung auf dem unbekannten Planten tritt dann der wahre Kern dieses Sicence-Fiction-Epos in Erscheinung und Ridley Scott feilt voller Begeisterung an der faszinierenden Mythologie, die er im ursprünglichen Alien von 1979 bloß andeutet, ehe er sie mit Prometheus präziser ausformuliert hat. Was folgt, ist eine nervenaufreibende Reise ins Herz der Finsternis, die Walter, Daniels (Katherine Waterson) und Co. unternehmen, ohne genau zu wissen, worauf sie sich bei ihrem spontanen Abstecher ins verlorene Paradies eingelassen haben.

Die Sterblichkeit spielt im Fortgang des Films eine entscheidende Rolle und fusioniert sich schließlich mit der bereits im Prolog angedeuteten Fehlbarkeit des Lebens. Als die Crew der Covenant von einer todbringenden Bestie auseinandergenommen wird, offenbart sich der verschollene David als unerwarteter Retter in der Not, der zudem erstmals auf einen Bruder im Geiste trifft: Walter. Die Zusammenführung der beiden Androiden gehört zu den aufregendsten Subplots des Films, die nicht nur in puncto Schauspiel absolut herausragend ausgeführt werden, sondern ebenfalls thematisch mit den spannendsten Konflikten aufgeladen sind. Ohne zu zögern packt Alien: Covenant die ganze Palette an moralischen Fragestellungen auf den Tisch und vermischt die Themen aus Percy Bysshe Shelleys Ozymandias-Gedicht mit der Alien-Geschichte, die fortan die Denkmäler menschlicher Schaffenskraft zerstört und sich in auswegloser Verdammnis verliert.

Problematisch ist dabei allerdings, dass Ridley Scott seine packende Vision nicht hemmungslos genug ausleben darf und immer wieder zu den Wurzeln des Franchise zurückkehren muss, um gleichzeitig ein rohes Survival-Drama zu inszenieren, das sich mit seiner vermeintlichen Hauptattraktion gewaltig verkalkuliert. In diesen Momenten droht Alien: Covenant förmlich auseinanderzubrechen und büßt jegliche Dynamik ein, weil plötzlich rastloser Terror gefragt ist. Wie schon in Prometheus war es jedoch der unheimliche Verdacht, der sich in der Ruhe des Geschehens entfaltet und schlussendlich für Gänsehaut gesorgt hat. Ein bisschen steht sich Alien: Covenant mit seinen zwei verschiedenen Ansätzen selbst im Weg und verpasst somit trotz seinem audiovisuell atemberaubenden Gewand den Sprung zum Meisterwerk. Viel zu selten passiert es in Alien: Covenant, dass Das Rheingold erklingt und die Götter in Wallhall einmarschieren.

Wenn Ridley Scott sich aber der eigenen Fesseln entledigt und in die Abgründe der Erzählung vordringt, liefert Alien: Covenant ein großartiges Beispiel dafür, wie die vertrauten Elemente der Reihe mit dem neuen, durch Prometheus gefütterten Anspruch der Götter-Odyssee verbunden werden können. Dann verschmilzt das bestialische Alien grandios mit dem Kampf, der zwischen Mensch und Übermensch herrscht, und Peter Weyland muss mit gebrochenem Stolz der Schöpfung ins Angesicht blicken, die er nach all den unzähligen wie kostspieligen und kräftezehrenden Tests Richtung Vollkommenheit getrieben hat. David derweil blickt auf seinen Schöpfer herab und empfindet nichts als Ekel und Verachtung vor dem erbärmlichen Tropf, der sich vergebens an seine bedeutungslose Schöpfergewalt klammert. Als Peter Weyland einen Befehl wiederholen muss, ehe die zögerliche Ausführung durch den Androiden erfolgt, dämmert ihm sein Untergang. Ein letztes Mal durchquert der David den Raum, um eine Tasse Tee zu servieren. Danach soll er es nie wieder tun.

Alien: Covenant © 20th Century Fox

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
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