Just Mercy – Kritik

Just Mercy

Ende der 1980er Jahre entscheidet sich der aufstrebende junge Anwalt Bryan Stevenson (Michael B. Jordan), nach seinem Abschluss in Havard nach Alabama zu gehen und sich dem Schicksal zu Unrecht verurteilter Menschen anzunehmen, die auf ihre Todesstrafe warten. Ein unerwarteter Schritt, der hauptsächlich mit verständnislosen Blicken gewürdigt wird. Lediglich in der Anwältin Eva Ansley (Brie Larson) findet Bryan eine Verbündete im Kampf gegen die Ungerechtigkeit, konkret im Fall von Walter „Johnny D.“ McMillian (Jamie Foxx), der aufgrund eines Mordes, den er angeblich begangen hat, zum Tode verurteilt wurde. Die Beweise sprechen bei nachträglicher Betrachtung eindeutig für seine Unschuld, doch das System ignoriert die unbequeme Wahrheit.

Es ist nicht nur eine aufwühlende, sondern auch eine wahre Geschichte, die Short Term 12-Regisseur Destin Daniel Cretton mit Just Mercy auf die Leinwand bannt. Auf der Basis von Bryan Stevensons Memoiren hat er zusammen mit Andrew Lanham ebenfalls das Drehbuch zu dem Gerechtigkeitsdrama geschrieben, das auf den ersten Blick nicht konventioneller ausfallen könnte. Zuerst lernen wir die Figuren als Außenseiter kennen, die sich mit ihren Fragen im konservativen Amerika jener Zeit keine Freunde machen, obwohl sie für die richtige Sache argumentieren. Entgegen der anfänglichen Aussichtslosigkeit, schreitet der Fall nach und nach voran. Von den Involvierten wird allerdings weit mehr als ihre Geduld gefordert. Am Ende des Tages stehen Menschenleben auf dem Spiel.

So vertraut die Dramaturgie von Just Mercy sein mag: Destin Daniel Cretton nutzt das Vertraute als stabiles Fundament, um mit eindringlichen Szenen den institutionalisierten Rassismus aufzuzeigen, der dafür verantwortlich ist, dass Johnny D. unschuldig hinter Gittern sitzt. Just Mercy nimmt dabei vor allem die Perspektive von Bryan Stevenson ein, der auf der Suche nach Gerechtigkeit seine Ausdauer unter Beweis stellen muss. Michael B. Jordan erweist sich als großartige Besetzung für die Rolle. Nach seinen körperlichen Auftritten in den Creed-Filmen erhält er unter Destin Daniel Crettons Regie die Möglichkeit, eine Figur zu verkörpern, die sich immer wieder zusammenreißen muss, obwohl sie im Angesicht des unfassbaren Unrechts am liebsten vor Wut toben würde.

Stattdessen bündelt sein Bryan Stevenson all die aufgeladenen Gefühle in seinem Inneren und versucht, die Ruhe zu bewahren. Dieses Ringen bringt Michael B. Jordan fesselnd in einer starken Performance rüber, die nur dann übertroffen wird, wenn Jamie Foxx in die kaputte Seele von Johnny D. blicken lässt. Da sich der Verurteilte und sein Anwalt nur wenige Szenen teilen, werden wir immer wieder Zeugen seiner Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit. Nach all den Niederlagen ist Johnny D. verroht und hat den Glauben an die Justiz verloren, seinen wahren Schmerz enthüllt Destin Daniel Cretton aber erst, wenn er den Vater und Ehemann mit der verlorenen Zeit konfrontiert, die dieser ohne seine Familie verbracht hat, während er auf seinen Tod wartete.

„Es ist nie zu spät für Gerechtigkeit“, erklärt Bryan Stevenson in einer seiner überzeugenden Ansprachen vor Gericht. Sorgfältig recherchiert rollt er den Fall von Johnny D. noch einmal aus und spricht all die Dinge an, die Staatsanwalt Tommy Chapman (Rafe Spall) am liebsten direkt vergessen würde. Doch dann gibt es da noch eine andere Wahrheit, die selbst Bryans Glauben in die Justiz und die Gesellschaft erschüttert. Egal wie der Fall ausgeht: Das System hat Johnny D. mehr genommen, als es in der Lage ist, ihm jemals wieder zurückzugeben. Im Entdecken dieser Momente versteckt sich die große Stärke von Destin Daniel Crettons Film. Denn abseits vom Aufarbeiten historischerer Ereignisse macht Just Mercy die emotionale Bürde dieser Erkenntnis begreifbar.

Just Mercy © Warner Bros.